Museum in Hoyerswerda: Ausstellung zeigt das dunkle Geheimnis der Altstadt

Anett Böttger (v.l.) vom Förderkreis Görlitzer Synagoge und Kerstin Noack, die Leiterin des Schloss- und Stadtmuseums Hoyerswerda, sprechen in der Ausstellung mit Besucherin Inge Münzberg.
Katrin Demczenko- Sonderausstellung im Schloss Hoyerswerda zeigt jüdische Geschichte der Oberlausitz.
- Ergänzt wird die Schau durch neue Funde zu jüdischen Bürgern aus Hoyerswerda.
- Ida Swirski überlebte in Hoyerswerda, da ihre Religionsangabe getilgt wurde – 1950 trat sie der Jüdischen Gemeinde Dresden bei.
- Apotheker Walter Brausendorf musste 1933 arisieren, floh mit Ehefrau nach Australien.
- Viele Schicksale bleiben ungeklärt, weitere Akten liegen u. a. im Staatsfilialarchiv Bautzen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Viele Häuser stehen seit Jahr und Tag in der Altstadt von Hoyerswerda. Generationen von Familien lebten und leben in ihnen – Menschen deutscher, sorbischer oder migrantischer Herkunft. Bis in die 1930er-Jahre gehörten auch jüdische Bürger ganz selbstverständlich zur Stadtgesellschaft, ehe die Nationalsozialisten ihre Lebenswege radikal zerstörten.
Die Ideologie des NS-Regimes nährte systematisch die Vorurteile der Mehrheitsgesellschaft: Worte produzierten Ausgrenzung, Gesetze sorgten für Entrechtung, Verfolgung und letztlich Vernichtung. „Wo Nachbarn plötzlich zu Fremden wurden“, fasst es Kerstin Noack zusammen.
Die Leiterin des Schloss und Stadtmuseums Hoyerswerda sprach zu diesem sensiblen Thema auf einem Vortragsabend. Der Abend begleitete die Sonderausstellung „Spurensuche – Jüdische Geschichte der Oberlausitz“ des Förderkreises Görlitzer Synagoge im Schloss. Die Schau ist noch bis Ende Juni 2026 zu sehen und wird durch aktuelle Forschungsergebnisse zu jüdischen Mitbürgern direkt aus Hoyerswerda ergänzt.
Die Wirtschafterin Ida Swirski hat wohl als einzige Jüdin die Verfolgung direkt in Hoyerswerda überlebt. Seit 1922 war sie bei ihrem Arbeitgeber Reidmeier tätig. Diesem gelang kurz vor der nationalsozialistischen Machtergreifung ein folgenschweres Täuschungsmanöver: Mithilfe eines verwandten Beamten ließ er die Religionszugehörigkeit seiner Angestellten im Melderegister streichen – sicherheitshalber vordatiert. Diese Rettungsgeschichte sowie Ida Swirskis späterer Beitritt zur Jüdischen Gemeinde Dresden im Jahr 1950 gehen aus Akten aus DDR-Zeiten hervor.
Jüdisches Leben in Hoyerswerda gerät wieder in den Fokus
Weniger Glück hatten der Apotheker Walter Brausendorf und seine Frau Käthe. Sie mussten ihr Geschäft am Markt 9 bereits im Jahr 1933 im Zuge der „Arisierung“ an den Deutschen Erich Brösan verkaufen und verloren damit von heute auf morgen ihre wirtschaftliche Existenzgrundlage.
Der Rechtsanwalt Dr. Karl Noack vermerkte damals in seinem Tagebuch, wie tief bedrückt der Apotheker über den plötzlichen Hass seiner Nachbarn gewesen sei, berichtet Museumsleiterin Kerstin Noack. Immerhin: Dem Ehepaar Brausendorf gelang mit dem Verkaufserlös die Flucht nach Australien, wodurch sie dem Naziterror entkamen. Nach dem Krieg fanden sie in Melbourne ihre letzte Ruhestätte, was ein Foto ihres Grabsteines belegt.
Andreas Noack von der Gesellschaft für Heimatkunde Hoyerswerda hat die Tagebuchnotiz seines Großvaters Dr. Karl Noack sowie zahlreiche weitere Dokumente in die Ausstellung eingegliedert. Er war, ebenso wie das Historische Stadtarchiv Hoyerswerda, umfassend an den tiefgreifenden Recherchen beteiligt. Die Ergebnisse sind nun Teil der Sonderausstellung und bleiben der Stadt über eine interaktive Touch-Stele dauerhaft erhalten.
Viele jüdische Schicksale aus Hoyerswerda sind noch ungeklärt
Bis zum jetzigen Zeitpunkt sind die Schicksale von fünf jüdischen Menschen und Familien aus Hoyerswerda historisch aufgeklärt, darunter auch das des Juristen Dr. Hans Reifenstuhl. Doch die Forschung steht nicht still: Im Staatsfilialarchiv Bautzen lagern unter anderem noch Akten zur Bauernfamilie Laster aus Bröthen und zur Kaufmannsfamilie Zeichner aus Klein Neida. Auch der genaue Verbleib der jüdischen Gefangenen aus dem nahegelegenen Lager Elsterhorst sei bis heute ungeklärt, betont Kerstin Noack.
Dass Juden in der gesamten Oberlausitz systematisch verfolgt und drangsaliert wurden, zeigen die Ausstellung sowie die mehr als 100 bereits verlegten Stolpersteine in Görlitz/Zgorzelec, Weißwasser, Niesky und Löbau, erklärt Anett Böttger vom Förderkreis Görlitzer Synagoge. Sie hat die Schau im Auftrag des Förderkreises zusammengestellt.
Dabei machten jüdische Bürger Anfang des 20. Jahrhunderts in den Städten der Region meist weniger als ein Prozent der Bevölkerung aus. Dennoch waren sie hervorragend integriert und engagierten sich stark im gesellschaftlichen Leben. Die meisten von ihnen – rund 800 Personen – gehörten zur Gemeinde Görlitz. Dies betraf damals auch die jüdischen Einwohner aus Hoyerswerda, deren vergessene Geschichten nun Stück für Stück ans Licht geholt werden.
