Silvester 2024 in Sachsen
: Zwei Feuerwerks-Tote, Brände und  Verwüstungen durch Pyrotechnik

Gleich zweimal löst Feuerwerk in Sachsen fatale Explosionen aus. Zwei Männer sterben. In Hoyerswerda rückt die Feuerwehr in der Silvesternacht zu vielen Bränden aus.
Von
Thomas Seifert, dpa
Hoyerswerda / Görlitz / Bautzen / Dresden
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Neujahr - Aufräumarbeiten in Sachsen

Die Silvesternacht ist in Sachsen von zwei tödlichen Unfällen mit Feuerwerkskörpern sowie Angriffen auf Polizei und Rettungskräfte überschattet worden.

Robert Michael/dpa
  • Silvester 2024 in Sachsen: Zwei Tote durch Feuerwerks-Unglücke und zahlreiche Brände.
  • Tote: 45-Jähriger in Oschatz und 50-Jähriger in Hartha.
  • Brände in Hoyerswerda, Bautzen und Görlitz; Sachschäden bis 75.000 Euro.
  • Angriffe auf Rettungskräfte in Dresden, Sachbeschädigungen und Brandstiftungen.
  • Feuerwehr und Polizei im Dauereinsatz, Ermittlungen laufen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der Start ins neue Jahr 2025 endet in Sachsen mit tödlichen Feuerwerks-Unglücken und Angriffen auf Polizei und Rettungsdienste. Im Bereich des Polizeireviers Hoyerswerda kam es in der Silvesternacht zu einer Vielzahl von Bränden.

Den Anfang machte ein an der Dorfstraße in Weißkollm im Vollbrand stehender Baum. Dieser wurde durch die Feuerwehr gelöscht. Es es entstand laut Polizei ein Sachschaden von circa 1000 Euro. Zur Brandursache und nach den Tätern wird ermittelt.

Altkleidercontainer in Hoyerswerda in Flammen

Gegen 20.50 Uhr löschten Streifenbeamte einen Am Bahndamm in Hoyerswerda brennenden Altkleidercontainer. Den dazu benötigten Feuerlöscher führten sie auf ihrem Fahrzeug mit. Ein 33-jähriger Tatverdächtiger konnte in der Nähe des Brandortes festgestellt werden. Die Höhe des Schadens war zum Zeitpunkt der Anzeige noch nicht bekannt.

An der Semmelweißstraße in Hoyerswerda geriet aus bislang unklarer Ursache eine Hecke in Brand. Das brennende Gewächs konnte durch den Grundstückseigentümer vor Eintreffen der Feuerwehr selbst gelöscht werde. Der Schaden beläuft sich auf circa 100 Euro. Zur Ursache wird ermittelt.

Auch in Bernsdorf Am Langen Holz brannte es. Dort musste zum neuen Jahr 2025 die Feuerwehr bereits kurz nach Mitternacht helfen und in Brand geratenes Schilf löschen. Der Sachschaden wurde auch dort von der Polizei auf 100 Euro geschätzt. Die Ursache zum Ausbruch des Feuers ist bislang unklar.

Feuer auf Supermarkt-Parkplatz in Torno

Der nächste Einsatz wurde auf dem Parkplatz eines Supermarktes im Lautaer Ortsteil Torno an der Friedensstraße gemeldet. Dort brannten gegen 1 Uhr Reste verschiedener Feuerwerksbatterien. Diese wurden durch die ebenfalls verständigte Feuerwehr abgelöscht. Die Eigentümer der brennenden Batteriereste konnten vor Ort nicht mehr festgestellt werden.

Zudem brannten in der Nacht in Hoyerswerda ein Papierkorb auf der Johannes-R.-Becher-Straße, Sachschaden noch ausstehend, eine Mülltonne auf der Florian-Geyer-Straße, geschätzter Sachschaden etwa 200 Euro sowie einige Container im Stadtgebiet, welche alle samt durch die verständigten Feuerwehren gelöscht wurden.

