Kampf gegen Hydrocephalus
: Wie eine junge Frau ihren schwerkranken Mann aus Luckau unterstützt

Seit über zwei Jahren kämpft er tapfer um sein Leben: Roman Lamprecht aus Luckau hat einen Gehirntumor und leidet an einem Hydrozephalus. Er hat mehr als 30 OPs hinter sich. Seine Frau Anne ist für ihn da und unterstützt ihn, wo sie kann.
Von
Julia Siebrecht
Luckau
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V.l.n.r.: Anne Lamprecht, Michaela Kuba, Sophia Falkowski mit Besucherinnen und Besuchern des Benefizkonzerts für Roman Lamprecht in Luckau. Sophia Falkowski hatte auch das Spendenkonto für Roman eingerichtet.

Frank Ratajczak

Seit 13 Jahren sind sie ein Paar, im vergangenen Jahr haben sich Roman und Anne Lamprecht dann das Ja–Wort gegeben. „Da ist er gerade aus der Reha gekommen“, erzählt Anne Lamprecht. Die Hochzeit sei eine spontane Idee gewesen. Sie wollten frisch verheiratet in ein neues, gemeinsames Leben starten, als Gehirnoperation und Bestrahlung hinter dem in Luckau aufgewachsenen Roman Lamprecht lagen.

„Roman ist sehr lebensfroh und der liebenswürdigste Mensch, den ich kenne“, sagt Anne Lamprecht. Meine Mutter meint, ich hätte mir keinen besseren Ehemann backen können.“ Im Jahr 2014 ist bei dem 37–Jährigen ein Hämangioblastom am Hirnstamm festgestellt worden. Eigentlich ist der Tumor gutartig. Doch in seinem Gehirn bilden sich immer mehr Zysten. „Die Ärzte vermuten, dass der Tumor hierfür die Ursache ist, doch ganz genau wissen sie es auch nicht“, so Anne Lamprecht.

Luckauer aus dem Koma zurückgeholt

Etwa zweieinhalb Monate nach der Hochzeit verschlechtert sich der Zustand ihres Ehemannes zusehends. Immer häufiger bekommt er zu Hause schwere Anfälle, ständig muss der Notarzt gerufen werden. Hinzu kommen mehrere Infarkte. „Seit März 2022 hat Roman 35 Operationen überstanden, davon 33 am Kopf“, sagt seine Frau. Seit neun Monaten liegt er auf der Intensivstation. Zuerst ist er am Carl–Thiem–Klinikum in Cottbus behandelt worden. „Die Ärzte kamen irgendwann nicht mehr weiter.“ Daraufhin sei er in die Berliner Charité geflogen worden, wo er sich auch jetzt befindet.

Roman Lamprecht aus Luckau mit seiner Frau Anne Lamprecht.

Schlossberg Luckau

Anne Lamprecht besucht ihren Mann jeden Tag im Krankenhaus. In einem Intensivtagebuch protokolliert sie minutiös Messwerte, welche Medikamente in welcher Dosis ihr Mann bekommt, welche Behandlungen durchgeführt werden, wie sich sein körperlicher Zustand entwickelt und vieles mehr. „Damit konnte ich auch schon den Ärzten aushelfen“, sagt sie. Momentan sei vor allem der Aufstau von Gehirnwasser, auch Hydrozephalus genannt, ein akutes Problem. Ihr Ehemann ist vor kurzem aus dem Koma zurückgeholt worden. „Roman kann sich mit Kopfnicken und Zeigebewegungen mit mir verständigen.“ Sprechen kann er aufgrund eines Luftröhrenschnittes nicht. Auch schlucken ist ihm zurzeit nicht möglich.

Anne Lamprecht bleibt stark für ihren Mann

Die vielen Operationen haben natürlich gravierende Einschränkungen seines körperlichen und mentalen Zustands verursacht. „Roman ist sehr geschwächt“, sagt Anne Lamprecht. Er kann die Augen nicht öffnen, seine Zunge ist gelähmt, er muss künstlich ernährt werden, ist hörgeschädigt, hat einen Tremor in den Händen und sein Kurzzeitgedächtnis ist gestört“, zählt die junge Frau auf. Außerdem habe er sehr viel Gewicht verloren. Sich über Mimik und Gestik auszudrücken, ist ihm derzeit nicht möglich. Ihren Mann seit zwei Jahren zu pflegen und täglich für ihn da zu sein, ist für sie zum Vollzeitjob geworden. Er hat Pflegestufe vier. Bald wird Anne Lamprecht Arbeitslosengeld beantragen müssen. „Wir haben auch ein Grundstück in Groß Beuchow, um das ich mich kümmern muss“, sagt sie.

Hinzukommt die immense psychische Belastung. In die Zeit der Erkrankung ihres Mannes fallen auch weitere familiäre Schicksalsschläge. So sind ihr Vater und ihre Großmutter in dieser Zeit gestorben. „Meine Tochter ist unglaublich stark“, sagt die Mutter von Anne Lamprecht. „Und auch Roman ist es, der seit Monaten jeden Tag um sein Leben kämpft.“ Für Anne Lamprecht ist ihre Mutter eine unentbehrliche Stütze. Auf ihre Mama könne sie immer zählen, sagt sie. Auch würde sie viel Unterstützung von Freunden bekommen. Das gibt ihr Halt und sei eine unentbehrliche Hilfe.

Benefizveranstaltung in Luckau für Roman und seine Familie

Diese Woche hat nun am Schlossberg Luckau eine Benefizveranstaltung für Roman Lamprecht und seine Familie stattgefunden. Viele Musiker sind aufgetreten, darunter Titzian von „Bass vom Fass“, Lutz und Heike von „Shawue“, Olaf und Dennis von „Cherry to Wine“, sowie die Crew der „Naund Rockband“. Zwischen einem der Auftritte sagt Ingo Wolff, einer der Organisatoren, man habe viele Bands und Musiker engagiert, weil auch Roman ein großer Musikliebhaber ist. „Er hat viele Diskos mitgemacht, ist selbst in und um Luckau aufgetreten und war immer mit dabei, wenn wir ihn gebraucht haben.“ Mit der Veranstaltung wolle man ihm für das Engagement, das er stets gezeigt hat, ein Stück weit etwas davon zurückgeben.

Eine vierstellige Summe ist beim Benefizkonzert für Roman Lamprecht am Schlossberg Luckau gesammelt worden.

Frank Ratajczak

Viele Menschen sind gekommen und haben gespendet. „Ich bin total überwältigt von der großen Anteilnahme und freue mich sehr, dass so viele gekommen sind“, so Anne Lamprecht. „Ich möchte mich im Namen von Roman ganz, ganz herzlich bei allen bedanken, die an ihn gedacht haben“, sagt sie. „Ich freue mich schon sehr, ihm davon zu erzählen“, meint sie. „Und wenn er wieder die Augen öffnen kann, kann er sich selbst ansehen, wie viele Menschen an diesem Abend für ihn zusammengekommen sind.

Bei der Benefizveranstaltung ist ein vierstelliger Betrag an Spendengeldern für Roman und seine Familie gesammelt worden. Hier kann noch bis 31. Juli gespendet werden.