Von Anja Hummel

Sie ist ein wahrer Profi. Keine fünf Minuten und der Liebesstrauß mit Lilien, Gerbera und Harlekin-Rosen ist fertig gebunden. Silvia Jonas macht damit nicht nur den Herren glücklich, der an diesem Donnerstagvormittag ein Valentinstagssträußchen kauft. „Ich kenne seine Frau, sie mag Lilien“, erzählt die Floristin während sie den Tacker ansetzt, um das Blumenpapier festzuknipsen. Der Mann vor dem Tresen macht eine zufriedene Geste. Warum er am Valentinstag Blumen kauft? „Eigentlich ist es ein Tag wie jeder andere“, sagt der Hoyerswerdaer. Seinen Namen, nein, den möchte er nicht nennen. Er überlegt kurz. „Aber wenn ich meiner Frau so gar nichts schenken würde, wäre sie auch traurig“, zieht er seine Augenbrauen nach oben. Mit duftendem Liebesgruß und 18 Euro weniger im Portemonnaie verlässt er den Blumenladen in Hoyerswerdas Neustadt.

Auch Inhaberin Silvia Jonas wäre es lieber, wenn sich das Geschäft mit den Blumen über das Jahr gleichmäßiger verteilen würde. Nicht nur, weil an Tagen wie dem 14. Februar die Preise mächtig in die Höhe getrieben werden. „Ich bin da natürlich im Zwiespalt gegenüber meinen Kunden. Aber ich muss es ja beim Großhändler auch bezahlen“, sagt die Floristin. Dass sich das Geschäft mit den Blumen in den vergangenen Jahren stark verändert hat, kann sie nur bejahen. „Früher hat der Nachbar drei, vier Nelken für das Wochenende gekauft. Heute erledigt er das im Supermarkt“, erzählt die Hoyerswerdaerin. Die Discounter machen viel kaputt, sagt die blonde Frau, während sie rosafarbene Anthurien mit cremefarbenen Callas zusammenbindet. Was bleibt: Die Kunden kommen hauptsächlich nur noch für besondere Anlässe zur Fachfrau. „Zu Geburtstagen und Jubiläen möchten sie keinen Tütenstrauß.“

„Tütensträuße“ gibt es auch bei Angelika Pannenberg nicht. Seit 30 Jahren führen sie und ihr Ehemann das Blumengeschäft in der Altstadt Hoyerswerdas. Direkt nebenan: ein Discounter. „Wir versuchen durch Unikate, die Kunden zu uns zu holen“, sagt die Seniorin. Freundlichkeit, frische Blumen, gute Beratung – solch einen Service könne der benachbarte Supermarkt eben nicht bieten. „Aber ich kann die Kunden auch verstehen“, erzählt die Frau. Sie spricht vom Preisunterschied. Natürlich sei es im Discounter billiger. Aber an Pflanzen aus dem Fachgeschäft habe man einfach länger eine Freude. Heute, am Valentinstag, sind alle ihre fünf Mitarbeiterinnen im Einsatz. Schon gestern ging das „Liebesgeschäft“ los. Mehr als 100 Sträuße sind über die Theke gewandert. Das soll heute nicht anders sein. „Die Leute nehmen es an solchen Tagen mit dem Preis auch nicht so genau“, verrät Angelika Pannenberg. Während eine Rose normalerweise für zwei Euro zu haben ist, zahlt die überwiegend männliche Kundschaft an diesem Tag das Doppelte. „Die Nachfrage ist größer, also verlangen die Großhändler entsprechend mehr“, so die logische Schlussfolgerung der Floristin, die sich an den horrenden Preisen selbst auch keine goldene Nase verdient.

Andere Stadt, gleiches Bild: An Bernsdorfs Hauptstraße leuchten die Frühlingsblüher in gelb, rot und orange aus großen Vasen und rustikalen Töpfen. „Die Nachfrage ist nicht mehr so wie kurz nach der Wende“, gesteht auch Inhaber Christian Faust, wenn er sich die Valentinstagszahlen ansieht. Sicherlich sei es ein umsatzträchtiger Tag. Nach wie vor sind die roten Rosen die klassischen Lieblinge. 2007 hat er den Laden von seiner Mutter übernommen, seit mehr als 40 Jahren gibt es das Fachgeschäft schon. Vor allem mit Sonderwünschen zu Hochzeit, Geburtstag oder der Wohnungseinrichtung kann der Blumenhändler punkten. Was Christian Faust beobachtet: „Wir sind auf dem Weg dahin, dass Blumen langsam zum Luxusgut werden.“ Nicht zuletzt wegen der Anpassung an den Mindestlohn werden die Pflanzen immer teurer. „Wir als Fachgeschäft sind gefragt, wenn es um besondere Anlässe geht“, sagt der Bernsdorfer. Ansonsten werde auf die preisgünstige Discounter-Variante zurückgegriffen. Beratung und hohe Qualität hätten in einem Fachgeschäft nun mal einen höheren Preis.

Um vor allem die spontane Kundschaft – die eher unentschlossenen jüngeren Mitbürger – für ihr individuelles Angebot zu begeistern, hat Floristin Silvia Jonas eine Strategie: In ihrem Laden baumeln bepflanzte Kokosnüsse von der Decke, in romantischen Gestecken sind Kerzen eingebunden, eine Wachs-Amaryllis hängt mit der Blüte nach unten im Schaufenster. „Die jüngeren Kunden schauen sich gerne erst einmal um. Da ist ein kreatives und vielseitiges Angebot wichtig“, erzählt die Hoyerswerdaerin. Die älteren Kunden hingegen wüssten meist genau was sie wollen, sagt sie, als plötzlich ihr Ehemann in den Laden kommt. Zielstrebig greift er nach einem Rosengesteck. „Das hat ein Montagearbeiter bei uns bestellt. Das bringe ich jetzt der Ehefrau“, erzählt Waldemar Jonas. Den individuellen Lieferservice bieten sie seit jeher an. Die Nachfrage ist da, meistens von auswärtig arbeitenden Leuten. Waldemar Jonas macht sich auf die Socken. Ob auch er seiner Frau am Valentinstag einen Blumengruß schenkt? „Mal sehen, ob heute Abend etwas auf sie zu Hause wartet“, zieht er mit verschmitztem Lächeln als „Liebesbote“ von dannen.