Militärtechnik bei Bernsdorf
: Panzer, Kanonen und mehr jetzt in Wiednitz

Am neuen Standort in Wiednitz bei Bernsdorf gibt es am Wochenende zum „Manöver Herbstwind“ Militärtechnik und mehr zu sehen. Worum es dem Veranstalter geht und was diesmal neu ist.
Von
Ronald Ufer
Bernsdorf
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Alt und ganz alt nah beieinander: Ein Dienstwagen der Feldjäger und die Kanone der „1. Lichtensteiner Kanonierkompanie“, die es sonst auch auf der Festung Königstein krachen lässt.

Im Ortsteil Großgrabe fand am Wochenende das 17. Militärtechniktreffen statt. Alt und ganz alt nah beieinander: ein Dienstwage der Feldjäger und die Kanone der „1. Lichtensteiner Kanonierkompanie“.

Ein Dienstwagen der Feldjäger und die Kanone der „1. Lichtensteiner Kanonierkompanie“ auf einem vergangenen Militärtechniktreffen bei Bernsdorf. (Archiv)

Veikko Rösler

Grün wird am Wochenende (13. bis 15. September) die dominierende Farbe im Bernsdorfer Ortsteil Wiednitz sein. Die Militärtechnikfreunde Großgrabe laden erstmals am neuen Standort zum „Manöver Herbstwind“ ein. Zugelassen auf dem Gelände sind nur Fahrzeuge mit militärischer Vergangenheit, keine gewöhnlichen Oldtimer oder grünen Traktoren.

Dabei ist neu, dass keine Deko- und Anscheinswaffen mitgeführt werden dürfen. Für jede müsste vor Mitführen auf dem Gelände eine behördliche Genehmigung beantragt und bewilligt werden, dieser Aufwand sei nicht zu bewältigen, sagt Mitorganisator Frank Schleinitz.

„Wir sind technikbegeistert, wollen Militärfahrzeuge und weitere Technik erhalten und den Besuchern möglichst Original in Funktion vorstellen“, erläutert Schleinitz das Anliegen. Dazu gehören die Uniformen, bei einigen sind die Hoheitszeichen abgeklebt.

Lebensumstände der Soldaten bei Bernsdorf sichtbar machen

Gruppen, wie sie in Hoyerswerda und Umfeld am Himmelfahrttag in Geländefahrzeugen und Wehrmachtsaugzug für Aufsehen und Ermittlungen sorgten, erwartet er am Wochenende in Wiednitz nicht. „Die waren in der Militärtechnikszene völlig unbekannt.“

Vorgestellt wird Technik vom Fahrrad bis zum Panzerfahrzeug aus fast neun Jahrzehnten. Mehrere Hundert Darsteller mit 300 Fahrzeugen werden erwartet, auch aus Tschechien, Polen und Ungarn. Die Organisatoren sind sich sicher, die Besucherfahrten mit dem OT 1, der tschechischen Variante des sowjetischen BMP 1, werden wieder ein Höhepunkt des Militärfahrzeugtreffens in Wiednitz sein. Auch Hubschrauberflüge mit Aero Heli aus Neuhausen sind geplant.

Es wird einen historischen Sanitätsstützpunkt, eine Meldestelle und eine Feldfleischerei geben. „Es geht uns dabei nicht um ein Kriegsspektakel, sondern um auf die schwierigen Bedingungen für die Soldaten in früheren Jahrzehnten zu demonstrieren. Wir wollen damit auch zum Nachdenken anregen, was die Soldaten an schlechten, oft primitiven Bedingungen auf sich nehmen mussten, um den Frieden zu bewahren“, betont Schleinitz.

Technik vieler Armeen wird bei Bernsdorf vorgestellt

Neben den „Benzingesprächen“ ausgewiesener Technikfreunde gibt es Angebote für Familien mit Kindern. Schleinitz sieht das Treffen für die Jüngsten als gut geeignet an, auch durch die Mitfahrmöglichkeiten und die Chance, die Technik anzufassen und in Aktion zu erleben. „Besucher früherer Treffen haben mir mehrfach gesagt, dass ihre Kinder sonst schnell das Interesse bei Veranstaltungen verlieren, bei uns aber vier Stunden begeistert gewesen sind.“

Nur zur Eröffnung ist die Lichtensteiner Kanonierkompanie aus Bernsdorf mit ihrer Schwarzpulver-Artillerie zu erleben. Die Kanonen werden dann einmal geladen und abgefeuert. Da das Treffen in Waldnähe erfolgt, haben sich die Organisatoren aus Gründen des Tierschutzes für diese Beschränkung entschieden.

NVA, Bundeswehr und Wehrmacht, Sowjetarmee und US-Army sowie tschechische, polnische und ungarische Streitkräfte werden von Darstellergruppen verkörpert. Ob die britische und die französische Armee vertreten sein werden, ist auch für die Organisatoren eine spannende Frage.

Als Kind sowjetische Militärkolonnen erlebt

Das Interesse an Technik und vielleicht die eine oder andere Kindheitserinnerung haben viele Teilnehmer zur Militärtechnik geführt. „Ich komme aus Radebeul, dort habe ich als Kind immer wieder sowjetische Militärkolonnen erlebt. Vielleicht geht mein Technikinteresse darauf irgendwie zurück“, erzählt Schleinitz. Vor einigen Jahren hatte er ein Militärtechniktreffen besucht, es interessant gefunden und zwei sowjetische Hoheitszeichen erworben.

Als er diese an einem gewöhnlichen Auto anbringen wollte, wurde ihm schnell klar, das mach keinen Sinn. Also suchte er nach einem alten Militärfahrzeug, erwarb einen sowjetischen UAS 469 Geländewagen, restaurierte diesen und wurde Mitglied bei den Militärtechnikfreunden Großgrabe. Inzwischen ist Schleinitz nicht nur bei dessen Treffen dabei, sondern organisiert diese mit.

Das Interesse an Militärtechnik bedeutet für Schleinitz und seine Mitstreiter nicht, Waffen zu verherrlichen. „Unser Treffen ist auch eine Gelegenheit, darüber nachzudenken, ob es immer mehr Waffen werden müssen oder vielleicht auch mehr Diplomatie angebracht wäre.“

Programm Militärtechniktreffen

Die Darsteller reisen am Freitag (13. September) ab 13 Uhr mit ihrer Technik an. Es gibt eine Abendgestaltung mit Lagerfeuer und Getränken.

Höhepunkt des Treffens ist der Sonnabend ab 9 Uhr die Militärtechnik -Ausstellung. Die Hubschrauber-Rundflüge beginnen gegen 10 Uhr. Es gibt auch Panzer-Mitfahrten und Touren durch das Gelände. Die „1. Lichtensteiner Kanonierkompanie“ stellt ihre Schwarzpulverkanonen und den Verein sowie dessen Aktivitäten vor. Es werden Teile für Militärtechnik, Orden, Uniformen, Abzeichen und Büchern verkauft. Ein DJ und eine Liveband sorgen abends für Unterhaltung.

Am Sonntag stehen ein gemütliches Frühstück und die Abreise der Technik und der Ausstellung an.