Modellflug bei Hoyerswerda
: Nardt statt Stuttgart – Sportler fliegen zur WM auf die Lausitz

Die Königsklasse der Modellsegelflieger kommt zur WM nach Nardt bei Hoyerswerda. Interessierte können die Wettkämpfe hautnah erleben. Für Spektakel ist gesorgt.
Von
Ronald Ufer
Hoyerswerda
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Im August werden internationale Teams aus fünf Kontinenten zur F3B-Weltmeisterschaft auf dem Flugplatz Nardt erwartet. Hier waren auch zur WM 2013 die Bedingungen für diesen Sport ideal.

Im August werden internationale Teams aus fünf Kontinenten zur F3B-Weltmeisterschaft auf dem Flugplatz Nardt bei Hoyerswerda erwartet. Das Foto stammt von der WM 2013.

Aeroklub / Gerhard Flixeder
  • F3B-Weltmeisterschaft im Modellsegelflug findet im August in Nardt bei Hoyerswerda statt.
  • 40 Piloten aus 13 Nationen treten an, u. a. aus Australien, Japan, Chile und den USA.
  • Spektakuläre Disziplinen: Zeitflug, Streckenflug und Speedflug mit bis zu 180 km/h.
  • Zuschauer erleben kostenlose Events, inkl. Schaufliegen und Fallschirmspringern.
  • Regionale Unternehmen und die Seenlandstiftung unterstützen die Veranstaltung.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Eigentlich sollte diese Weltmeisterschaft im Modellsegelflug, Klasse F3B, in Stuttgart laufen. Doch die dortigen Vereine trauten sich diese Aufgabe nicht zu. Da erinnert sich der internationale Verband an den Aeroklub Hoyerswerda. Auf dessen Flugplatz in Nardt hatte es schon 2013 die Weltmeisterschaft in dieser Klasse gegeben. Alljährlich treffen sich nationale und internationale Modellsegelflieger dort auch zum Sonnenwendpokal in der Königsklasse.

Nach kurzer Überlegung nahm der Verein die Ausrichterrolle an. „Wir wollen international die Region präsentieren“, nannte Organisator Roland Pietsch als Hauptgrund. „Und den Einwohnern von Hoyerswerda und Umgebung ein besonderes Erlebnis ermöglichen.“ Dafür nahm der Verein einen einjährigen Kraftakt auf sich.

Pietsch und seine Mitstreiter haben ein besonders zuschauerfreundliches Programm auf die Beine gestellt. Los geht es am Sonntag, 10. August, von 16 bis 18 Uhr mit einem Schaufliegen auf dem Flugplatz Nardt. Es wird von WM-Piloten und von Modellsegelfliegern aus Nardt gestalten. Auch wenn letztere nicht am Championat teilnehmen. „So gut sind wir noch nicht“, meint Pietsch. Über dem Flugplatz werden Fallschirmspringer abgesetzt. Ab 18 Uhr läuft die für das Publikum zugängliche Eröffnungsveranstaltung.

Spektakuläre Wettkämpfe bei Hoyerswerda

Ob Schaufliegen oder Wettkampf, die Zuschauer bekommen etwas geboten, verspricht der Organisator. Denn die Fluggeräte sind größer, als sich das mancher bei Modellsegelflugzeugen vorstellt. Immerhin kommen sie auf eine Spannweite von drei Meter. Sie wiegen aber nur zwei Kilogramm, da sie aus Hochleistungswerkstoffen wie kohlefaserverstärktem Kunststoff (CFK) bestehen. Alle Aktionen erfolgen im Sichtbereich der Zuschauer auf und über dem Flugplatzgelände.

Gestartet werden die Modelle mit Elektrowinden, dann fliegen sie ohne eigenen Antrieb weiter, werden über Computer-Funkfernsteuerung auf Kurs gehalten. Sie bewegen sich in Höhen zwischen 180 und 350 Meter. Bei den Wettbewerben befinden sich stets mehrere Fluggeräte in der Luft, sodass es immer etwas zu sehen gibt. Trotz dreier Disziplinen mit unterschiedlichen Anforderungen müssen sich die Piloten für eine Maschine entscheiden, die alle Wettkämpfe bestreitet.

