Das war eine Nachricht, die aufhorchen ließ. Also, jedenfalls die Biertrinker der betroffenen Region. Rief doch kürzlich eine im bayerischen Traunstein ansässige Brauerei dazu auf, alle leeren Bierkästen in die Brauerei oder zum nächsten Getränke- oder Supermarkt zu bringen. Nach Möglichkeit: schnell. Also so schnell wie möglich. Man hatte vor Ostern wieder einmal kräftig vorproduziert. Die Folge: Leergut fehlte, waren die Kapazitäten knapp geworden. Leergut-Knappheit. Mit dafür verantwortlich ist auch die Unlust der Kundschaft, die leeren Kisten abzugeben.

Eine Problematik, die in der Wittichenauer Stadtbrauerei  nicht so ganz unbekannt ist. Geschäftsführer Stefan Glaab erzählt, dass man in besonders heißen Sommern, wo naturgemäß der Durst größer als sonst ist, in Sachen Leergut schon mal an Grenzen stoße. Da werde es dann gelegentlich eng, so der Geschäftsführer weiter. Aber derzeit könne davon (noch) keine Rede sein, meint Glaab, zeigt auf die Bierkästen-Stapelgebirge im Brauereihof.

Kistenknappheit ist vor allem für kleine mittelständische Brauereien in Deutschland zu einem Dauerproblem geworden. Im vergangenen Sommer war das ein ganz großes Thema bei den deutschen Bierbrauern. Da hatte die Hitzeperiode die Leute sehr durstig gemacht, dazu kam noch die Fußball-Weltmeisterschaft. Pfand-Rückrufe der Brauereien, auch über die sozialen Netzwerke, waren da recht häufig.

In einer Stadtbrauerei wie der in Wittichenau, die jährlich rund 15000 Hektoliter produziert und einen durchschnittlichen Bestand zwischen 80 000 und 100 000 Kästen hat, kann fehlendes Leergut ebenfalls für arges Kopfzerbrechen in der Produktion sorgen. Doch sind es nicht nur die fehlenden Kästen, die einer Brauerei wie der in Wittichenau zu schaffen machen. Es sind auch die wild bestückten Kästen aus dem Großhandel. Leergutkästen, die mit Flaschen anderer Brauereien gefüllt sind. Weit über 50 Prozent aller zurückgegebenen Kästen betreffe das. „Müssen wir dann alle zu einer Sortieranlage nach Bautzen bringen“, so Glaab weiter. Was natürlich Kosten verursache.

Ebenfalls mitverantwortlich für eine zeitweise Leergut-Knappheit, auch das kennt man in der Wittichenaer Stadtbrauerei, ist eine gewisse Kundenträgheit. Diese ließen sich, so Glaab, mit der Rückgabe oft viel Zeit. Da verstauben die Kästen in Garagen und Kellern oder werden einfach weggeworfen - weil die Pfandbeträge zu niedrig sind. Glaab rechnet vor: 1,50 Euro Pfand sei für den Plastikkasten ohne Flaschen zu zahlen; im Einkauf für die Brauerei koste er zwischen 4,50 und 5,50 Euro. Wenn sich eine Leergurt-Knappheit andeutet, könne man zwar neue Bierkästen bestellen, so Stefan Glaab. So eine Bestellung sollte man immer langfristig planen. Denn: „Bestelle ich im Frühjahr neue Kästen, bekomme ich wegen der langen Lieferzeiten der Kistenhersteller diese erst im Herbst“, so Stefan Glaab. Mit anderen Worten: Das ist dann zu spät.

So bleibt die Leergut-Knappheit weiter ein großes Brauerei-Thema. Dass sich etwas ändern muss, steht aber in der Branche fest. Eine Forderung: Disziplinierung der Kunden durch höheres Pfand. Da müssten jedoch, so Stefan Glaab,  alle Brauereien mitziehen.  Das Pfand verdoppeln oder gar verdreifachen, dies, so die Hoffnung mancher Brauerei, könne helfen. Denn wer mindestens acht Euro pro Kasten samt Flaschen erhält, statt wie bisher 3,10, dürfte sicher eine größere Motivation haben, seinen Kasten abzugeben.