Lausitzer Hangfichten: Musiker aus dem Seenland haben sich Alphorn verschrieben

Die Lausitzer Hangfichten brauchen viel Platz zum Musizieren.
Sebastian Pfeifer- Die Lausitzer Hangfichten spielen Alphorn, ein traditionelles Instrument aus der Schweiz und den Alpen.
- Gegründet 2011, treten sie jährlich etwa 25 Mal auf; größtenteils bei privaten Feiern und Festen.
- Ihre Alphörner sind handgefertigt und auf die Zusammenarbeit mit Schweizer Musikern abgestimmt.
- Das Ensemble probt wöchentlich in Hoyerswerda und arbeitet mit der Kirchengemeinde zusammen.
- Alphornspiel erfordert Technik statt großer Lungenkapazität.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Es begann mit einem Partyspaß, dass Hans-Jürgen Heyne das Alphorn entdeckte. Nach der Musikschulzeit und vielen Auftritten in Jugendorchestern, vorrangig mit dem Waldhorn, hatte er eine längere Pause gemacht. Heyne wünschte sich 2010 zum Geburtstag ein Alphorn. Schon kurze Zeit später, 2011, nach der Abholung weiterer speziell angefertigter Instrumente gründeten sich die Lausitzer Hangfichten. Seitdem erschallen auch über die Region hinaus die Naturtöne des wohl längsten Instrumentes.
Wer auf Bayern oder die Schweiz als musikalische Heimat des Ensembles tippt, liegt etwas daneben. Die Hangfichten lehnen sich an Traditionen der schwäbischen Alp an. Auch, weil von dorther ihre Instrumente kommen. Gebaut werden sie von Bernhard Köhler aus Walddorfhäslach. Die handgefertigten Instrumente werden so gestimmt, dass mit ihnen auch gemeinsam mit Schweizer Bläsern musiziert werden kann.
Den Kern des Ensembles bilden Mitglieder des Geierswalder Jagdhornbläser. Kein Wunder, auch diese setzen auf Naturklänge und verwenden Instrumente ohne Mechanik und Ventile. Das prädestiniert die Musiker auch für den Umgang mit den deutlich größeren Hörnern. Zumal diese, obwohl aus Fichtenholz bestehend, bautechnisch den Blechblasinstrumenten zugeordnet werden. Die Verzierungen bestehen aus Zwetschgenholz.
Nicht jeder Walzer klingt auf dem Alphorn
Neben klassischen Volksmusik- und Hirtenklängen, unter anderen von der Schwäbischen Alp, hat sich das Ensemble auch ein Repertoire eigener Stücke erarbeitet. Dazu zählen selbst arrangierte, flotte Walzer und Polkas. So ein Stück muss aber immer erst durch die Qualitätskontrolle des Ensembles.
„Wir können nur Ganztöne spielen, das macht solche Arrangements schwierig. Manchmal müssen wir auch sagen, das klingt nicht, geht so nicht“, meint Heyne, der auch als musikalischer Leiter agiert. Die spieltechnischen Einschränkungen führen dazu, dass Weihnachten eine auftrittsfreie Zeit für die Hangfichten ist. „Es gibt nur ein geeignetes Weihnachtslied für Alphörner – Es wird scho glei dumpa“, erläutert Sebastian Pfeifer, das jüngste Mitglied. Bei Kälte klingen Alphörner zudem nicht gut.

