Zuse-Museum Hoyerswerda
: Wie in der DDR Computer entwickelt wurden

Fast ohne Zugriff auf das am Weltmarkt verfügbare Wissen baute Robotron Rechner in der DDR. Eine Ausstellung im Zuse-Computer-Museum widmet sich nun der Geschichte hinter den Geräten.
Von
Katrin Demczenko
Hoyerswerda
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Rudolf Kolar begann 1990 privat Robotron-Rechner zu sammeln. Er besitzt auch Geräte, wie sie in der neuen Ausstellung im Zuse-Computer-Museum Hoyerswerda gezeigt werden.

Foto: Katrin Demczenko

Der PC 1715 ist den älteren DDR-Bürgern noch ein Begriff. Der VEB Kombinat Robotron produzierte diesen Rechner sowohl für das eigene Land, als auch die sozialistischen Bruderstaaten. Da sich der Firmensitz und einige Produktionsstätten in Sachsen befanden, steht die Computerentwicklung der DDR im aktuellen Jahr der Industriekultur 2020 im Freistaat Sachsen auch im ZCOM auf der Agenda.

Wie Museumsleiterin Andrea Prittmann mitteilt, beteiligt sich das Zuse-Computer-Museum in Hoyerswerda mit der Sonderausstellung „Der Computer & die DDR“. ZCOM-Mitarbeiter Marcus Matics erinnert die Besucher der Vernissage am vergangenen Sonntag an Prof. Dr. Nikolaus Joachim Lehmann, der von 1948 bis 1956 an der Technischen Hochschule Dresden den ersten elektronischen, programmgesteuerten Rechenautomaten der DDR konzipierte und baute.

Hoyerswerdas Zuse-Computer-Museum zeigt Robotron-Technik

Alle Entwicklungen im Osten Deutschlands wurden auch vom Computererfinder Prof. Dr. Konrad Zuse im hessischen Hünfeld mit Interesse verfolgt. Fast ohne Zugriff auf das am Weltmarkt verfügbare Wissen bauten die Robotron-Mitarbeiter eigene Rechner, darunter den K 5501 oder den KC 85/1 für Hochschulen, Betriebe und zum Ende der 1980er-Jahre auch für die Bevölkerung.

„Das Angebot war viel zu gering“, erinnert sich Elektriker Rudolf Kolar auf der Vernissage. Als Schichtarbeiter im Gaskombinat Schwarze Pumpe sparte er jahrelang fast 8000 Mark für einen eigenen Rechner zusammen. 1987 konnte er diese Summe „schwarz“ in 800 DM umtauschen. Dafür bekam er seinen Commodore C 64. Disketten und Programme gab es damals nur auf Trödelmärkten. Seit 1990 sammelt Rudolf Kolar aus Neugier zu Hause Robotron-Technik.

Diplom-Ingenieur Jürgen Jehmlich hatte von 1974 bis 1989 am VEB Institut für Zuschlagstoffe und Natursteine Großräschen mit fast allen DDR-Computern zu tun. Mittels dieser Rechner sollten die Arbeitsabläufe in allen sächsischen Steinbrüchen optimiert werden. „Wir benutzten im Institut auch den von Prof. Dr. Nikolaus Joachim Lehmann entwickelten Cellatron C8205“, erzählt er. Überdies hatte er als Student Vorlesungen bei dem DDR-Computerpionier. Heute gibt der Rentner sein Wissen im ZCOM-Förderverein weiter.

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