Beim Zeitflug starten bis zu zehn Piloten einen zehnminütigen Flug mit Ziellandung. Das Zeitfenster beträgt zwölf Minuten. Wer davon abweicht oder ungenau landet, verliert Punkte. Beim Streckenflug ist eine 150 Meter lange Distanz zwischen zwei Masten in vier Minuten möglichst oft zu absolvieren. Der Weltrekord liegt bei 38 Strecken, was etwa sechs Kilometern entspricht.

Piloten aus 13 Nationen kommen nach Nardt

Besonderen Nervenkitzel verspricht der Speedflug. Dabei ist die 150 Meter lange Strecke viermal möglichst schnell zu durchfliegen. Dabei werden Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 180 Kilometer pro Stunde erreicht. Bei allen drei Wettbewerben erhält der Beste der Gruppe oder des Durchgangs jeweils 1000 Punkte. Es werden mehrere Durchgänge ausgetragen.

Angst vor schlechtem Wett hat Aeroklub-Vorsitzender Rene Mütze kaum. „Nur wenn es regnet, wird nicht geflogen. Sofort, wenn es wieder trocken ist, machen die Piloten weiter.“ Für die Zuschauer bietet der Wettbewerb eine ungewohnte Möglichkeit. Wenn die Piloten nicht gerade auf dem Weg zum Start sind, können sie auch angesprochen und befragt werden, versprechen die Organisatoren.

Maximilian Halla (l.) und Rene Mütze vom Aeroklub Hoyerswerda nehmen von Thomas Delling (m.), einen symbolischen Scheck der Seenlandstiftung für die Weltmeisterschaft entgegen.

Maximilian Halla (l.) und Rene Mütze vom Aeroklub Hoyerswerda nehmen von Thomas Delling (m.) einen symbolischen Scheck der Seenlandstiftung für die Weltmeisterschaft entgegen.

Ronald Ufer

An der Start gehen 40 Piloten und ihre Helfer aus aller Welt. Sie kommen aus 13 Nationen, aus Australien, Chile, Japan, den USA und Europa. Den kürzesten Weg haben Starter aus Dresden, vom Modellflugsportclub der TU Dresden. Die 110 Piloten, Helfer, Kampfrichter und Offiziellen werden durch Mitglieder des Aeroklubs Hoyerswerda unterstützt. Am Sonntag hilft auch die Freiwillige Feuerwehr Nardt.

Regionale Wirtschaft unterstützt WM der Modellsegelflieger

Die Region werden Piloten und Helfer auf ganz verschiedenen Wegen kennenlernen. Viele europäische Starter kommen mit Wohnmobilen und Campern, für sie wird ein kleiner Übernachtungsplatz auf dem Gelände geschaffen. Andere sind in Pensionen und Hotels der Nachbarorte untergebracht oder übernachten in clubeigenen Wohnwagen. Zum Abschluss gibt es für alle eine Fahrt auf dem Senftenberger See mit der Santa Barbara.

„Die Ausrichtung ist nur möglich, weil uns mittelständische Firmen aus der Region unterstützt haben“, betont Pietsch. Dazu zählen Elektro-Schnabel, Kegel & Hossmang Gerüstbau GmbH, die Brauerei Wittichenau, BauCom Bautzen und die Melde & Berthold GmbH. Auch die Seenlandstiftung gibt Geld. Der Aeroclub hat für die WM die Befahrbarkeit der Zugangsstraße verbessert. Während der WM gibt es für Zuschauer weder Eintritts- noch Parkgebühren.

Klasse R3B im Modellflug

Der Weltluftfahrtverband FAI hat den Modellflug in Klassen eingeteilt und sie unter dem Register F zusammengefasst. Die 3 steht dafür, dass die Flugmodelle ferngelenkt sind. Das B bedeutet, dass sie keinen Antrieb besitzen, also Segelflugmodelle sind. Hinter der Bezeichnung F3B verbirgt sich ein umfassendes Reglement.

Segelflugmodelle, die sich für den Einsatz in der Klasse F3B eignen, haben Spannweiten um die drei Meter und eine Masse von rund zwei Kilogramm.

Gestartet werden die Segelflugmodelle an Elektrowinden. Diese sind in ihrer Leistung begrenzt, um Chancengleichheit zu gewährleisten. Die Modelle sind beim Ausklinken der 30-fachen Erdbeschleunigung ausgesetzt.