Stadtentwicklung in Hoyerswerda: Mit dieser Idee soll die Stadt gerettet werden

Was machen diese Menschen auf dem Dach des ehemaligen Centrum-Warenhauses? Mit der Lausitzhalle im Rücken senden 80 Bürger ein weithin sichtbares Signal aus. Es geht um die Frage, welche Zukunft wir für Hoyerswerda wählen?
Dirk Lienig- Bürgerprojekt im alten Centrum-Warenhaus fragt nach Hoyerswerdas Zukunft – „Die Entscheidung“.
- Regisseur Dirk Lienig kehrte 2010 zurück und inszeniert einen Mix aus Doku und Theater.
- Schauplatz steht für verödende Mitte: oben leer, unten Lausitz-Center, Labor für Ideen.
- Streitpunkt Stadtplanung: Suburbs am Rand oder Investitionen in die urbane Mitte.
- Premiere vom 5. bis 7. Juni 2026, Zugang über Parkdeck, Karten ab 16,50 Euro in der Kufa.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Dirk Lienig (56), ein Neustadt-Kind aus Hoyerswerda und Künstler, der einst auszog, um die Welt des Tanzes zu erobern, ist ein klassischer Rückkehrer. 1988 verließ er die Lausitz in Richtung Ballettschule Leipzig, tanzte am Staatstheater Schwerin und im legendären Fernsehballett.
Dass Hoyerswerda jemals wieder sein Lebensmittelpunkt werden würde, hätte er selbst nicht geglaubt. „Ich bin damals nicht geflohen“, betont er, „ich war einfach neugierig.“ 2010 kam er aus privaten Gründen zurück und entdeckte, wie stark er hier verwurzelt ist.
Seitdem ist Dirk Lienig zum künstlerischen Chronisten des Strukturwandels geworden. Mit der siebten Inszenierung von „Eine Stadt tanzt“ erreicht sein Hybrid aus Dokumentarfilm und Theater nun einen neuen Höhepunkt. Das Thema diesmal: „Die Entscheidung“.
Centrum-Warenhaus: Theater-Bühne und Mahnmal zugleich
Der Spielort könnte symbolträchtiger nicht sein. Das ehemalige Centrum-Warenhaus mit seiner markanten, silbernen Wabenfassade direkt am Lausitzer Platz gegenüber der Lausitzhalle – ein Ensemble, das einst den Stolz der sozialistischen Neustadt repräsentierte. Für Dirk Lienig war es in der Kindheit der Inbegriff von Großstadtflair. Heute stehen die oberen Etagen leer.
„Es ist das Dilemma unserer Stadtentwicklung“, erklärt Lienig. „Ein großartiges Gebäude mit Potenzial, aber ohne Vision und Startkapital bleibt es eine leere Hülle.“ Das Stück nutzt diesen Raum temporär als Labor für die Zukunft. Während im Erdgeschoss das Lausitz-Center pulsiert, wird oben verhandelt, was aus Städten wie Hoyerswerda werden soll. Schrumpfung und Rückbau waren gestern – heute geht es um die Gestaltung des Bleibens.
80 Bürger, ein Chor und die Angst vor der Zersiedelung
Auf der Bühne stehen keine Profis, sondern die Menschen der Region, aus Hoyerswerda, Wittichenau, Senftenberg. Vom Lkw-Fahrer bis zur Ärztin, vom Kind bis zum Großelternteil. Unterstützt werden sie vom Bürgerchor und der Amateur-Schauspielgruppe der Kulturfabrik (Kufa). „Diese Mischung ist es, die das Projekt so authentisch und besonders macht“, so Dirk Lienig. Während im Hintergrund Profis wie die ehemalige Fernsehballett-Choreographin Darina Dimitrov oder Musikprofessor Hanno Busch für Qualität bürgen, bringen die Laien ihre eigenen Biografien mit.

Pommes, Föhn oder Burger auf dem Kopf? Was nach skurrilem Fasching aussieht, ist Teil der großen Schicksalsfrage: Für das Tanzprojekt „Eine Stadt tanzt – die Entscheidung“ proben die Bürger bereits mit ihren aufwendigen Requisiten. Doch welche Rolle spielen diese Symbole des Alltags für die Zukunft von Hoyerswerda?
Sven KleinertDas zentrale Thema der Inszenierung ist die Richtungsentscheidung in der Stadtplanung. Setzt man auf die „grüne Wiese“, auf Reihenhaussiedlungen am Stadtrand, wo jeder seinen eigenen Zaun zieht, aber niemand mehr flaniert? Oder investiert man alle Kraft in die urbane Mitte? Dirk Lienig warnt vor dem „amerikanischen Modell“: ein Speckgürtel aus Suburbs, während die Innenstadt verwaist. „In einer Reihenhaussiedlung wird sich nie ein Café ansiedeln“, gibt er zu bedenken.
Die „Meckerkultur“ in Hoyerswerda überwinden
Das Projekt blickt dabei nicht nur mit Wehmut zurück auf Fehler der Vergangenheit – wie den Bau des riesigen Schulkomplexes, dem Beruflichen Schulzentrum „Konrad Zuse“ Hoyerswerda (BSZ) am Stadtrand, der heute fast isoliert im Wald steht. Es geht um das Jetzt. In den nächsten Jahren werden in Hoyerswerda laut einer Studie altersbedingt rund 4.000 Stellen frei. Wer soll diese besetzen, wenn die Stadt nicht attraktiv genug für Zuzügler ist?
„Die Entscheidung“ ist somit auch ein flammendes Plädoyer für Eigenverantwortung. „Es hilft nichts zu sagen: Die da oben machen nichts“, so der Regisseur. Er will der verbreiteten „Meckerkultur“ etwas entgegensetzen. Demokratie und Stadtentwicklung funktionierten nur, wenn alle mitmachen.
Hoyerswerda tanzt: Ein lokales Stück mit globaler Botschaft
Obwohl das Stück tief in der Historie Hoyerswerdas verwurzelt ist – von den Ausschreitungen 1991 bis zum planlosen Abriss ganzer Stadtteile –, ist die Relevanz überregional. Städte wie Cottbus, Senftenberg, Spremberg oder Weißwasser stehen vor identischen Fragen. Überall wird nach dem „Königsweg“ gesucht, um Urbanität in schrumpfenden Regionen zu erhalten.
Wenn die Lichter im Centrum-Warenhaus angehen und die Musik von Hanno Busch live erklingt, wird spürbar, was möglich wäre. Vielleicht ist eine Kletterhalle im alten Kaufhaus eine Träumerei, vielleicht ist sie aber auch genau der Funke, den es braucht. Dirk Lienig hofft, dass das Publikum nach der Aufführung mit einem geschärften Bewusstsein nach Hause geht. Denn die Entscheidung, wie wir in zehn oder zwanzig Jahren leben wollen, fällt heute – auf und abseits der Tanzfläche.
Premiere und Kartenvorverkauf – alle Infos
Die Tanzproduktion „Eine Stadt tanzt – die Entscheidung“ ist vom 5. bis 7. Juni 2026 im Centrum-Warenhaus am Lausitzer Platz (Albert-Einstein-Straße 1a) in Hoyerswerda zu sehen.
Der Zugang erfolgt über das Parkdeck des Lausitz-Centers.
Premiere ist am Freitag um 20 Uhr. Weitere Vorstellungen finden am Samstag um 14, 17 und 20 Uhr sowie am Sonntag um 15 und 18 Uhr statt.
Karten kosten ab 16,50 Euro im Vorverkauf und sind online sowie in der Kulturfabrik Hoyerswerda erhältlich.


