Sorben um Hoyerswerda
: Warum Pfingsten 4000 Lausitzer zu Fuß nach Rosenthal pilgern

Ein ganz besonderer Brauch wird seit Jahrhunderten in der katholischen sorbischen Lausitz gepflegt. Mehrfach im Jahr geht es per pedes nach Rosenthal. Auch zu Pfingsten.
Von
Torsten Richter-Zippack
Rosenthal
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Dieses wunderschöne Bild gibt es alljährlich am Morgen des Pfingstmontages vor der Wallfahrtskirche in Rosenthal.

Dieses wunderschöne Bild gibt es alljährlich am Morgen des Pfingstmontages vor der Wallfahrtskirche in Rosenthal.

Torsten Richter-Zippack

Für viele Lausitzer ist der Pfingstmontag lediglich ein zusätzlicher arbeitsfreier Tag. Andere freuen sich auf den Mühlentag. Zahlreiche Mühlen öffnen ihre Tore, beispielsweise die berühmte Krabatmühle in Schwarzkollm. Etwas ganz anderes geschieht hingegen in den katholischen sorbischen Dörfern im Dreieck der Städte Hoyerswerda, Kamenz und Bautzen.

Dort sammeln sich die Menschen in der Früh, um sich auf einen bisweilen viele Kilometer langen Fußmarsch zu begeben. Das Ziel eint die Menschen, und zwar die Kirche in Rosenthal. Um die 4000 Gläubigen versammeln sich dort zum Freiluft-Gottesdienst.

Das dort befindliche Gotteshaus ist schon von weitem sichtbar. Kein Wunder, handelt es sich um keine normale Stätte des Glaubens, sondern um eine Wallfahrtskirche. Mehr noch, es ist der einzige vorreformatorische Wallfahrtsort des Bistums Dresden-Meißen. In deren Mauern wird das Gnadenbild der Mutter Gottes „Maria von der Linde“ verehrt. Es stammt nach Angaben der Gemeinde Ralbitz-Rosenthal aus der Zeit um das Jahr 1480. Die Linde gilt indes als sorbischer Nationalbaum.

Was bei der Wallfahrt besonders beeindruckend ist

Die ankommenden Gläubigen aus den einzelnen Kirchgemeinden umrunden die Wallfahrtskirche, schreiten andächtig in diese hinein, beten und laufen zur Wallfahrtswiese. Diese gibt es anno 2024 bereits seit genau 40 Jahren. Die Rosenthaler Wallfahrt ist indes wesentlich älter. Ihre Anfänge liegen laut den Chroniken allerdings im Dunkel der Geschichte. Wahrscheinlich beginnt die Historie bereits in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts.

Besonders beeindruckend sind die Druschkis in ihren wunderschönen Trachten. Jeweils zu viert tragen sie die geschmückten Marienfiguren ihrer Pfarreien. Als Druschka wird ein junges, unverheiratetes Mädchen in sorbischer Festtagstracht bezeichnet. Die Wallfahrtskirche gilt laut dem Bistum Dresden-Meißen als zentrale Pilgerstätte der sorbischen Katholiken. Dem Wasser im Marienbrunnen nebenan wird eine heilende Wirkung nachgesagt.

Wunderschön sind die sorbischen Festtagstrachten der Druschkis bei der Rosenthaler Wallfahrt.

Wunderschön sind die sorbischen Festtagstrachten der Druschkis bei der Rosenthaler Wallfahrt. Sie tragen die Marienfiguren auf die Wallfahrtswiese.

Torsten Richter-Zippack