Von Rainer Könen

Auf Möhren stehen sie alle. Caruso sowieso, aber auch  Mamba vergisst angesichts des vollen Eimers mit dem gesunden Gemüse, dass sie doch eigentlich Fleischfresserin ist. So hecheln das Lama und die neun Jahre alte Hündin hinter Nele her, der Besitzerin des Mambasia-Lebenshofes.

Auch die Ziegen lassen sich nicht lange bitten. Auf der kleinen Wiese hinter dem Haus versammeln sich die hier untergebrachten Kreaturen voller Ungeduld um die 31-jährige Nele Marker. Es ist ein Nachmittag. Zeit für einen kleinen vitaminhaltigen Snack. Es dauert nicht lange und der Eimer ist leer. Man sieht, die Laune und das Wohlbefinden der Tiere ist offensichtlich. Das war bei den meisten noch ganz anders, bevor sie auf den im Lohsaer Ortsteil Friedersdorf gelegenen Lebenshof kamen. Hier hat die Randberlinerin Nele, sie stammt aus Königs-Wusterhausen, Tiere aufgenommen, die sie vor dem Schlachthof gerettet hat. Oder weil sie Probleme mit ihren Artgenossen hatten. Wie etwa der junge Hahn Tesla, der von seinen Hennen „regelrecht vom Hof gemobbt“ wurde, wie die Neu-Lohsaerin berichtet. Mobbing im Tierreich, auch das gibt es. Die anderen Tiere, da sind noch einige Ziegen, ein Lama und zwei Esel, hat sie aus einem ehemaligen Pasewalker Streichelzoo bekommen.

Nele schaut zufrieden drein. Ist sie auch. Sie sei jetzt endlich in ihrem Leben da angekommen, wo sie ihr richtiger Platz sei, beschreibt es die junge Frau, die sich mit ihrem Freund Steffen Kulke (41) um Haus, Hof und Tiere Hof kümmert. „Ich habe mir hier meine eigene Realität geschaffen“, so Nele Marker. Seit rund zwei Jahren lebt sie mit ihrem Freund auf diesem Dreiseiten-Hof. Ein altes Gehöft, das die beiden wieder aufpäppeln wollen. „Hier gibt es eine Menge zu tun“, so Nele. Der Hof, der den Tieren ein Zuhause bietet, ist ein Traum von ihr, den sie sich nach langen Jahren erfüllt hat. Rund zehn Jahre hatte sie in Brandenburg, in Sachsen, in anderen Regionen Deutschlands nach einem geeigneten Grundstück gesucht. Sie hat es in der Lausitz, in Lohsa gefunden. Haus und Hof und etwas Land. Sie sei kein Stadtmensch, erzählt sie. Sie mag die Natur, die Ruhe. In den vergangenen zehn, 15 Jahren hat sie sich in vielen Bereichen ausprobiert. Hatte nach der Schule eine Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation in Berlin absolviert. „Ich dachte damals, dass ich ein funktionierendes Rädchen in dieser Konsumgesellschaft sein muss“. Aber die zahlreichen  Verpflichtungen, die gesellschaftlichen Zwänge, die immerwährenden Erwartungshaltungen in ihrem Umfeld, „das ist mir auf Dauer nicht bekommen, hat mich fast krank gemacht“. Immer wieder war da in ihr das Gefühl, nicht dort zu sein, wo sie doch eigentlich hin möchte.

„Tiere tun mir gut, ich fühle mich in ihrer Gesellschaft sehr wohl.“ Im vergangenen Jahr gründete sie einen Tierschutzverein, elf Mitglieder hat der derzeit. „Da gibt es eine Menge zu tun, bei einem solchen Verein gilt es einiges zu beachten.“

Einwohner unterstützen den Lebenshof häufig mit Futterspenden. Als sie einzog, habe es von Beginn an keine Berührungsängste mit den Nachbarn, mit den Bewohnern des Ortsteiles, gegeben. „Was ich hier mache, finden die Menschen gut.“

Das Paar hat zahlreiche Ideen und Pläne für den Mambasia-Lebenshof. Ferienwohnung, Seminarraum, Kurse. Aber Nele hat erkannt, dass alles seine Zeit braucht. „Aber die habe ich hier“, sat sie. Eile mit Weile. Die rasende Geschäftigkeit, die sie noch aus ihrem alten Leben in Berlin kennt und unter der sie oft genug gelitten hatte, nein, der werde sie sich nicht mehr aussetzen. Ihr Dasein in Friedersdorf habe eine andere Geschwindigkeit, eine weitaus bedächtigere, eine intensivere. Eine, die viel Raum lässt für „die wichtigen Dinge in meinem Leben“. Und zu diesen gehören Caruso, Mamba und die anderen Tiere des Lebenshofes.