In Weißwasser sprengten unbekannte Tatverdächtige laut Polizei den Briefkasten eines Parteibüros mittels Pyrotechnik. Der Sachschaden beläuft sich auf etwa 50 Euro.

Verwüstungen durch Pyrotechnik auch in Bautzen und Görlitz

Ähnliche Verwüstungen ereigneten sich in den Landkreisen Bautzen und Görlitz: Briefkästen, Mülltonnen, Zigarettenautomaten, Stromverteilerkästen und Fahrzeuge wurden durch Pyrotechnik beschädigt.

So brannte es kurz nach dem Jahreswechsel gegen 1.20 Uhr im Zentrum von Bautzen. Dabei wurde durch Unbekannte der Inhalt eines Briefkastens in Brand gesetzt, wodurch wiederum das Mobiliar der betroffenen Geschäftsadresse im Inneren der Räumlichkeiten in Brand geriet. Die Feuerwehr rückte mit sieben Fahrzeugen und 27 Kameraden an und konnte das Feuer rasch löschen. Der Gesamtschaden wird von der Polizei mit circa 25.000 beziffert. Verletzt wurde bei dem Einsatz niemand. Auch hier wurden die Ermittlungen wegen des Verdachts der Brandstiftung eingeleitet.

Aus bislang unklarer Ursache geriet am Silvesterabend gegen 21.15 Uhr auf einem Parkplatz an der Schlachthofstraße in Bautzen ein VW älteren Baujahres in Brand. Der Innenraum des Fahrzeuges brannte völlig aus und das Feuer musste durch die Kameraden der Berufsfeuerwehr Bautzen gelöscht werden. Der Schaden am Pkw wird auf 500 Euro geschätzt. Weitere Fahrzeuge auf dem Parkplatz blieben unversehrt. Das Polizeirevier Bautzen ermittelt nun wegen des Verdachts der Brandstiftung.

Unbekannte zünden in Görlitz eine Kugelbombe

In Görlitz zündeten Unbekannte eine Kugelbombe der Kategorie F4, wodurch ein Auto beschädigt wurde. Die Kosten werden auf rund 15.000 Euro geschätzt. Im Sprengstoffrecht werden pyrotechnische Artikel ihrer Gefährlichkeit nach in die Kategorien F1 bis F4 eingeteilt. Wer etwa Feuerwerk der Kategorie F3 oder F4 einführen will, muss mit einer Erlaubnis der zuständigen Überwachungsbehörde nachweisen, dass er zum Umgang berechtigt ist.

Auch in der Silvesternacht stand an der Frauenburgstraße in Görlitz der Dachstuhl mehrerer Reihenhäuser in Flammen. Nach bisherigem Erkenntnisstand war eine Feuerwerksrakete ursächlich für das Feuer. Zahlreiche Kameraden der Berufsfeuerwehr Görlitz sowie der Freiwilligen Feuerwehren Görlitz-Mitte, Königshain, Schöpstal Ebersbach, Kunnerwitz, Friedersdorf, Markersdorf und Pfaffendorf  kamen zum Einsatz und bekämpften die Flammen.

Insgesamt fünf Reihenhäuser waren betroffen. Die Einsatzkräfte evakuierten zehn Personen. Ein 7-jähriges Mädchen erlitt leichte Verletzungen und kam in ein Krankenhaus. Der vorläufige Sachschaden belief sich laut Polizei auf etwa 75.000 Euro. Ein Brandursachenermittler nahm seine Arbeit auf. Die Kriminalpolizei ermittelt.

In Groß Düben im Landkreis Görlitz hat am Silvesterabend eine Lagerhalle gebrannt. Feuerwehren aus Sachsen und Brandenburg wurden gegen 21.15 Uhr in den Klein-Dübener-Weg gerufen. Dort brannte die 20 mal 50 Meter große Halle in voller Ausdehnung. Schon auf der Anfahrt war der Flammenschein sichtbar. In der Halle waren laut Polizei in Görlitz etwa 400 Strohballen gelagert.

