Von Katrin Demczenko

Im Natz – dem Naturwissenschaftlich-Technischen Kinder- und Jugendzentrum in Hoyerswerdas schickem Bürgerzentrum – ist in diesen sonnigen Ferientagen viel Bewegung. Zum Herbstfest mit Kinderflohmarkt führte am Wochenende das „Urgestein“ der Einrichtung Peter Hildebrandt, einst langjähriger Leiter des Natz und Mitbegründer des Vereins, durch das Haus. Es gibt viel zu gucken und einiges zu erzählen.

Doch zeitgleich muss Hildebrandt eine weniger erfreuliche Information kundtun: Die personelle Unsicherheit für den Verein ist immer noch nicht vom Tisch. Denn der erst im März neu gewählte Vereinsvorsitzende Nourdin Kamlah hat sein Amt am 31. August aus gesundheitlichen Gründen niedergelegt. Damit steht das Natz nun erneut nur mit einer unvollständigen Führungsspitze da.

Peter Hildebrandt übernahm deshalb als gewählter Stellvertreter amtierend den Vereinsvorsitz, bis ein neuer Vereinschef gefunden ist. Nun sucht das Natz schon wieder mit Hochdruck einen Menschen mit Interesse an Wissenschaft, Technik und pädagogischen Bildungsprojekten, der mit Leidenschaft die Führung der Einrichtung übernehmen möchte. „Am besten wäre ein pensionierter Ingenieur oder Lehrer“, sagt Peter Hildebrandt. Die Stelle eines Sozialpädagogen habe der Verein auch zu besetzen, um Kindern wieder mehr Freizeitangebote im naturwissenschaftlich-technischen Bereich machen zu können.

Damit steht das Natz erneut vor Problemen. Erst vor einem Dreivierteljahr stand das Jugendzentrum fast am Scheideweg, weil sich niemand fand, der die Geschicke der Vereinsführung und Leitung der Einrichtung in die Hände nehmen wollte. Die langjährige Vereinsvorsitzende Ulrike Müller und Peter Hildebrandt wollten aus Altersgründen aus dem Vorstand ausscheiden – und lange sah es so aus, als ob sich keine Nachfolger finden. Dann die Erlösung: Im März konnte ein vollständiger vierköpfiger Vorstand  gewählt werden. Jetzt bestehe dieser Vorstand noch aus drei Personen und ist damit arbeitsfähig, beruhigt Peter Hildebrandt.

Er freut sich, dass der Verein seit Schuljahresbeginn im August Ganztagsangebote an fünf Grund- sowie Oberschulen in Hoyerswerda und dem Umland durchführen kann. So sollen Schüler für die traditionsreiche Freizeiteinrichtung Natz begeistert werden. An der Mathematik-Olympiade Stufe 1 nahmen im September wieder mehr als 200 begabte Schüler aus Grund-, Oberschulen sowie Gymnasien teil, und vorher liefen dazu im Haus drei gut besuchte Vorbereitungskurse.

Anika mag Mathe nicht so sehr, bastelt aber umso lieber mit Holz. Die Elfjährige gehört deshalb zur wiederbelebten Arbeitsgemeinschaft (AG) in der Holzwerkstatt. Sie hat sich unter Anleitung von Mitarbeiter Matthias Becker einen Monstertruck gebaut und bunt bemalt. In den Herbstferien sind die Holz- und die Kreativwerkstatt für Gruppen und Einzelbesucher geöffnet, lädt Peter Hildebrandt ein.

In der ersten Ferienwoche stellt er als „Chefmineraloge“ seinen Workshopteilnehmern Findlinge der Lausitz vor und fährt mit ihnen am Donnerstag um 10 Uhr zum Findlingspark Nochten. Der gelernte Kunstschmiedemeister Lutz Kasten, der ein Faible für Handpuppen hat, gestaltet in der zweiten Ferienwoche von Dienstag bis Freitag mit Interessenten Löffel-, Finger- und Flachfiguren aus Holz, Stoff und Papier. Zum Abschluss am Samstag ab 10 Uhr fahren die Teilnehmer zum Puppentheater Mai-Hof in Weißig bei Dresden. Beide Ferienausflüge erfolgen mit dem Natz-eigenen Fahrzeug.

Und es gibt noch weitere Pläne für neue Freizeitangebote im Natz: Der Hoyerswerdaer Unternehmer An­drzej Serwecinski will ab November die AG Kfz-Technik wiederbeleben. Ein von ihm in Einzelteile zerlegtes DDR-Moped Schwalbe sollen Schüler unter Anleitung des Mechanikers Norbert Zybala auf Elektrobetrieb umrüsten. Der 13-jährige Eddy will dabei unbedingt mitmachen. An­drzej Serwecinski hat so eine Schwalbe schon 2012 einmal an der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) mit Studenten zur E-Ella umgebaut. Jetzt können sich auch Hoyerswerdaer Jugendliche daran versuchen.

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