Ostern 2025 in der Lausitz
: Kreuzreiter in Wittichenau, Osterchoräle in Schleife und Rohne

Wenn Ostern besonders emotional gefeiert wird, dann in der Lausitz. Allerdings: Wer die wohl schönsten Bräuche miterleben will, muss sehr zeitig aufstehen.
Von
Torsten Richter-Zippack
Wittichenau, Schleife, Rohne
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Insgesamt 338 Reiter aus Wittichenau haben sich in diesem Jahr auf den Weg ins benachbarte Ralbitz begeben. Diese Prozession ist in der Oberlausitz nicht nur die größte, sondern sie hat auch den weitesten Weg. Hier sind die Reiter auf dem Wittichenauer Markt zu sehen.

Insgesamt 338 Reiter aus Wittichenau haben sich in diesem Jahr auf den Weg ins benachbarte Ralbitz begeben. Diese Prozession ist in der Oberlausitz nicht nur die größte, sondern sie hat auch den weitesten Weg. Hier sind die Reiter auf dem Wittichenauer Markt zu sehen.

Torsten Richter-Zippack
  • Ostern in der Lausitz ist voller Traditionen, mit Kreuzreiterprozessionen, Ostersingen und Passionsliedern.
  • Die größte Prozession ist die von Wittichenau nach Ralbitz mit 338 Reitern.
  • Schleife und Rohne beleben sorbische Osterchoräle mit örtlicher Kirchgemeinde.
  • Görlitz stellt den Kreuzweg Jesu Christi nach, von der Peterskirche zum Heiligen Grab.
  • Ostereiermärkte bieten Verzierkunst in Bautzen und Bergen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Wenn Hoyerswerda noch schläft, sind die Wittichenauer längst auf den Beinen. Dann laufen oder fahren die Gläubigen zu ihrer Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt. Um 5 Uhr beginnt ein ganz besonderer Gottesdienst, und zwar die sogenannte Reitermesse. Die Sitzreihen sind den Kreuzreitern vorbehalten, alle übrigen Menschen müssen zumeist stehen. Feierlich, ja regelrecht pathetisch präsentiert sich die Stimmung in der Kirche. Schließlich ist Jesus Christus von den Toten auferstanden. So steht es in der Bibel.

Rund vier Stunden später werden die Reiter auf ihren Rössern sitzen. Sie reihen sich in die schmalen Gassen der Wittichenauer Altstadt ein. Die Kreuzreiter-Prozession setzt sich aus zwei Teilen zusammen und ist doch eins. Eigenen Recherchen zufolge sind in diesem Jahr 140 Reiter im deutschen Teil dabei. 198 Köpfe und Pferde zählt indes der sorbische Prozessionsteil. Dessen Reiter stammen aus den neun Pfarrdörfern des Kirchspiels Wittichenau. Innerhalb der Prozession wird in Deutsch und Sorbisch gebetet und gesungen. Das Wetter ist günstig: nicht zu warm, nicht zu kalt, trocken und kaum Wind.

Warum es über Ostern in Wittichenau so voll ist

Die Kreuzreiter begeben sich ins zwölf Kilometer entfernte Ralbitz. Dort soll die Botschaft der Auferstehung, also der Sinn des Osterfestes, verkündet werden. Im Gegenzug reiten die Ralbitzer nach Wittichenau. Nachmittags kehren beide Prozessionen in ihre Heimatorte zurück. Tausende Menschen links und rechts der Straßen verfolgen Pferdegetrappel, Singen und Beten. Eine ehrfurchtsvolle Stimmung scheint über Stadt und Land zu liegen. Sehr viele Wittichenauer Familien haben über Ostern Besuch. Wer es sonst im Laufe des Jahres nicht in die alte Heimat schafft, der kommt zu Ostern.

Hier sind die Wittichenauer Kreuzreiter auf ihrem Weg nach Ralbitz. Soeben haben sie das idyllische Cunnewitz passiert.

Hier sind die Wittichenauer Kreuzreiter auf ihrem Weg nach Ralbitz. Soeben haben sie das idyllische Cunnewitz, ein Dorf vor Ralbitz, passiert.

Torsten Richter-Zippack

Auch viele Neugierige aus allen Teilen Deutschlands und selbst aus Tschechien wollen sich die Prozessionen nicht entgehen lassen. Selbst Reisebusse fehlen nicht. Manche Reisebüros werben direkt mit Ausflügen zu mehreren Prozessionen. Den Reitern geht es hingegen nicht um die Menschenmassen. Sie wollen ihre christliche Botschaft verkünden. Das sei eine große Ehre, sagt der Wittichenauer Prozessionsleiter Steffen Kobalz.

