Windrad in Spreetal
: Heftiger Widerstand gegen neue Anlagen bei Burgneudorf

Die Pläne der Leipziger Stadtwerke für riesige neue Windräder bei Burgneudorf (Spreetal) stoßen auf Widerstand. Aber der Industriepark Schwarze Pumpe braucht mehr Strom.
Von
Ronald Ufer
Spreetal
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Windräder in Thüringen: ARCHIV - 31.07.2023, Thüringen, Warza: Sonnenlicht scheint zwischen dunklen Regenwolken hindurch über einem Windpark bei Gotha. (zu dpa: «Thüringen beim Windkraft-Ausbau weiter hinten») Foto: Martin Schutt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

281 Meter hoch sollen die fünf Windräder bei Burgneudorf werden. Dagegen regt sich massiver Widerstand. (Symbolfoto)

Martin Schutt/dpa
  • Geplanter Windpark bei Burgneudorf: fünf 281 m hohe Anlagen auf Ex-Tagebauflächen.
  • Heftiger Widerstand: Sorge um Sichtbarkeit, Infraschall, Schlafstörungen, Wertverlust.
  • Industriepark Schwarze Pumpe braucht Strom; Ausbau nach Süden könnte begrenzt werden.
  • Bürgermeister: zu wenige Vorranggebiete; B-Plan soll Steuerung sichern, Wildwuchs vermeiden.
  • Geplant: 36 MW, 116.000 MWh/Jahr, Umspannwerk; Zahlungen: 8 Mio. + 0,2 Cent/kWh in 20 Jahren.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Pläne für einen weiteren Windpark bei Burgneudorf stoßen in der Gemeinde Spreetal auf heftige Kritik. Die Leipziger Stadtwerke wollen auf gesperrten Teilflächen des früheren Tagebaus Brigitta fünf je 281 Meter hohe Windräder errichten. Der Strom könnte unter anderem im Industriepark Schwarze Pumpe genutzt werden.

Die Einleitung des Bebauungsplanverfahrens wirft für den Ortschaftsrat Burgneudorf und mehrere Gemeinderäte viele Fragen auf. Dabei geht es um die Entwicklungsmöglichkeiten des Dorfes und um die Zukunft der gesamten Gemeinde Spreetal.

Der Windpark werde quasi mitten im Gemeindegebiet errichtet, wäre dann von fast überall zu sehen, meint der frühere Bürgermeister von Spreetal, Manfred Heine. Das wäre so, als würde mitten auf dem Dorfplatz gebaut.

Windpark würde Industriepark Schwarze Pumpe begrenzen

Heine sieht noch weitere Probleme. Die Anlagen würden den weiteren Ausbau des Industrieparks Schwarze Pumpe begrenzen. Die von Spremberg in dessen Südbereich geplanten Erweiterungsflächen seien schon durch Interessenten abgedeckt.

Für die im Süden gelegenen Flächen der Gemeinde Spreetal liege der Wert bei einem Drittel. Eine weitere Vergrößerung des Industrieparks sei aber nur nach Süden möglich, erläutert der Gemeinderat. Er lehnt die Pläne ab und will bestehende Windparks im Bereich Zerre in Richtung Graustein erweitern.

Heine bewegt noch ein anderes Problem. Der Mindestabstand von 1000 Metern zwischen Windrädern und Bebauungsgrenze Burgneudorf könnte ein angedachtes Wohngebiet  im Bereich des Sportplatzes verhindern.

Burgneudorf stöhnt wegen vieler problematischer Projekte

Noch grundsätzlicher formuliert Hans-Joachim Baumgarten, Ortsvorsteher von Burgneudorf, seine Ablehnung. „Wir werden als Wohnort immer unattraktiver durch Windanlagen, Industriepark, Kohlebahn, Speicher, anstehende Straßensanierungen und den damit verbundenen Umleitungsverkehr. Es gibt kaum Geld für Straßen und Radwege. Wer wird dann noch herziehen.“

Bauen würden höchstens noch Leute, die schon im Ort wohnen, meint er. Die Einwohnerzahl sei von einmal 490 auf 289 gesunken. Baumgarten befürchtet durch den Windpark Belastungen durch Infraschall, Schlafstörungen und Entwertung der Grundstücke. Mehrere Kommunen in Sachsen hätten sich aus diesen Gründen gegen neue Windkraftanlagen ausgesprochen.

