Stadtfest Wittichenau 2024
: 400 Jahre Schadowitz - so wird Zauberer Krabat geehrt

Johann von Schadowitz ist die historische Person hinter der sorbischen Sagengestalt Krabat. Zum 400. Geburtstag ehrt die Stadt ihren Helden. Das ist geplant.
Von
Catrin Würz
Wittichenau
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Seit 25 Jahren ist Wolfgang Kraus (l.) aus Groß Särchen in der ganzen Lausitz als Darsteller des historischen Krabat unterwegs. Natürlich wird er auch beim Stadtfest in Wittichenau anzutreffen sein, wo auch Hans-Jürgen Schröter (r.) als Krabat/Schadowitz-Forscher und Buchautor seine neuesten Erkenntnisse vorstellen wird.

Seit 25 Jahren ist Wolfgang Kraus (l.) aus Groß Särchen in der ganzen Lausitz als Darsteller des historischen Krabat-Schadowitz unterwegs. Natürlich wird er beim Stadtfest in Wittichenau anzutreffen sein, wo auch Hans-Jürgen Schröter (r.) als Buchautor seine neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zu Schadowitz vorstellen wird.

Catrin Würz

Die Krabat-Region feiert ihren Helden – und alle sind eingeladen. Die Stadt Wittichenau ruft von Freitag (14. Juni) bis Sonntag (16. Juni) nach einigen Jahren Pause wieder einmal zu einem größeren, dreitägigen Stadtfest. Im Mittelpunkt steht dabei Johann von Schadowitz, der als historisches Vorbild für den Mythos vom sorbischen Zauberer Krabat gilt. Vor genau 400 Jahren wurde er in Kroatien geboren. Doch was steckt hinter seiner unglaublichen Geschichte, die ihn bis heute in der Sage unsterblich macht?

Darüber kann man beim Stadtfest in Wittichenau so manches erfahren. Drei große Programmpunkte widmen sich dem faszinierenden Zusammenhang zwischen dem kroatischen Reiteroffizier Janko Sajatovic alias Johann von Schadowitz (1624-1704), der mehreren sächsischen Kurfürsten als Leibgardist diente, und dem guten Zauberer Krabat als Identifikationsfigur des sorbischen Volkes.

Wittichenauer Ahnenforscher deckt Zusammenhang auf

Dass dieser Zusammenhang zwischen der historisch belegbaren Person und dem Sagenhelden der Sorben überhaupt aufgedeckt wurde – daran hat der Wittichenauer Familien- und Ahnenforscher Hans-Jürgen Schröter entscheidenden Anteil. „Seiner akribischen Forschungsarbeit verdanken wir, dass wir heute den Ursprung der bekannten Krabat-Sage kennen“, sagt Stadtfest-Koordinatorin Beate Hufnagel.

Schröter wird zum Auftakt des Festes am Freitagabend (19 Uhr) einen Vortrag in der Katholischen Pfarrkirche Wittichenau halten. In dieser Kirche ist der Katholik Johann von Schadowitz nach seinem Tod im Jahr 1704 begraben worden, eine Gedenktafel erinnert daran.

Reiteroffizier aus Krabatien verdingt sich am sächsischen Hof

Bereits im Jahr 1658 war Janko Sajatovic als kroatischer Reiteroffizier in den Dienst des sächsischen Kurfürsten Johann Georg II. und in dessen Leibkompanie eingetreten. In drei Jahrzehnten machte sich der „Krabate“ – so wurden damals Menschen aus „Krabatien“ (für Kroatien) genannt – dort offenbar so verdient, dass er 1691 von Johann Georg III. als Dank das Vorwerk Groß Särchen als Alterssitz übertragen bekam. Hier wirkte er als kluger und mildtätiger Gutsherr, machte neues Land urbar und führte viele Dinge ein, die den einfachen Lausitzer Bauern wohl rätselhaft erschienen. Die Erzählungen über den „Krabaten“ wurden weitergegeben und über die Jahrhunderte reichlich ausgeschmückt – so entstand der Mythos vom guten sorbischen Zauberer Krabat.

Diese Krabat-Stele gibt es am Wittichenauer Marktplatz schon seit vielen Jahren. In ihrer Nachbarschaft soll eine Krabat/Schadowitz-Bank zum Verweilen aufgestellt werden.

Diese Krabat-Stele gibt es am Wittichenauer Marktplatz schon seit vielen Jahren. In ihrer Nachbarschaft soll eine Krabat/Schadowitz-Bank zum Verweilen aufgestellt werden.

