Von Anja Guhlan

30 Jahre seines Lebens hat Chris Spencer in den USA gelebt. Den größten Teil dieser Zeit verbrachte er in Florida und Colorado. Nun lebt er seit zwölf Jahren in der Zuse-Stadt. Nach Hoyerswerda kam der US-Amerikaner mit den langen Rasta-Zöpfen im Jahr 2007. Damals folgte er einer Liebe nach Deutschland – eben einer Hoyerswerdaerin, die für ein paar Jahre in Kalifornien und Colorado gelebt hatte. Inzwischen leben die beiden aber wieder getrennt. „Ich war damals sehr neugierig und sehr gespannt auf Deutschland und wollte das ausprobieren“, erinnert er sich.

Wegen US-Finanzkrise länger geblieben

Eigentlich wollte er nur ein paar Jahre in Deutschland leben, dass es inzwischen zwölf Jahre geworden sind, hätte er damals für eher unwahrscheinlich gehalten. Aber durch die Finanzkrise in den USA haben sich auch die Perspektiven für eine mögliche Rückkehr geändert. „Ich wusste nicht, ob ich in den USA wieder Arbeit bekommen und finden könnte, also blieb ich erstmal“, erinnert sich der heute 42-Jährige weiter.

Im Prinzip fühlt er sich in Hoyerswerda wohl und glücklich. Er hat seine zwei Söhne vor Ort, gute Freunde und engagiert sich leidenschaftlich als Leiter für die Trommelkurse in der Kulturfabrik, führt auch die Trommelgruppe „DrumTastic“ an, die in regelmäßigen Abständen auftritt. „Eigentlich ist überall dort, wo ich trommeln kann, ein guter Ort“, meint er.

Das Trommeln ist seine große Leidenschaft. Ihm gefällt es, in einer Gemeinschaft zu trommeln. Schon zu seiner Studienzeit in den USA gehörte es immer dazu, in den Wohngemeinschaften gemeinsam zu musizieren. Als Autodidakt hat er sich das Trommeln quasi selbst beigebracht, Handtechniken hat er sich bei Youtube von Profis abgeschaut und den Rhythmus hatte er von Anfang an im Blut. Er fühlt sich einfach wohl beim Trommeln, kann vom Alltag abschalten und sich in der Gemeinschaft beim Trommeln mit anderen verbinden. „Gemeinsam zu trommeln, ist wie miteinander zu sprechen – nur ohne Worte“, ist er überzeugt.

Kinder wachsen zweisprachig auf

Der US-Amerikaner spricht fließend Deutsch – nur ab und zu muss er kleine Denkpausen einlegen. Mit seinen beiden Söhnen spricht er zu Hause nur Englisch, denn seine Kinder wachsen zweisprachig auf. Auch beim Fernsehen oder Lesen ist der Amerikaner seiner Muttersprache treu. „Es ist und bleibt halt meine Muttersprache. Deshalb wird zu Hause auch nur Englisch gesprochen“, sagt der Zugezogene.

In den ersten Jahren in Deutschland machte sich aber auch Ernüchterung breit, als der studierte Psychologe erfuhr, mit seinem Abschluss nicht so ohne weiteres als Therapeut hier praktizieren zu können. Doch für den Amerikaner öffneten sich recht schnell neue berufliche Türen. Als Muttersprachler ist er heute als freiberuflicher Coach für Business-Englisch sehr gefragt.

Als Zugezogener hat er nach all den Jahren sowohl amerikanische als auch deutsche Eigenschaften für sich und sein Leben gefunden: „Die Spontanität und die Flexiblität sind als typisch amerikanische Eigenschaften geblieben. Ich bin nicht gerade der Allerpünktlichste“, sagt Chris Spencer und schmunzelt ein wenig. Amerikaner wollen sich einfach immer frei fühlen.

Durch das Leben in Deutschland sei er aber auch mit den Jahren viel ordentlicher und disziplinierter geworden, erzählt er weiter. Das sind für ihn typisch deutsche Tugenden.

Süßes Popcorn geht gar nicht

Nur eines kann und will er von den Deutschen nicht übernehmen: süßes Popcorn! „Zu einem Kinoabend oder einem Film vor dem heimischen Fernseher gehört salziges Popcorn mit Butter“, betont er. Er freut sich auch, dass Feste wie Halloween mittlerweile in Deutschland auch so gefeiert werden wie in den USA.

An Thanksgiving, das in Deutschland eher weniger veranstaltet wird, lädt er sich ab und zu Freunde nach Hause ein, um gemeinsam gemütlich einen Truthahn zu verspeisen. „Ich habe mir mit den Jahren ein Stück Amerika einfach nach Hoyerswerda geholt“, sagt Spencer.

Ob er eines Tages in die USA zurückkehren wird, weiß er noch nicht genau. „Vorstellen könnte ich es mir, aber frühestens erst, wenn meine Söhne mich hier nicht mehr brauchen“, so Spencer.

Das Leben in Hoyerswerda will er auf alle Fälle weiter genießen. Und vielleicht trifft er ja wieder auf eine nette Hoyerswerdaerin, und dann bleibt er für immer in der Zuse-Stadt.