Von Katrin Demczenko

Der Trabant gehörte zur DDR-Zeit zum wertvollen Besitz vieler Familien – und beim Ehepaar Krebs aus Straßgräbchen ist das heute noch so. Mario Krebs fuhr ein solches Auto seit seinem 18. Lebensjahr, war froh, es damals bekommen zu haben. 1997 stieg er aus alter Verbundenheit mit der Marke auf einen Trabant Cabrio als Zweitwagen um, für den er ab und an ein Ersatzteil braucht.

Die große Trabi-Oldtimer-Geschichte seines Lebens begann aber 2006 mit dem Kauf eines schrottreifen Trabant P 60 Camping mit Faltschiebedach und ohne Papiere in Dresden. „Der ist nur 300 mal gebaut worden“, schwärmt Mario Krebs. Deshalb hatte er entschieden, den Pkw zu restaurieren und originalgetreu wiederaufzubauen.

Und das war nicht der alleinige Antrieb für sein Tun. Er wollte das Auto auch am Tag der Hochzeit an seine ebenso Trabant-verrückte Frau verschenken. Das bedeutete für den Hobbyschrauber zum einen, über zwei Jahre ein Geheimnis zu bewahren und andererseits sehr viel Arbeit. Alle Einzelteile vom Motor über die Lenkung bis zur Karosserie und Innenausstattung waren aufzuarbeiten und wo nötig durch neue zu ersetzen.

Um diese zu bekommen, musste Mario Krebs viele Teilemärkte abklappern. Einiges bekam er über gute Freunde, die ihm auch mit Muskelkraft bei der Arbeit geholfen haben. Ein Sattler sorgte für die komplett neue Innenausstattung mit Faltschiebedach nach dem historischen Vorbild aus den 1960er-Jahren, und in einem alten Katalog fand der Autoschrauber die passende Farbe: Altpapyrus mit damastgrünen Streifen. So wurde das Fahrzeug gespritzt und erhielt nach einem Gesamtgutachten den „Originalzustand Note 1“ bescheinigt. Mario Krebs konnte es neu zulassen und seiner völlig überraschten Frau Kathrin am Hochzeitstag schenken. Seitdem sind die beiden jeden Sommer zusammen oder jeweils im eigenen Trabi bei Oldtimerausfahrten und anderen Veranstaltungen des Motorveteranenklubs Hoyerswerda dabei. Die 6. Fernfahrt von Zittau nach Binz auf der B 96 hat das Ehepaar vor wenigen Wochen gemeinsam im Trabant P 60 Camping mitgemacht, und – einmal an der Ostsee – setzten sie mit der Fähre nach Schweden über, um einen Schwager zu besuchen, erzählt Mario Krebs. Weil er alle Reisen mit diesem Trabi in Wort und Bild dokumentiert, weiß er, dass dies mit 2558 Kilometern die bisher längste Strecke für den Kleinwagen war.