Therapie mit Tieren bei Hoyerswerda
: Wie ein Kaninchen kranken Kindern helfen kann

Eva Bräuer aus Bröthen ist überzeugt: Tiere können Menschen helfen, gesund zu werden. Sie studiert tiergestützte Therapie und setzt dabei auf Pferde und Kaninchen. So funktioniert eine Behandlung.
Von
Silke Richter
Bröthen
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Eva Bräuer aus Bröthen bei Hoyerswerda weiß um die positiven Effekte in der tiergestützten Therapie. Sie therapiert unter anderem Kinder und arbeitet dabei mit Kaninchen und Pferden.

Silke Richter

Das weiche Fell eines Kaninchens streicheln, das Anschmiegen an den Hals eines Pferdes oder Herumtollen mit einem Hund — Eva Bräuer aus Bröthen ist überzeugt: Diese Erlebnisse können kleine Wunder für die Heilung erkrankter Menschen vollbringen.

Die 37–Jährige ist gelernte Krankenschwester und Sozialpädagogin und studiert derzeit tiergestützte Therapie in einer Fernakademie. Bei dieser Form von alternativmedizinischen Behandlungsverfahren kommen Tiere zum Einsatz, um eine Heilung oder Linderung von verschiedenen Krankheiten zu ermöglichen.

Therapie mit Kaninchen und Pferd bei Hoyerswerda

Die Tierliebhaberin aus dem dörflichen Ortsteil von Hoyerswerda hat sich dabei auf den Einsatz mit Pferden spezialisiert und parallel die Therapie mit Kaninchen gewählt. Darüber schreibt sie momentan auch ihre Abschlussarbeit.

Neben Alltag, Familie und Hauptberuf als Respekt–Coach an der Christlichen Schule Johanneum in Hoyerswerda ist diese Ausbildung eine große Herausforderung für die Mutter und Ehefrau. Doch es ist auch eine sinnvolle Ergänzung und ein Ausgleich in ihrem Berufsalltag. „Ich arbeite gern draußen und mag die Natur und Tiere. Schon als Kind habe ich bei meiner Oma auf dem Bauernhof ein besonderes Gehege für die Kaninchen gebaut. Ich war der Meinung, dass es den Hasen dort besser geht.“

Schaut man sich im heimischen Garten der Familie in Bröthen näher um, ist sofort ersichtlich, dass Eva Bräuer ihren Prinzipien aus Kindheitstagen treu geblieben ist.

Ob Gruppen– oder Einzeltherapie wird individuell entschieden

Die vier Kaninchen der Familie haben einen weiträumigen Auslauf, genug Versteckmöglichkeiten und sind mit allem versorgt, was sie für ein glückliches Leben brauchen. Sie werden auch nicht im Topf landen, erzählt die Bröthenerin und streichelt dabei sanft ihre Hündin Zuri. Eva Bräuer weiß sehr gut, dass Tiere wertvolle therapeutische Effekte bei Menschen erzielen können.

Dafür ist nicht immer eine Gruppentherapie geeignet. Einzelsitzungen versprechen nicht nur mehr Individualität, sondern auch mehr Zeit für die Patienten, die viel Einfühlungsvermögen brauchen. Kindern, die an Konzentrationsstörungen leiden, traumatisiert sind oder ein geringes Selbstwertgefühl haben, konnte Eva Bräuer mit tiergestützter Therapie bereits helfen.

Wichtig ist Vertrauen zwischen Mensch und Tier

Die Behandlung baut sich stufenweise auf, schafft zum einen Vertrauen und die Basis, um eine Beziehung zwischen Mensch und Tier aufbauen zu können. Ganz individuell und an die jeweiligen Bedürfnisse angepasst.

Für die therapeutische Arbeit kommen Eva Bräuers eigene Haustiere, wie das Kaninchen namens Löffelchen zum Einsatz.

Silke Richter

„Schon allein durch das Sitzen auf einem Pferd öffnen sich die Kinder und werden automatisch ruhiger“, berichtet Eva Bräuer aus ihren Erfahrungswerten. Mittlerweile legt sich das traumatisierte Kind ganz ruhig auf den Pferderücken, bleibt liegen, schließt die Augen und entspannt sich. Nicht selten passiert es, dass die kleinen Patienten dabei die Zeit vergessen und sich dann wundern, dass die Eltern schon wieder da sind.


Kaninchen Löffelchen hilft erfolgreich bei der Tier–Therapie

Von den vier Zwergwidder–Kaninchen, die bei Bräuers leben, ist Löffelchen besonders gut für den Einsatz als kleiner Therapiehelfer geeignet. Der einjährige Hase ist bei der Familie im Haus groß geworden und deshalb auch sehr zutraulich. Löffelchen hoppelt inzwischen über ruhig auf dem Boden liegende Kinder hinweg, krabbelt durch einen Tunnel, lässt sich füttern, bürsten und streicheln.

„Für viele Kinder ist allein die Berührung des weichen Fells und der Körperkontakt sehr wichtig. Das sensibilisiert und es wird Nähe zum Tier aufgebaut“, erklärt Eva Bräuer den positiven Therapieeffekt.

Tiere haben ein Gefühl für Menschen

Wie sensibel Tiere für den seelischen Zustand von Menschen sind, ist auch bei den beiden eigenen Familienhunden der Bräuers sehr gut erkennbar. Die Dalmatiner–Hündin Anita und auch Zuri, eine Rhodesian Ridgeback–Hündin, spüren sofort, wenn es der Tochter von Familie Bräuer nicht gut geht. „Sie zeigen dann ihre Zuneigung, um sie zu trösten“, berichtet Mutter Eva.

Ihr Wissen über diese therapeutische Wirkung von Tieren auf Menschen will sie künftig noch stärker bei ihrer Arbeit als Lehrerin und Sozialpädagogin am Johanneum einbringen und auch Familien anbieten.