Bürgermeister Marco Beer hat Verständnis für die Sorgen der Bürger. „Was los ist, ist allen bekannt. Wir fassen jeden Dreck ab.“ Er verweist auf Belastungen durch den Grundbruch Spreetal, durch die Sanierung von S130 und B97 mit Umleitung des Schwerverkehrs. Die Sanierung des Spreetaler Sees liege viele Jahre in der Ferne.

Der Schwerverkehr belastet Burgneudorf bereits heute erheblich. Während der Sanierung der B97 würden noch deutlich mehr Lastzüge den Ort passieren.

Der Schwerverkehr belastet Burgneudorf bereits heute erheblich. Während der Sanierung der B97 würden noch deutlich mehr Lastzüge den Ort passieren.

Ronald Ufer

Dazu komme das Versuchsfeld für die Rütteldruckverdichtung, die als Technologie für die Sanierung der B97 erprobt wird. Weitere Belastungen gibt es durch jahrelange Sanierungsarbeiten an der Kleinen Spree, die unter anderem dem Hochwasserschutz und der Wasserregulierung dienen, so Beer.

Er verweist auch auf die Solidarität der anderen Gemeindeteile mit Burgneudorf. Die Umlenkung von Schwerverkehr über Burg und Neustadt fange ein Drittel dieser Belastungen ab. „Wir lassen keinen Gemeindeteil allein, handeln gemeinsam“, sagt er.

Beer sieht aber ein Grundproblem. Im Landkreis Bautzen würden zu wenige Windenergie-Vorranggebiete ausgewiesen, um das zweiprozentige Flächenziel zu erreichen. Es gebe zu wenige geeignete Flächen wegen anderer Aufgaben und auch, weil große Areale wegen Nutzung durch die Bundeswehr oder deren Nachbarschaft ausgeschlossen würden.

Landkreis Bautzen mit zu wenigen Windenergiegebieten

Der neue Windpark ist Teil eines Windenergie-Vorvorranggebietes und im Entwurf des neuen Regionalplanes enthalten. Daher warb der Bürgermeister dafür, ein B-Planverfahren zu starten. Dann habe die Gemeinde wenigstens begrenzte Steuerungsmöglichkeiten.

Beer warnte vor der Nichteinhaltung des Flächenziels. Dann sehe das Gesetz vor, dass mit wenigen Einschränkungen ohne Zustimmung der Gemeinde überall im Außenbereich Windkraftanlagen errichtet werden könnten. Einen solchen Wildwuchs wolle niemand.

Zwei Drittel der Teilnehmer einer Bürgerbefragung in Spreetal hatten gegen weitere Windparks gestimmt, dem Gemeinderat aber ermöglicht, weitere Entwicklungen zu steuern. Letztlich verschieben die Gemeinderäte die Entscheidung über den Start des B-Planverfahrens, um weiter über offene oder strittige Fragen beraten zu können.

Der neue Windpark bei Burgneudorf

Der neue Windpark soll zwischen Burgneudorf und dem Industriepark Schwarze Pumpe entstehen. Als Investor stehen die Leipziger Stadtwerke bereit. Nach bisherigen Planungen sollte im Frühjahr 2026 das B-Planverfahren starten und nach einem Jahr abgeschlossen werden. Baubeginn wäre dann 2027 und die Inbetriebnahme Anfang 2029.

Die fünf jeweils insgesamt 280 Meter hohen Anlagen würden insgesamt eine Maximalleistung von 36 Megawatt erreichen. Damit könnten pro Jahr mehr als 116.000 Megawattstunden Strom produziert werden. Das entspricht dem Bedarf von 34.000 Haushalten. Auch ein eigenes Umspannwerk ist geplant. Die grüne Energie soll die weitere Entwicklung des Industrieparks Schwarze Pumpe fördern.

Laut einer Modellrechnung der Leipziger Stadtwerke würden bei einer zwanzigjährigen Nutzungszeit der Anlagen verpflichtend acht Millionen Euro in die Gemeindekasse fließen. Das kommunale Unternehmen würde Spreetal auf freiwilliger Basis zusätzlich an den Erträgen mit 0,2 Cent je Kilowattstunde beteiligen. Das wären weitere fünf Millionen Euro in zwei Jahrzehnten.