Leben in Bernsdorf: Kommune stellt sich einer europaweiten Bewertung

Das Dorfmuseum in Zeißholz widmet sich auch der Industriegeschichte des Ortes.
Ronald Ufer- Bernsdorf vertritt Sachsen im European Village Renewal Awards – Jury besuchte die Kommune.
- Zeißholz zeigt dörfliche Traditionen: Dorfmuseum im ältesten Gehöft, auch Industriegeschichte.
- Straßgräbchen ist Industriestandort mit TDDK: Ausbau der Produktion, fast 950 Arbeitsplätze.
- Bundeswehr plant ein Logistikbataillon in Straßgräbchen, Kommune baut Infrastruktur aus.
- Bernsdorf bietet Zentrum mit Schule, Kitas und Ärzten; 2027 soll ein Mobilitätsservice starten.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Antworten auf diese Frage liefert der Besuch der Jury mit Juroren aus den Niederlanden, Österreich und Bayern in Bernsdorf. Los geht es im Ortsteil Zeißholz. Das Dorf wirkt gepflegt, erscheint zunächst aber nicht ungewöhnlich. Doch es verfügt über ein eigenes Museum. Dafür haben die Einwohner das älteste Gehöft hergerichtet, 1401 wurde es erstmals urkundlich erwähnt.
Entstanden ist ein Erinnerungsort, der zugleich Treffpunkt der Einwohner ist. Zu sehen sind erwartungsgemäß viele historische landwirtschaftliche Geräte. Erlebbar gehalten wird aber auch ein abgeschlossenes Kapitel der Geschichte von Zeißholz, das sonst kaum noch sichtbar wäre. Denn der Ort beherbergte über viele Jahrzehnte auch eine Brikettfabrik, die vielen Einwohnern Lohn und Brot brachte.
Nach der Wende wurde das Werk stillgelegt. Die Kumpel mussten die Maschinen und Anlagen, also ihre Arbeitsplätze, demontieren. Letztlich bereiteten sie so ihre zumindest zeitweilige Arbeitslosigkeit oder gar den Abschied aus der Lausitz vor. „Das war für jeden von ihnen eine der schmerzvollsten Aufgaben überhaupt“, schätzt der Bernsdorfer Bürgermeister Harry Habel ein.
Vom Dorfmuseum Zeißholz zur Großinvestition Straßgräbchen
Einiges Sachzeugen aus der einstigen Brikettfabrik wurden von den Kumpeln vor der Verschrottung bewahrt und dem Dorfmuseum zur Verfügung gestellt. Ergänzt durch Informationstafeln erinnern sie an industrielle Traditionen neben der bäuerlichen Historie. Ein wichtiger Aspekt der Dorfgeschichte bleibt lebendig, ohne in Nostalgie zu verfallen.
Das Dorfmuseum ist aber auch der Ort, an dem sich die Zeißholzer gern treffen, miteinander reden und Feste feiern. Eigentlich sollte dieser beim ersten Gang der Bürgermeisterwahl von Bernsdorf Ende Mai 2026 auch zum Wahllokal werden. Die Bürger wollten nach der Stimmabgabe noch etwas zusammensitzen und sich unterhalten. Doch die Genehmigungen erwiesen sich als so zeitaufwendig, dass wie in den Vorjahren im Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr gewählt werden musste.
Die nächste Jury-Station ist Straßgräbchen, das neue industrielle Herz von Bernsdorf. Ab 1998 wurde hier das Werk der TD Deutsche Klimakompressor GmbH (TDDK) errichtet. Versprochen waren 60 Arbeitsplätze, heute seien es fast 950, erzählt der Bürgermeister. Die enge Kooperation von Kommune, Land und Investor ermöglichte zügige Erweiterungen. So erfolgte 2023 der Baustart für die Halle 6. Inzwischen TDDK eine der größten japanischen Investitionen in Ostdeutschland.
