Von Sascha Klein

Es ist kein April-Scherz mitten im August: Hoyerswerda soll nach Plänen der Technischen Universität Dresden und der Sächsischen Staatskanzlei zum Universitätsstandort werden – ein Zuse-Campus für die Zuse-Stadt. Ziel ist es, in Hoyerswerda regelmäßig bis zu 3000 Studenten auszubilden und am Scheibe-See einen IT-Campus zu errichten. In der Lausitz soll ein Satellitenstandort der TU entstehen. Erste Studenten könnten sogar schon in den nächsten Jahren kommen.

200 Millionen Euro für den Campus am Scheibe-See

Die Grund-Idee: Am Westufer des Scheibe-Sees soll dank der Strukturwandel-Millionen ein Campus entstehen. Das würde ein bis zwei Jahrzehnte dauern. Eine IT-Uni könnte insgesamt 200 Millionen Euro kosten. Dabei würde das Campus-Gelände etwa 100 Millionen Euro kosten, Labors und Testflächen für autonome Systeme noch einmal 50 Millionen Euro. Jährliche Kosten für Beschäftigte: etwa 15 Millionen Euro. Dazu kommt eine Heimstatt für Studenten. „Studenten kommen heutzutage auch wegen des Lebensumfelds“, so Uwe Aßmann, Dekan für Informatik an der TU Dresden. Zudem wollen sie preisgünstig wohnen. Der Plan: Ein Studentenwohnheim oder ein Studentenwohnhaus mit Seeblick und Sonnenuntergang – plus schneller Verbindung zur nächsten Stadt. Das könnte Interessierte aus der halben Welt anlocken. Aßmann hat zunächst Osteuropa und den fernen Osten im Blick. Studiensprache wäre englisch.

Gründer sollen sich in Hoyerswerda ansiedeln

Professor Uwe Aßmann ist der geistige Vater des Projekts. Die RUNDSCHAU erreicht ihn im Urlaub an der Ostsee: „Ein Satelliten-Campus macht durchaus Sinn“, sagt er. Einerseits seien Bildung und Forschung in der Stadt, andererseits bestehe die Chance, dass viele Gründer später auch im Seenland bleiben. Aßmanns Rechnung: Es bräuchte fünf Firmen pro Jahr, die nach zehn Jahren rund 150 bis 200 Arbeitnehmer beschäftigen. Um 25 Gründer pro Jahr zu haben, ist das Zehnfache an Absolventen nötig. Bei 300 Absolventen pro Jahr bräuchte es etwa 3000 Studierende in Hoyerswerda.

Was Uwe Aßmann einfordert: die passende Infrastruktur. Im Rahmen des Strukturwandels ist eine Bahn-Verbindung von Dresden über Kamenz nach Hoyerswerda angedacht. „So eine Verbindung von Dresden bis Hoyerswerda darf nicht länger als 40 Minuten dauern“, so Aßmann. Denn: In den ersten zehn bis 15 Jahren müssten die Studenten regelmäßig vom Hauptcampus Dresden nach Hoyerswerda pendeln. Ebenso wichtig sei der Ausbau der Straßeninfrastruktur.

Chance für die Großvermieter

Aßmanns Erfahrung: Im dritten bis fünften Studienjahr würden viele Studenten auch vom Studentenwohnheim in die nächstgelegene Stadt ziehen. Das wäre die Chance für Hoyerswerda. Das hat sich auch Steffen Markgraf spontan gedacht, als er von der Uni-Idee für Hoyerswerda erfahren hat. „Diese Idee finde ich sehr gut“, sagt der Geschäftsführer der städtischen Wohnungsgesellschaft. „Unsere Nachricht ist: Preisgünstiger Wohnraum ist vorhanden.“

Eine große Chance sieht auch Hoyerswerdas Oberbürgermeister Stefan Skora (CDU). Er freut sich, dass es bereits konkrete Pläne seitens Universität und Freistaat gibt: „Gemeinsam mit den anderen Partnern am Scheibe-See wird sich die Stadt Hoyerswerda gern und mit ganzer Kraft in den weiteren Prozess einbringen. Ich kann da unsere volle Unterstützung zusichern.“

Überrascht über die Ankündigung für einen Uni-Standort Hoyerswerda ist Stadt- und Kreisrat Ralph Büchner (Linke): „Ich hoffe, dass dieses Projekt Wirklichkeit wird. Das wäre für die Stadt ein großer Schritt, um endlich aus der negativen demografischen Entwicklung herauszukommen.“ Auch Frank Hirche, CDU-Landtagsabgeordneter und Stadtrat, sieht große Chancen für die Stadt: „Ich bin froh, dass es zu dieser Ansiedlung kommen wird. Das bietet viele neue Perspektiven für die Stadt.“ Gemeinsam mit Stadtrats-Kollege Uwe Blazejczyk (SPD) hatte Hirche das Thema Uni-Standort Hoyerswerda bei einem Besuch von Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) ins Spiel gebracht.

Zustimmung gibt es auch von SPD-Kreischef Kevin Stanulla: „Bei uns wachsen gerade moderne Industriestandorte, die ganz sicher einen Ableger der TU Dresden rechtfertigen.“ Aus Stanullas Sicht ist das der richtige Schritt, um der Schülerabwanderung nach ihrem Abschluss entgegen zu treten.