Insgesamt gibt es in der katholischen Oberlausitz neun Prozessionen, davon vier Prozessionspaare. Um die 1500 Reiter werden Jahr für Jahr gezählt, die Wittichenauer gilt dabei als größte. Hinzu kommt das Saatreiten von Ostritz zum Kloster St. Marienstern an der Neiße. In der Niederlausitz gibt es eine evangelische Osterreiterprozession in den Dörfern bei Lübbenau.

Seit wann es das Ostersingen in Schleife wieder gibt

In aller Herrgottsfrühe am Ostermorgen ist auch ein gutes Dutzend Frauen aus dem Kirchspiel Schleife auf den Beinen. In Schleife und Rohne ziehen sie durch die Orte und singen sorbische Osterchoräle. In Rohne sind sechs Frauen dabei, in Schleife sieben. Das Ostersingen in Schleife wurde, so erinnert sich Anstimmerin Kerstin Hanusch im Jahr 1993 wiederbelebt worden. 2024 musste es aus Krankheitsgründen ausfallen. Diesmal führe die örtliche Kirchgemeinde die Regie.

Vor der Auferstehungsandacht in der Rohne Kapelle schreiten die Ostersingerinnen den Friedhof ab.

Vor der Auferstehungsandacht in der Rohne Kapelle schreiten die Ostersingerinnen den Friedhof ab.

Torsten Richter-Zippack

Bei den wenigen Zuschauern bleibt das Gänsehautgefühl nicht aus. Denn als die Schleifer Frauen zum Abschluss auf ihren drei Singebänken an der Kirche sitzen, geht vor ihnen feuerrot die Sonne auf. Anschließend begeben sie sich zur Auferstehungsandacht in die Kapelle auf den Rohner Friedhof. Diese sorbische Begräbnisstätte ist vom Heidewald eingerahmt, es scheint, als gehe ein Raunen ob der Auferstehung übers Land.

Der Kreuzweg als Prozession in Görlitz

Bereits am späten Abend des Karsamstags sind 22 Passionslieder-Singerinnen in Schwarzkollm unterwegs. Ihr Weg wird von zwei Kameraden der örtlichen Feuerwehr beleuchtet. Ziel ist die Marienkirche in der Ortsmitte, wo Pfarrer Heinrich Koch und Dr. Stefan Reichelt zur Andacht bitten. Doch bevor es in den Innenraum geht, wird das Gotteshaus dreimal singend umschritten.

Alljährlich am Karfreitag wird in Görlitz der Kreuzweg Jesu Christi beschritten. Ausgangspunkt ist die Peterskirche (im Hintergrund), Ziel das Heilige Grab.

Alljährlich am Karfreitag wird in Görlitz der Kreuzweg Jesu Christi beschritten. Ausgangspunkt ist die Peterskirche (im Hintergrund), Ziel das Heilige Grab.

Torsten Richter-Zippack

Wer indes am Karfreitag in der Görlitzer Altstadt weilt, darf ebenfalls eine Prozession betrachten. In der Kreisstadt sind aber keine Reiter unterwegs, sondern stellen Christen den Kreuzweg Jesu Christi nach. Mehrere hundert Menschen gehen von der Peterskirche zum Heiligen Grab. Bei letzterem handelt es sich um eine originalgetreue Nachbildung des Originals in Jerusalem.

Auch im kommenden Jahr dürfte es in der Lausitz wieder zahlreiche Traditionen und Bräuche rund um das Osterfest geben. 2026 wird die Auferstehung etwa zwei Wochen früher als in diesem Jahr begangen. Der Ostersonntag fällt dann auf den 5. April.

Sorbische Ostereiermärkte

Alljährlich vor und zu Ostern finden in der Region mehrere Ostereiermärkte statt. Darüber hinaus können Interessierte die Kunst des Ostereierverzierens erlernen. Direkt über die Osterfeiertage wird dazu unter anderem in die Schrotholzscheune von Birgit Pattoka nach Bergen und ins Sorbische Museum auf der Bautzener Ortenburg eingeladen. Im kommenden Jahr dürfte der erste Ostereiermarkt wieder im Haus der Sorben in Bautzen stattfinden. Termin ist Sonntag, der 1. März 2026.