In wenigen Jahren kommt die Bundeswehr nach Bernsdorf
Mit der Großinvestition konnten das Ende oder die drastische Verkleinerung traditioneller Unternehmen in Bernsdorf teilweise kompensiert werden. So schloss 2026 nach 150 Jahren das Glaswerk. Bernsdorf setzt auf weitere Ansiedlungen und entwickelt ein neues Gewerbegebiet.

90 Millionen Euro hat TDDK in diesen Erweiterungsbau mit automatischem Hochregallager sowie mit Fertigungsstrecke für elektrisch angetriebene Kompressoren gesteckt.
TDDK / Sandro SchneiderAber auch die veränderte Sicherheitslage zeigt sich in Bernsdorf. Bis Anfang der 1990er Jahre waren in Straßgräbchen Einheiten der DDR-Luftverteidigung stationiert. Anfang der 2030er Jahre kommt ein Logistikbataillon der Bundeswehr in den Ort. Die Zahl der Dienstposten stieg von zunächst 600 auf derzeit geplante 900. Aktuell ist die Kommune dabei, dafür infrastrukturelle Voraussetzungen wie Schule, Kita, Wohnungen und Nahversorgung vorzubereiten.
Zwischen den Eckpunkten dörfliche Gemeinschaft und Traditionen wie in Zeißholz und industrielle Großansiedlung wie in Straßgräbchen ordnen sich die anderen Ortsteile ein. Sie bringen viel Eigenes ein wie Wiednitz mit seinen erfolgreichen Kunstradfahrverein. Dessen Frauenteam holte bereits mehrere Weltcupsiege. Dorfgemeinschaftshäuser sorgen in den Ortsteilen als Treffpunkte, Vereinsräume und Veranstaltungsorte für lebendige Gemeinschaften.
Kommune will 2027 einen Mobilitätsservice starten
Bernsdorf selbst fungiert als infrastrukturelles Zentrum mit Ärzten, Physiotherapien und weiteren Gesundheitsangeboten, zeigt ein anderer Halt. Grundschule, Kitas, Einkaufsstätten, Gaststätten, Dienstleistungen, Mehrgenerationenhaus und die von Bürgern 2009 gegründete Freie Oberschule sichern eine erweiterte Grundversorgung. Damit dies alles die Bürger der Ortsteile besser nutzen können, will die Kommune gemeinsam mit Wissenschaftseinrichtungen und Firmen Anfang 2027 einen Mobilitätsservice starten, der den ÖPNV ergänzt.
All das wird von einer Verwaltung koordiniert, die nur über 20 Mitarbeiter als Kernteam verfügt. Sie verstehe sich als Kümmerer und Ermöglicher, treibe erfolgreich viele Entwicklungen voran, betont der Bürgermeister.
Der Europäische Dorfentwicklungswettbewerb
Der renommierte European Village Renewal Award wird seit 1990 vergeben. 2026 gibt es die 19. Auflage. Bisher haben rund 440 Dörfer, Gemeinden und interkommunale Allianzen aus 20 europäischen Staaten teilgenommen.
Ziel des Wettbewerbes ist es, herausragende Erneuerungs- und Entwicklungsprozesse in ländlichen Gemeinwesen zu evaluieren, auszuzeichnen und weit über regionale und Landesgrenzen hinaus bekannt zu machen – auch mit der Intention, andere Dörfer und Gemeinden an deren Wissen und Erfahrung partizipieren zu lassen.
Dabei nimmt die internationale Jury ihre Bewertungen vor allem auf Basis umgesetzter Leitprojekte vor und richtet ihren Blick besonders auf die Resilienz, den innovativen Charakter und das kreative Herangehen bei der Projektentwicklung und Umsetzung.
Die Teilnehmer wurden bis Ende Januar 2026 benannt. Die mehrstufige Evaluierungsphase, während der jeder Teilnehmer von Jurorinnen und Juroren vor Ort begutachtet wird, endet Anfang Juli mit der finalen Bewertungssitzung. Die Preisverleihung findet vom 10. bis 12. September im Rahmen eines mehrtägigen Events im mittelböhmischen Kostelní Lhota statt, dem Gewinner des European Village Renewal Awards 2024.


