Von Sascha Klein

Die Vision ist beeindruckend: Im Sommer 2036 herrscht geschäftiges Treiben am Scheibe-See bei Hoyerswerda. IT-Studenten wachen auf dem Zuse-Campus morgens mit einem Sonnenaufgang am See auf, frühstücken und gehen vor der Studium erst einmal ausgiebig schwimmen. Junges Leben am Rand von Hoyerswerda.

Bis zu 3000 Studenten könnten Mitte der 2030er-Jahre in der Stadt zu Hause sein. Mit der S-Bahn-Linie 7 pendeln einige Studenten vom Hauptcampus Dresden in die Lausitz. 40 Minuten dauert das. Dann beginnt das erste Seminar im neuen Hörsaal der Hoyerswerdaer IT-Universität. Schöne, neue Welt dank der Millionenförderung für den Braunkohleausstieg. Hoyerswerda ist endgültig zur Zuse-Stadt geworden. Schon in den 1990er-Jahren hatte Konrad Zuse dem damaligen Oberbürgermeister Horst-Dieter Brähmig gesagt, er solle seinen Namen schamlos ausnutzen. Gut 40 Jahre danach könnte es einen Zuse-Campus mit IT-Fachleuten geben.

Bis es soweit ist – oder: sein kann – vergehen noch viele Jahre. Ist es überhaupt möglich, dass Hoyerswerda bis zu 3000 Studenten unterbringen kann? Steffen Markgraf hat aufgehorcht, als vermeldet worden ist, dass die TU Dresden, eine der Elite-Unis Deutschlands, einen Satellitenstandort in Hoyerswerda plant. Die erste Reaktion des Geschäftsführers der Wohnungsgesellschaft: „Wir haben bezahlbaren Wohnraum.“ Sein Unternehmen verwaltet mehr als 7500 Wohnungen. Derzeit stehen mehr als 1000 leer. Wenn klar ist, wann damit zu rechnen ist, dass in Hoyerswerda Studenten lernen, könnten sich die beiden Großvermieter darauf einstellen.

Zum Hintergrund: Laut einer Berechnung der Brandenburgisch-Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) betragen die Lebenshaltungskosten pro Student in der Lausitz zwischen 600 und 880 Euro. Davon ist der Mietanteil mit 180 bis 350 Euro angegeben und rangiert mit Sonstiges (Kleidung, Studienmaterial, Freizeit) ganz vorne auf der Ausgabenliste. Wichtig sei Studenten, dass Lebensumfeld und Kosten passen, sagt Professor Uwe Aßmann, Dekan der Fakultät Informatik an der Technischen Universität Dresden. Er ist der Leiter des Projekts Satellitenstandort für Hoyerswerda.

Doch was braucht eine Stadt wie Hoyerswerda, um für Studenten attaktiv zu sein? Senftenberg, rund 25 Kilometer von Hoyerswerda entfernt, hat seit Jahrzehnten Erfahrung mit Studenten. „Wichtige Themen für Studenten sind unter anderem bezahlbarer Wohnraum, aber auch das Kulturangebot, die Versorgung und natürlich Freizeitmöglichkeiten“, sagt Ralf-Peter Witzmann, Sprecher des BTU-Standorts Senftenberg. Ein Argument sei natürlich auch die Nähe zum Senftenberger See, so Witzmann, den Studenten vom Campus aus problemlos per Fahrrad erreichen können.

Senftenberg macht Studenten allerdings noch mehr Angebote und will junge Leute damit an sich binden. Die Stadt gewährt unter bestimmten Umständen per „Studenten-Freizeit-Bonus“ jährlich Gutscheine im Wert von 100 Euro. Voraussetzung: Derjenige verlegt seinen Hauptwohnsitz nach Senftenberg. Die Gutscheine können Studenten unter anderem im Theater, in der Skihalle, im Tierpark, im Fitness-Center oder in verschiedenen Gastronomien benutzen. „Wichtig sind auch coole Freizeit- und Kulturangebote“, sagt Senftenbergs Rathaus-Sprecher Andreas Groebe. Am Ausbau dieser Angebote arbeite die Stadt gerade. Hoyerswerda hat bereits ein breites Angebot an Kunst, Kultur und Freizeit – mit Blick auf Beispiele wie Lausitzhalle, Lausitzbad und Kulturfabrik.

Der Dresdner Professor Uwe Aßmann kann sich sogar vorstellen, dass Studenten bereits ab 2020 oder 2021 in Hoyerswerda studieren. Dann wird der Campus, der zwei bis drei Quadratkilometer groß sein könnte, noch nicht geplant sein. „Es müsste sehr schnell eine Halle für Vorlesungen gebaut werden“, sagt Aßmann. Ebenfalls muss relativ schnell ein Studentendorf entstehen – womöglich mit Hilfe eines Architektenwettbewerbs.

2036 hält Informatik-Professor Aßmann für ein gutes Jahr, um den Zuse-Campus fertig zu haben. „1936 hat Konrad Zuse damit begonnen, seinen ersten Computer, den Z 1, zu bauen“, sagt Aßmann.