Das Luckauer Bohnstedt-Gynmasium hat eine Jahrhunderte lange Traditon und ist eines der ältesten im Land Brandenburg. Renate Nowotnick hat hier 1973 ihr Abitur abgelegt, an der damaligen Erweiterten Oberschule (EOS). Heute unterrichtet sie hier selbst. Die Lehrerin für Englisch und Deutsch ist stolz darauf, dass es erhalten blieb. 1982 war die EOS geschlossen worden. „Viele waren damals tieftraurig über das Ende“, beschreibt sie die Stimmung in der Stadt. Folgerichtig war es 1990 eine der ersten Entscheidungen des Runden Tisches in Luckau, die Abiturausbildung wieder zu beleben. Im Jahr darauf stand das Gymnasium nochmals auf der Kippe. „Wir haben sehr um den Erhalt der Schule gekämpft, sammelten Unterschriften und übergaben sie dem Landtag“. Mit Erfolg. Mit neun weiteren Ehemaligen gründete sie 1992 den Förderverein des Gymnasiums. Seitdem engagiert sie sich mit ganzem Herzen für jene Dinge, die über das Vermitteln von Wissen im Unterricht hinausgehen. „Eine Schule hat keine eigenen finanziellen Mittel für Projekte mit Schülern. Diese jedoch ergänzen den Unterricht, lassen Inhalte erleben, geben Ansporn und eröffnen den Schülern andere Perspektiven“, erläutert die 64-Jährige.

Jährliches Willkommensfest für die Siebtklässler

Von Anfang an arbeitet sie im Vorstand mit, seit 2007 ist sie Vereinsvorsitzende. Anfangs erhielten die Luckauer Unterstützung vom Partnergymnasium in Plochingen. Das jährliche Willkommensfest für die Siebtklässler ist eine von dort übernommene Idee. Zu den eigenen Traditionen zählt das Ehemaligentreffen an jedem 27. Dezember. Der Verein ermöglicht den Schüleraustausch mit Partnerschulen, derzeit mit dem Collége „Louis Bonvier“ in Frankreich. Jährlich wird der „Bohnstedt-Preis“ für besonders gelungene Projektarbeiten zu Themen der Geschichte, deutschen Sprache, Ethik und Religion, Kunst, Politik und Sport vergeben. Der naturwissenschaftliche Teil lag bisher in den Händen des Fördervereins Naturpark Niederlausitzer Landrücken und muss neu geordnet werden.

Heute zählt der Schulförderverein 223 Mitglieder, darunter Eltern, Lehrer, Ehemalige sowie Freunde des Gymnasiums. „Wir haben viel erreicht. Das Gymnasium ist heute gut etabliert und ein Aushängeschild der Stadt Luckau.“ Der Vorstand könne sich stets auf die Unterstützung engagierter Mitglieder verlassen. „Sonst wäre unsere Arbeit in diesem Umfang nicht möglich“, betont Renate Nowotnick.

Besuche einer Moschee, Synagoge, eines Tempels und anderer Stätten religiösen Lebens

Ein Herzensprojekt ist für die Christin die jährliche Religionsphilosophische Woche; 1993 von der damaligen Religionslehrerin Siglinde Illig erstmals mit einem Pfarrer aus Westberlin organisiert. Schon bald übernahm Renate Nowotnick diese Aufgabe. Anfangs habe sie nur alle zwei oder drei Jahre stattgefunden. „Das Interesse der Schüler war jedoch so groß, dass wir sie seit fast 20 Jahren jährlich für die Elftklässler durchführen.“ Organisiert wird diese in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz (EKBO). Groß sei die Bereitschaft der Schüler, im Vorbereitungsteam für das umfangreiche Programm mitzuwirken. Es umfasst das Kennenlernen der Weltreligionen aus erster Hand, durch Vertreter der jeweiligen Religion. Eingeschlossen sind Besuche einer Moschee, Synagoge, eines Tempels und anderer Stätten religiösen Lebens. Ein Projekttag ist dem Christentum gewidmet. Höhepunkt bildet eine Gesprächsrunde mit dem Landesbischof. Diskussionen und Workshops zu Ethik, Philosophie und Lebensfragen unterstützen kirchliche Mitarbeiter aus Luckau und der Region. „Ich bin Christin und finde es wichtig, dass die Schüler in dieser materiell orientierten Gesellschaft auch Werte wie Nächstenliebe, gegenseitige Achtung, Toleranz und Hilfsbereitschaft vermittelt bekommen.“ Darüber hinaus begegneten sich die Schüler innerhalb dieser Woche in einer anderen Situation. Abseits des Unterrichts könnten sie andere Seiten an sich aufzeigen und kennenlernen. Immer wieder beobachte sie, dass die Schüler nach dieser Woche achtsamer miteinander umgehen.

Luckauerin in der Kreis- und Landessynode aktiv

Es ist wohl auch ein Stück weit die eigene Erfahrung, weshalb die ihr das Vermitteln der christlichen Werte wichtig ist. Als Pfarrerstochter war es für sie zu DDR-Zeiten nicht einfach, denn wer zu seinem christlichen Glauben stand, befand sich abseits vom damaligen gesellschaftlichen Konsens. „Es hat uns als Kinder und Jugendliche als christliche Gemeinschaft aber auch zusammengeschweißt“, blickt sie zurück.

Seit 1996 gestaltet sie zudem ehrenamtlich die Arbeit der evangelischen Kirche mit, ist stellvertretende Vorsitzende des Präsidiums sowohl in der Kreissynode des Kirchenkreises Niederlausitz als auch in der Landessynode der EKBO. Eine Synode ist das Parlament der evangelischen Christen. „Und es gilt das protestantische Prinzip, dass Laien darin die Mehrzahl der Mitglieder bilden müssen“, erläutert Renate Nowotnick. Sie diskutieren und beschließen Leitlinien und Gesetze, befinden über die Finanzen, wählen den Bischof und weitere leitende Kirchenparlamentarier. Für die Luckauerin ist es wichtig, dass auch Christen aus der ländlichen Region in der Landessynode mitarbeiten und die Interessen der Menschen hier vertreten können. „Das Ehrenamt macht mir viel Freude. Ich fühle mich gut aufgehoben in der Gemeinschaft und es ist eine erfüllende Aufgabe“, resümiert Renate Nowotnick.

In einer Serie stellt die RUNDSCHAU Herzensmenschen vor. Es geht um Männer und Frauen, die mit Leidenschaft und großem Engagement ihre Sache verfolgen – oder in ihrem Leben eine Herzensentscheidung treffen mussten, die nicht ohne Risiko war und vieles verändert hat.

Wenn Sie Vorschläge haben, wer im Rahmen dieser Serie vorgestellt werden sollte, wenden Sie sich gern an die LR, am besten per E-Mail an red.spreewald@lr-online.de.