Catrin Würz

Wittichenau soll am Wochenende einen neuen Ort bekommen, der auf diese Geschichte aufmerksam macht. Höhepunkt wird deshalb am Samstag um 14 Uhr die Enthüllung einer neuen Krabat/Schadowitz-Bank auf dem Marktplatz sein. Unter dem Motto „Plaudern mit Schadowitz“ lädt diese Bank nicht nur zum Verweilen ein. Sondern eine in Bronze gegossene, lebensgroße Schadowitz-Skulptur, die der Schleifer Künstler Jörg Tausch geschaffen hat, wird künftig ein neues Fotomotiv für einheimische Krabat-Fans und für Touristen am beliebten Krabat-Radwanderweg sein. Finanziert wurde das mit europäischen Fördermitteln aus dem Leader-Programm.

Lange Kaffeetafel auf dem Wittichenauer Marktplatz

Im Anschluss an die Enthüllung der Skulptur lädt die Stadt zu einer langen Kaffeetafel mitten auf dem Marktplatz bei Big-Band-Musik ein. Die Idee dahinter: „Schadowitz' Ansinnen war es ja, alle Menschen zu verbinden und den guten Geist spüren zu lassen. Das wollen wir auch mit unserer gemeinsamen Kaffeetafel bezwecken“, sagt Stadtfest-Koordinatorin Beate Hufnagel. Gäste werden gebeten, eigenes Kaffeegeschirr mitzubringen. Im Anschluss daran werden Stadtführungen auf Krabats Spuren, aber auch durch die Stadtbrauerei Wittichenau, ins Haus des Karnevalsvereins und auf den Kirchturm angeboten.

Drei Tage Fest in Wittichenau wollen aber nicht nur in die Vergangenheit schauen, sondern auch in die moderne Gegenwart der Stadt. Große Partystimmung verspricht beispielsweise das Sommer-Open Air am Samstagabend auf dem Marktplatz. Zu Gast wird dort der aus Wittichenau stammende Künstler Seth Schwarz aka Dr. Martin Zschornak sein. Der Arzt ist zugleich ein international gefragter DJ, Produzent und Soundtüftler, der auf den großen Festivals und Bühnen weltweit unterwegs ist. Sein Markenzeichen ist die Verschmelzung von klassischer Violine mit elektronischer Musik.

Bekannter Sportler eröffnet Pumptrack in Wittichenau

Am Sonntag zieht das Wittichenauer Fest dann auf das grüne Areal am Stadtteich um. Dort sind ab Vormittag ein großes Kinderfestival des UCfK und Blasmusik geplant. Höhepunkt um 13 Uhr soll die Einweihung des neu geschaffenen Pumptracks und eines neuen Spielplatzes mit Kletter-Mühle auf der Freizeitfläche am Stadtteich sein.

„Dafür konnten wir ebenfalls ein echtes Zugpferd gewinnen“, so Beate Hufnagel. Denn angekündigt hat sich dazu Marc Diekmann. Der Freestyle-Mountainbiker ist Werbeträger, Vorbild und aktiver Sportler, der die ganze Welt bereist. „Am Sonntag kommt er direkt aus Österreich nach Wittichenau und eröffnet mit uns die neue Pumptrack-Bahn. Selbstverständlich mit einer coolen Vorführung“, sagt Beate Hufnagel. Jugendliche können sich vom erfahrenen Freestyler am Pumptrack so manchen Trick abgucken und sich Tipps für die Sicherheit auf der fast nagelneuen Bahn geben lassen.

Wer an diesem Wochenende noch mehr Tolles erleben will, sollte sich von Wittichenau auf dem Krabat-Radweg ostwärts nach Groß Särchen begeben. Dort wird im Schadowitz-Dorf Groß Särchen das 650-Jahre-Jubiläum gefeiert. Direkt am Knappensee-Strand befindet sich das Festgelände.

„400 Jahre Schadowitz“ in Wittichenau - das Programm

Freitag, 14. Juni:
18 Uhr: Konzert der Musikschüler (Jakubetzstift)
19 Uhr: Vortrag von Krabat-Forscher Hans-Jürgen Schröter (Katholische Pfarrkirche)
20 Uhr: Übertragung EM-Fußballspiel (Fläche am Stadtteich Wittichenau)

Sonnabend, 15. Juni:
12 Uhr: KulowCup-Fußballturnier (Stadtteich)
14 Uhr: Einweihung der neuen Krabat/Schadowitz-Bank und lange Kaffeetafel auf dem Marktplatz
ab 16 Uhr: verschiedene Stadtführungen
16 Uhr: Familienmusikprogramm „Leichtfuß und Liederliesel“ (Jakubetzstift)
20 Uhr: Sommer-Open-Air mit „The Tube Boxx Heroes“ und „Seth Schwarz und Lydgen“ (Marktplatz)

Sonntag, 16. Juni:
11 Uhr: 3. Kinderfestival des United Clubs for Kulow e.V. 
11 Uhr: Konzert mit „Blech gehabt“ (Stadtteich)
13 Uhr: Einweihung Pumptrack mit Special Guest Marc Diekmann