Die schönen Verzierungen auf den Alphörern der Lausitzer Hangfichten bestehen aus Zwetschgenholz.
Sebastian PfeiferEtwa 25 Auftritte pro Jahr absolvieren die Musiker, meist bei Geburtstags- und Firmenfeiern, Hochzeiten, Dorf- und Volksfesten. Werbung betreiben sie nicht, fallen ohnehin bei den Auftritten auf. Sie setzen auf Empfehlungen, Mundpropaganda und ihre Internetpräsenz.
Es kommt nicht auf die Lungengröße an
Die Musiker spielten auf Festivals in verschiedenen Teilen Deutschlands und in der Schweiz, wirkten dort auch mit Jodlern zusammen. Auch wenn die Mitglieder beruflich stark eingebunden sind, sechs oder sieben Bläser finden sich immer für einen Auftritt zusammen. „Das organisieren wir dann schon“, so Pfeifer. Vorgenommen haben sich die Bläser einen Auftritt auf der Basteibrücke.
Die Zahl der Auftritte steigt wieder schrittweise nach dem totalen Stillstand während der Coronazeit. Damals konnte auch fast nicht geprobt werden. Den Hangfichten blieb nur übrig, sich zum Üben im Wald zusammenzufinden. Hinzu kommt ein Umbruch im Ensemble.
Auch wenn die Musiker die wohl größten Instrumente der Lausitz mit mehr als 4,10 Meter Länge spielen, die größten Lungen der Lausitz benötigen sie dafür nicht. „Das ist eine Frage von Technik und Spielweise“, meint Pfeifer. Es komme darauf an, wie man in das Instrument hineinblase und wie man sich die Luft einteile. Auch Frauen können das, spielen bei den Hangfichten. „Wer mit dem Alphorn anfängt, muss Geduld haben und dranbleiben, wie bei jedem Instrument“, betont Heyne.
Alphörner reagieren auf Stress
Wichtiger als das größte Lungenvolumen sei beim Spielen die Ruhe. Nervosität und Anspannung übertrage sich sofort auf den Klang. Das höre und spüre man besonders nach stressigen Tagen, dann werde das Spiel auch mal unschön, erläutert Heyne. Vor Proben und Auftritten streben die Bläser deshalb eine möglichst große Ausgeglichenheit an.
Die sperrigen Instrumente lassen sich in drei Teile demontieren. „Sonst bräuchten wir ja immer einen Anhänger“, so Pfeifer. Geübt wird meist zu Hause, geprobt einmal pro Woche in der Johanneskirche Hoyerswerda. „Mit der Kirchengemeinde arbeiten wir schon lange zusammen, treten auch beim Erntedankfest, dem Hubertusgottesdienst und anderen Veranstaltungen auf“, erzählt Heyne. Hoyerswerda liegt zentral für die Mitwirkenden, die aus dem gesamten Seenland kommen.

Auch Frauen spielen bei den Lausitzer Hangfichten mit.
Sebastian PfeiferDie Hangfichten profitieren von einem Netzwerk der Posaunenchöre und Jagdhornbläser in der Region. Oft spielen Musiker in mehreren Ensembles. Das Netzwerk hilft auch bei der Nachwuchsgewinnung und dem Austausch von Stücken.
Das Alphorn
Das Alphorn ist ein meist aus Holz gefertigtes Blasinstrument in Form eines langen, konischen Rohrs, das am Ende wie ein Kuhhorn gebogen ist und in einen Schallbecher übergeht. Es ist vor allem im Alpenraum verbreitet.
Das Alphorn zählt zu den Blechblasinstrumenten. Diese Zuordnung ergibt sich unabhängig vom verwendeten Material aus der Technik der Tonerzeugung und dem Mundstücktypus.
Da es keine Möglichkeit hat, seine Rohrlänge flexibel zu verändern, ist das Alphorn an die Naturtonreihe gebunden und ist somit ein Naturhorn. Es gilt als ein Nationalsymbol der Schweiz. Auch in Österreich und den bayerischen Alpen sind Alphörner verbreitet.
Laut Volksüberlieferung wurde das Alphorn in manchen Schweizer Gebieten im 14. Jahrhundert als Signalinstrument verwendet. Die erste schriftliche Erwähnung in der Schweiz datiert auf 1527.
Im 18. Jahrhundert geriet das Alphorn fast in Vergessenheit. Doch die Romantik und die Touristen in den Schweizer Alpen brachten im 19. Jahrhundert die Folklore und auch das Alphorn zum Blühen. Die ersten Hirtenfeste mit Alphorn-Musik fanden 1805 und 1808 statt.



