Von Katrin Demczenko

Ein Hauch von Hollywood weht durch den voll besetzten Saal der Kulturfabrik (Kufa) Hoyerswerda. Schließlich steht die „größte Kinoveranstaltung des Jahres im Umkreis von 25 Kilometern auf dem Programm“, sagt zumindest Kufa-Chef Jens-Uwe Röhl. Gemeint ist natürlich die neunte Auflage des Amateurfilmfestes „Sieben Minuten“ der Kulturfabrik und der Hoyerswerdaer Hobbyfilmer.

Insgesamt 13 Beiträge verschiedener Genres starten im Wettbewerb, um den von Helge Niegel geschaffenen Filmpokal zu erhalten oder um Publikumsliebling zu werden. Juroren sind der Vorstandsvorsitzende des Filmverbandes Sachsen, Joachim Günther, der Sprecher des Sorbisch-Deutschen Filmnetzwerkes „Luzycafilm“, Erik Schiesko, und der aus Hoyerswerda stammende Kameramann Martin Rattke.

Seine Premiere erlebt zu Beginn der außer Konkurrenz laufende Dokumentarstreifen „Der Stadtmaler“ über den Hoyerswerdaer Künstler Arthur Aulich und seine Frau. Er wurde von der Profi-Filmerin Angela Schuster produziert. Das Werk zeigt die Elsterstadt, die in vielen Wertungsbeiträgen als Hintergrund fungiert oder deren Geschichte direkt integriert ist.

Ein Beispiel für die Arbeit mit Hoyerswerdaer Historie bildet der Kurzspielfilm „Museumszauber“ der Kufa-Seniorentheatergruppe „die herzogen“. Sie entdecken mit den Zuschauern das Schloss, in dem die leibhaftige Ursula Katharina Reichsfürstin von Teschen alias Cornelia Schnippa auftritt.

Hobbyfilmer Roman Pohling nimmt mit dem Dokumentarfilm „Ende Gelände“ 30 Sperrgebiete rund um Hoyerswerda in den Blick. Seine mit einer Drohne aufgenommenen Luftbilder offenbaren unter anderem die Schönheit des Dubringer Moors, einiger Flächen auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz der Bundeswehr und vom ehemaligen Tagebau Werminghoff, dem in der Sanierung befindlichen Knappensee. Dieses Gewässer wird aus Sicherheitsgründen voraussichtlich noch bis ins Jahr 2022 gesperrt bleiben. Rotmilan, Biber und weitere Tiere haben sich die meisten Sperrgebiete zurückerobert. Roman Pohling stellt am Schluss des Films die Frage in den Raum, ob der Zutritt zu einigen Flächen nicht dauer­haft unterbleiben sollte zugunsten der dort lebenden Tiere.

Die jüngsten Wettbewerbsteilnehmer sind Fünftklässler des Lessing-Gymnasiums mit zwei Legetrickfilmen, die unter Anleitung von Dirk Lienig in der Kufa-Video-Arbeitsgemeinschaft entstanden sind.

Am Schluss rauchen die Köpfe des Publikums und der Jury, um ihre Gewinnerfilme zu küren. Schließlich ist die Leistungsdichte aller Beiträge hoch. Den handwerklich gut gemachten Kurzspielfilm „Animum Verte“, produziert von Elftklässlern des Lessinggymnasiums, lobt Juror Joachim Günther als „Hollywood aus der Lausitz“. Die Schüler beschreiben mit fantasievollen Mitteln die Wandlung eines herzlosen Jungen zu einem Freund, der Kameraden uneigennützig hilft. Sechs Monate brauchte die neunköpfige Gruppe von der Idee bis zur Fertigstellung des Werkes. Petrissa erzählte von ihrem nicht anwesenden Mitschüler Maximilian, der meisterhaft mit Kamera- und Computertechnik umgehen kann. „Er ist der Kopf der Gruppe“, sagt das Mädchen. Die Gymnasiasten erhalten den Publikumspreis.

Den Pokal bekommt der etwas überraschte Roman Pohling für sein Werk „Ende Gelände“. Danach erinnert er sich, im Jahr 2012 während des zweiten Amateurfilmfestes schon einmal den Hauptpreis gewonnen zu haben. Damals hatte die Veranstaltung unter großer Beteiligung des Publikums als Teil der Kufa-Aktion „Auszeit-Haus“ stattgefunden. Das zehnte Amateurfilmfest „Sieben Minuten“ soll nach vielen Jahren im Saal wieder unter freiem Himmel stattfinden, gibt Dirk Lienig den Ausblick aufs nächste Jahr.