Zwei Männer sterben bei Böller-Unglücken in Sachsen

Die Silvesternacht 2024 ist in Sachsen von zwei tödlichen Unfällen mit Feuerwerkskörpern sowie Angriffen auf Polizei und Rettungskräfte überschattet worden. Ein 45-jähriger Mann aus Oschatz östlich von Leipzig starb beim Zünden einer Großfeuerwerksbombe der Kategorie F4, wie die Polizei mitteilte. Der Mann erlitt bei der Explosion schwere Kopfverletzungen und starb im Krankenhaus.

Zudem wurde laut Polizei ein 50-Jähriger in Hartha in der Nähe von Chemnitz tödlich verletzt. Auch er habe mit Feuerwerk hantiert, als dieses explodierte.

Forderungen nach strengeren Regelungen werden lauter

Neben den materiellen Schäden rückt erneut die Debatte um den Umgang mit Feuerwerkskörpern und den illegalen Handel mit Pyrotechnik in den Fokus – insbesondere angesichts der tragischen Ereignisse der Silvesternacht. Neben den zwei Männern, die beim Zünden von Feuerwerkskörpern ums Leben kamen, verlor ein 16-Jähriger in Pirna bei der Explosion eines in Tschechien erworbenen Knallkörpers vier Finger. Nach Angaben der Polizei in Dresden hatte der Junge auf offener Straße mit dem Knallkörper hantiert, der in seiner linken Hand detonierte. Ein Rettungshubschrauber brachte den Jungen in ein Krankenhaus.

Der Bundesverband für Pyrotechnik machte am Neujahrestag die Politik für solche Vorfälle verantwortlich. „Diese Silvesternacht ist ein politischer Skandal. Was wir erlebt haben, ist das traurige Ergebnis des mangelnden Engagements der Politik gegen den illegalen Handel mit gefährlichen Explosivstoffen“, sagte Ingo Schubert, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes. Aus mehreren Bundesländern sei zu hören, dass Landeskriminalämter nicht über ausreichende Ressourcen verfügten, um den illegalen Handel effektiv zu bekämpfen.

Weil nicht nur Regeln missachtet werden, sondern auch schwere Unfälle passieren, hatte der Präsident der Ärztekammer, Klaus Reinhardt, jüngst sogar für ein generelles Verbot von privatem Silvesterfeuerwerk plädiert. Auch Tierschutzorganisationen fordern bereits seit Jahren ein Verbot von privaten Feuerwerken.

Angriffe auf Polizei und Rettungskräfte in Dresden

In der Landeshauptstadt Dresden gab es Angriffe auf Rettungskräfte. Am Theaterplatz wurden Mitarbeiter des Rettungsdienstes während eines Einsatzes mit Feuerwerkskörpern beschossen und bedroht. Eine größere Gruppe trat gegen den Rettungswagen, sodass die Patientin im Wagen erst nach Einschreiten der Polizei versorgt werden konnte. Verletzt wurde dabei niemand.

Silvester - Dresden: 01.01.2025, Sachsen, Dresden: Feuerwerk explodiert in der Silvesternacht über der Altstadt an der Elbe. Foto: Robert Michael/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Feuerwerk explodiert in der Silvesternacht 2024 über der Altstadt an der Elbe in Dresden. In der sächsischen Landeshauptstadt gab es Angriffe auf Rettungskräfte.

Robert Michael/dpa

Insgesamt registrierte die Polizei in Dresden 26 Körperverletzungsdelikte, 22 Sachbeschädigungen und 33 Branddelikte. In Freital (Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge) führte ein zunächst ungeklärter Wohnungsbrand zu Rauchgasvergiftungen bei sieben Menschen im Alter von 7 bis 66 Jahren.