Von Rita Seyfert

Die IG Metall hat die Beschäftigten des Ikea-Zulieferers Maja Möbelwerke in Wittichenau zum ersten Warnstreik aufgerufen. Um 12.30 Uhr legten circa 350 Mitarbeiter die Arbeit für drei Stunden nieder. Ziel ist die Einführung des Flächentarifvertrags in der Holz- und Kunststoffindustrie für Sachsen.

Betriebsratsvorsitzende Daniela Krätzschmar (47): „Das Angebot der Geschäftsleitung der Maja Möbelwerke ist eine Beleidigung für die Belegschaft.“ Aktuell werden nur 30 Cent in drei Jahren zugesichert. „Das wäre der Mindestlohn, aber nicht mehr.“ Das gehe nicht.

Von den rund 900 Mitarbeitern bei Maja-Möbel werden Zwölf-Stunden-Schichten, Wochenenddienste und Zusatzschichten erwartet. „Selbstverständlich zum Mindestlohn“, so Betriebsratschefin Krätzschmar. Doch das sei definitiv inakzeptabel.

Derzeit arbeiten die Beschäftigen, darunter etwa 40 Prozent aus Polen, knapp über dem Mindestlohn. Die niedrigste Entgeltstufe bei Maja-Möbel beträgt 9,19 Euro Brutto pro Stunde. Zum Vergleich: Die niedrigste Entgeltstufe vom angestrebten Flächentarifvertrag liegt bei 11,92 Euro.

Vor allem die älteren, langjährigen Mitarbeiter stehen am Gründonnerstag mit Transparenten und Trillerpfeifen vorm Werkstor auf der Straße. Die Zeitarbeiter und Beschäftigten mit befristeten Arbeitsverhältnissen nähmen aus Angst vor Sanktionen Urlaub, wird erklärt.

Eine Mitarbeiterin, die von Anfang an dabei ist und den Betrieb vor 27 Jahren mit aufgebaut hat, ist Gabriele Kowall (54). Ihre Arbeitsjahre gleicht der Lohn jedoch nicht aus. Die langjährige Mitarbeiterin steht mit den Berufsanfängern auf einer Lohnstufe. Nach 27 Betriebsjahren bekommt sie immer noch nur Mindestlohn.

Gabriele Kowalls Arbeitskolleginnen Ilona Müller (53), Annerose Dutschmann (61) und Hannelore Rehork (59) teilen ihr Schicksal. „Wir haben Angst vor Altersarmut“, sagen sie. Von ihrer körperlich anstrengenden Akkordarbeit erhoffen sie sich eigentlich ein besseres Leben. Ihr Lohn sei aber zu niedrig. „Alles haben sie uns genommen“, sagen sie. Das Urlaubs- und Weihnachtsgeld wurde mit der Einführung des Mindestlohns gestrichen.

„Jetzt wird uns auch noch eine halbe Stunde pro Woche abgezogen.“ Bei einer 38-Stunden-Woche mit siebeneinhalb Stunden Arbeitszeit entsteht wöchentlich eine Differenz von 30 Minuten. „Auch wenn wir krank geschrieben sind, müssen wir diese fehlende halbe Stunde pro Woche wieder herausarbeiten.“

Die 26 Tage Jahresurlaub reichten kaum zum Erholen. Die Arbeitsbedingungen sseien schlecht. Auch im Sommer bei 30 Grad Celsius liefen die Bänder. Getränke müssen sich die Mitarbeiter erbetteln, wie sie sagen. Der Arbeitgeber stelle im Sommerhalbjahr von Mai bis August nur wenige Flaschen Wasser zur Verfügung. Eine Kantine fehle.

Auch die Wertschätzung bleibe bei Maja Möbel auf der Strecke. „Zum 20-jährigen Betriebsjubiläum spendierte der Arbeitgeber einen 30-Euro-Gutschein“, erzählt eine Mitarbeiterin. Und im 25. Jahr der Betriebszugehörigkeit gab es einen Urlaubstag extra. „Beschämend“, finden die Frauen.  

Dass dieser erste Warnstreik schon zur Einigung führt, bezweifelt Betriebsratschefin Krätzschmar: „Eine 27-jährige Betriebspolitik lässt sich nicht so schnell kippen.“ Nichtsdestotrotz: „Wir streiken solange, bis wie ein brauchbares, verhandlungsfähiges Angebot auf dem Tisch haben.“

Wittichenau