(sey) Die Stadt Bernsdorf schaut dem demographischen Wandel ins Auge. Fachkräfte fehlen. Zugleich floriert die Wirtschaft im Landkreis. Der Kamenzer Hersteller für Batterien für Elektrofahrzeuge Accumotive beschäftigt bereits mehr als einhundert Mitarbeiter. Auch bei TDDK in Bernsdorf, Müllermilch in Leppersdorf oder Bosch in Dresden dreht sich die Erfolgsspirale nach oben. Die Zahl der Beschäftigten wächst beständig.

Um den Fachkräftebedarf perspektivisch zu sichern, müssen schon heute die Weichen gestellt werden. Wohnbauflächen sind gefragt, die soziale Infrastruktur muss angepasst sowie die Versorgung und Mobilität gewährleistet werden. Damit die Kommunen im erweiterten Speckgürtel die Voraussetzungen unter anderem für Neuansiedlungen schaffen, hat das Landratsamt Bautzen ein Siedlungsentwicklungskonzept initiiert. Bernsdorf ist eine von insgesamt 19 Kommunen (Arnsdorf, Elstra, Großnaundorf, Großröhrsdorf, Haselbachtal, Kamenz, Königsbrück, Laußnitz, Lichtenberg, Neukirch, Ohorn, Ottendorf-Okrilla, Pulsnitz, Radeberg, Schönteichen, Schwepnitz, Steina und Wachau), die eine Absichtserklärung zur Zusammenarbeit abgegeben haben.

Wie Linda Pawlowski im jüngsten Bernsdorfer Stadtrat vortrug, kümmert sich die Stadt längst um diese Aufgabe. Im Rahmen vom Siedlungsentwicklungskonzept nahm Bernsdorf seine Infrastrukturen nun genauer unter die Lupe und stellte relevante Maßnahmen vor. Zusätzliche Wohnflächen gibt es demnach in der Friedrich-Engels-Straße. Anfang kommenden Jahres soll das Areal erschlossen werden. „Wir gehen davon aus, dass dort in der zweiten Jahreshälfte gebaut werden kann“, sagt Linda Pawlowski. Baugrundstücke für insgesamt 25 Eigenheime sind vorgesehen. Die Nachfrage ist offenbar da: 20 Interessenten haben sich bereits vormerken lassen. Mehr noch: Auch die Fläche der ehemaligen Zinkweißbrache soll langfristig als Gewerbegebiet zur Verfügung stehen.

In puncto Mobilität wurde das touristische Angebot der Seenlandbahn durch die Braunkohlekommission als wichtiger Punkt ins Maßnahmepaket für den Strukturwandel aufgenommen. Als Vorreiter für eine feste S-Bahn-Verbindung soll sie langfristig den ländlichen Raum an den Ballungsraum anschließen. Immerhin, der Verkauf vom Bernsdorfer Bahnhofsgebäude, das sich bislang in Privateigentum befand, wurde der Stadt in der vergangenen Woche zugesichert. Das Gelände um den Bahnhof Bernsdorf-Straßgräbchen ist für den Ausbau als Verkehrsknotenpunkt schließlich strategisch wichtig. Ähnlich verhält es sich mit den Grundstücksflächen neben den Schienen am Bahnhof Wiednitz. Aus strategischen Gründen kaufte die Stadt jüngst das Areal neben den Gleisen sowie die Bahnhofslagerhalle von der Deutschen Bahn ab. Und auch der Autoverkehr soll laut Verkehrswegeplan weiter ausgebaut werden. So ist vom Schnittkreuz der S94/B97 in Bernsdorf eine weiterführende Trasse zur A13 in Ruhland in Planung.