Schule in Hoyerswerda: Teilchenspuren sichtbar machen – Schüler zeigen wie's geht

Jugendliche der Oberschule Hoyerswerda bauen eine Nebelkammer zum Nachweis kosmischer Teilchen.
Ronald Ufer- Schüler aus Hoyerswerda bauen Nebelkammer für kosmische Myonen.
- Unterstützt von Zuse-Museum, TU Dresden und dem DZA.
- Projekt im Rahmen des International Cosmic Day.
- Praxistage fördern lebensnahes Lernen und berufliche Orientierung.
- Startchancen-Programm unterstützt Schulen mit sozial benachteiligten Schülern.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Es sind relativ einfache Materialien, mit denen gut ein Dutzend Schüler der Oberschule Hoyerswerda tief in das Weltall vorstoßen will. Eine durchsichtige Box aus Plexiglas, eine schwarze Metallplatte, Holz, Styropor und Filz, Magnete, eine Taschenlampe sowie viel Trockeneis zum Herunterkühlen der Versuchsanordnung gehören dazu. All das fügen die Jugendlichen zu einer Nebelkammer zusammen, um Myonen, kosmische Teilchen aus den Weiten des Weltalls, sichtbar zu machen.
Das Projekt ist eine Premiere. Erstmals beteiligen sich Oberschüler aus Hoyerswerda am International Cosmic Day. Unterstützt werden sie dabei vom Zuse-Museum, der TU Dresden und dem Deutschen Zentrum für Astrophysik (DZA). Zugleich ist es der zweite Praxistag der Oberschule seit der Teilnahme der Oberschule am Startchancen-Programm mit Beginn des Schuljahres.
Und ganz so einfach ist die Beobachtung der geladenen Elementarteilchen, die uns ständig umgeben, aber weder sicht- noch spürbar sind, dann doch nicht. Denn vorher müssen die Neunt- und Zehntklässler, angeleitet durch Wissenschaftler von TU und DZA, einen Crashkurs in Atomphysik absolvieren. Da geht es um wirkende Kräfte, Elementarteilchen, deren Herkunft, Energie, wirkende Kräfte und Wechselwirkungen sowie den Aufbau und die Wirkungsweise einer Nebelkammer.
Nebelkammer – So werden die Myonen sichtbar
Dagegen ist, auch zeitlich, die Herstellung des Versuchsaufbaus eher eine Kleinigkeit. „Wir hatten schon 2023 die Idee zu diesem Projekt, haben die Vorbereitung aber zeitlich nicht geschafft. Deshalb haben wir in diesem Jahr einen neuen, diesmal erfolgreichen Anlauf für den International Cosmic Day genommen. Dieser ist der kosmischen Strahlung und ihrer Erforschung gewidmet“, erzählt Marcus Matics vom Zuse-Museum.
Mit den fertigen Nebelkammern ziehen die Schüler dann in die Nachbarschaft um, in das Mitmachlabor. Dieses kann völlig verdunkelt werden, was die Chancen, Myonen zu entdecken, deutlich erhöht. Und nach kurzem Anlauf gelingt das auch allen Gruppen, die Schülerinnen und Schüler sind begeistert, auch weil sie im Nachgang etwas zu berichten haben.
Denn mit dem Versuch endet der Projekttag noch nicht. Im Zuse-Museum ist eine Videokonferenz vorbereitet. Sie verbindet Hoyerswerda mit zwei Einrichtungen in Italien und einer in China, wo Schüler ebenfalls Experimente im Rahmen des International Cosmic Days vorgenommen haben. Ihnen erzählen die Lausitzer Jugendlichen stolz, dass sie tatsächlich Myonen sichtbar machen konnten und wie ihnen das gelang.
Praxistage sollen Unterricht an der Schule erweitern
Andere Schüler der 8. bis 10. Klasse waren beim Praxistag zu Gast bei der Vitrinen- und Glasbau REIER GmbH, bei der P.u.s. Produktions- und Umweltservice GmbH und bei Leadec. Andere absolvierten einen Erste-Hilfe-Kurs bei Medicus oder das Berufekarussell im Beruflichen Schulzentrum. Die Praxistage sind ab diesem Schuljahr ein fester Bestandteil des Schulkonzeptes.
