Von Rita Seyfert

Das Putzen der 120 Katzenklos ist nur ein Bruchteil der Arbeit, den die sieben Tierpfleger der Katzenhilfe Hoyerswerda tagtäglich bewältigen. Eine von ihnen ist Schichtleiterin Simone Kühn (54). Wie ihre Kollegen ist sie in Mindestlohn im Tierheim angestellt. Bezahlt wird sie aus Spendengeldern; und als Vereinsmitglied leistet sie ihre Überstunden selbstverständlich ehrenamtlich.

Desolate Personalsituation

Aufgrund der desolaten Personalsituation hat sich der Verein jetzt entschlossen, keine Fundtiere mehr aufzunehmen. Nur, wenn eine Katze in großer Not sei, also verwundet oder verletzt, werde eine Ausnahme gemacht. In allen anderen Fällen sollen sich die Leute an das zuständige Ordnungsamt der Stadt Hoyerswerda wenden.

„Wir füttern, geben Medikamente aus oder schrubben die Tierräume und Freigehege.“ Während Simone Kühn von ihrer Arbeit erzählt, drehen sich die Waschmaschinen und Trockner mit den Katzendecken und Kissen. Nachmittags betreut sie den Besucherverkehr. Der könne sich über Stunden hinziehen. Für das Aussuchen seines Stubentigers muss man sich eben Zeit nehmen.

180 bis 200 Katzen betreut der Verein ständig

Erst 76 Katzen wurden dieses Jahr vermittelt. Für jedes weggegebene Tier kommen zwei neue nach, sagt Tierpflegerin Kühn. Katzenhilfe-Chefin Christina Koch (70) kennt die Zahlen genau. „Das Haus ist durchgehend mit 180 bis 200 Tieren belegt“, sagt sie. Die unentgeltlich aufgenommenen Fundkatzen stammen aus Hoyerswerda und den umliegenden Dörfern. Von der Stadt sieht das Tierheim dafür keinen Cent.

„Wir haben aber auch viele Abgaben aus Haushalten“, berichtet die Tierheim-Chefin. Die Besitzer sind meist älter, müssen ins Pflegeheim oder sind verstorben. „Immer öfter sind wir auch Anlaufpartner für Tiere aus Messi-Haushalten“, erzählt sie. Erst im Mai nahm die Katzenhilfe zwölf solcher Tiere auf. „Die waren verwahrlost, verwurmt und verfloht, zum Glück aber schon kastriert.“

Gönner aus den alten Bundesländern unterstützen den Verein

Die Katzenhilfe Hoyerswerda finanziert sich aus Spenden. Den Hauptteil seiner Paten- und Mitgliedschaften pflegt der Verein mit Gönnern aus den alten Bundesländern. Die Unterstützer überweisen Geld oder schicken Pakete mit Leckerli. Auch aus Hoyerswerda und der näheren Umgebung gehen gelegentlich Zuwendungen ein.

„Wenn wir diese Hilfe nicht hätten, gäbe es uns gar nicht mehr“, sagt Katzenhilfe-Chefin Koch. Nichtsdestotrotz, die Arbeitskräfte sind überlastet. Gemeinsam mit den fünf ehrenamtlichen Helfern im Alter von 70 bis 78 Jahren leisten sie täglich herausragende Arbeit. Auch bei der jüngsten Kontrolle durch den Veterinär vor zwei Wochen war nichts zu beanstanden.

Zwei bis drei Mitarbeiter fehlen

Doch nun stößt die Katzenhilfe an ihre Grenzen. Wegen mangelnder Kapazitäten mussten bereits zwei von insgesamt 13 Tierräumen geschlossen werden. „Uns fehlen zwei bis drei Mitarbeiter“, erklärt die Tierheimleiterin. Von der Stadt fühle man sich ignoriert. „Wir hätten gern die Tierpfleger übers Jobcenter bekommen“, sagt sie. Die letzte Anfrage vor neun Jahren wurde plötzlich abgelehnt, weil der Verein ein gemeinnütziger ist. „Vorher hatte es 18 Jahre funktioniert; das verstehen wir bis heute nicht“, erzählt sie.

Noch bis 2018 waren die Tierpfleger auch mit Fallen in Gartenanlagen unterwegs, um Katzen zu kastrieren. Doch seit diesem Jahr sei das nicht mehr zu schaffen. „Wir bieten aber an, dass man sich die Fallen hier ausleiht und die Katzen selbst zum Tierarzt bringt“, erklärt Katzenhilfe-Chefin Christina Koch. In Abstimmung mit dem Tierheim und der verantwortlichen Tierärztin Jaqueline Schäfer aus Bernsdorf werden die Kosten für die Kastration eventuell sogar übernommen. Für den anschließenden Heilungsprozess konnten die Tiere vorübergehend im Heim unterkommen.

Unterstützer für die Katzenhilfe Hoyerswerda im Industriegelände, Straße A Nr. 29, wenden sich bitte telefonisch unter 03571-2024219 an Christina Koch oder sprechen direkt die Mitarbeiter im Tierheim an.