Mithilfe des Startchancen-Programms als Rahmen will die Oberschule unter anderem das „lebensnahe Lernen - Bildung in öffentlichen Erfahrungsräumen“ weiter ausbauen. Die Bildungsstätte gehört zu den ersten 30 weiterführenden Schulen im Freistaat, die in diesem Jahr in das bundesweite Startchancen-Programm eingestiegen sind. Dabei geht es darum, pädagogische Konzepte und Unterrichtsideen weiterzuentwickeln, die Interaktion mit Eltern, Umfeld, Firmen und institutionellen Partnern zu stärken.
Die deutschlandweite Startchancen-Initiative unterstützt Schulen mit einem hohen Anteil sozial benachteiligter Schülerinnen und Schüler. Sie hilft, die Bildungs- und Chancengerechtigkeit zu erhöhen. Alle Kinder und Jugendlichen sollen über systematische Förderung ihre Fähigkeiten entwickeln und ihre Talente entfalten. Es geht um bessere Bildungs- und Teilhabechancen, Leistungs- und Persönlichkeitsentwicklung.
Kernkompetenzen der Schüler in Hoyerswerda stärken
Bis zum Ende der Programmlaufzeit soll die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die Mindeststandards in Mathematik und Deutsch verfehlen, halbiert werden. Zudem geht es um eine stärkere Vernetzung im Umfeld, den Ausbau von Schulnetzwerken und außerschulischen Kooperationen.
Die Oberschule fördert verstärkt den Erwerb beruflicher Kompetenzen und die praktische berufliche Orientierung. Dazu tragen Praktika, Erkundungen, Werkstatttage, Kurzzeit-Praktika, Praktikumswochen und Bewerbungstraining bei.
Das Startchancen-Programm
Das Startchancen-Programm unterstützt gezielt Schulen mit einem hohen Anteil sozial benachteiligter Schülerinnen und Schüler. Dafür investieren Bund und Länder zusammen rund 20 Milliarden Euro in zehn Jahren. Es ist damit das größte und langfristigste Bildungsprogramm in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.
Mit dem Startchancen-Programm wollen Bund und Länder den Bildungserfolg von der sozialen Herkunft entkoppeln und für mehr Chancengerechtigkeit sorgen. Dabei geht es nicht einfach nur um finanzielle Unterstützung des Bundes, sondern auch um systemische Veränderungen und eine Stärkung der Leistungsfähigkeit des Bildungswesens.
Die Auswahl der ersten Startchancen-Schulen ist in allen 16 Ländern erfolgt. Insgesamt gingen 2125 Schulen zum 1. August 2024 an den Start, das sind mehr als doppelt so viele, wie ursprünglich angedacht. Bis zum Schuljahr 2026/27 wird es in ganz Deutschland etwa 4000 Startchancen-Schulen geben.
Das Programm startete zum Schuljahr 2024/25 mit einer Laufzeit von zehn Jahren. Der Bund stellt für das Startchancen-Programm bis zu einer Milliarde Euro jährlich zusätzlich zur Verfügung. Die Länder beteiligen sich in gleichem Umfang. Damit werden insgesamt 20 Milliarden Euro über zehn Jahre investiert. Ziel ist es, dort zu unterstützen, wo die Herausforderungen am größten sind. Die Gelder werden deshalb bedarfsgerecht an Schulen mit einem hohen Anteil sozial benachteiligter Schülerinnen und Schüler verteilt.
Die Höhe der Fördergelder, die ein Land vom Bund für das Startchancen-Programm erhält, berücksichtigt die sozialen Rahmenbedingungen. Insbesondere der Anteil junger Menschen in Armut und mit Migrationsgeschichte soll hierbei entscheidend sein. Die Länder verteilen die Fördermittel innerhalb des jeweiligen Landes gezielt auf die Startchancen-Schulen.



