Glocke von Lauta
: Wahrzeichen gesprengt? – Stadt setzt Belohnung aus

Große Zerstörungskraft muss im Spiel gewesen sein, als die historische Glocke von Lauta zerborsten ist. Nach den Tätern wird mit allen Mitteln gesucht.
Von
Catrin Würz
Lauta
Jetzt in der App anhören
Nach dem Angriff mit Gewalt ist die Glocke zersprungen, ein großes Teilstück ist herausgebrochen.

Nach dem Angriff mit Gewalt ist die Glocke von Lauta zersprungen, ein großes Teilstück ist herausgebrochen.

Catrin Würz

Sie ist das Wappenzeichen von Lauta und steht symbolisch für die frühere Aluminiumproduktion in dem Lausitzer Industriestädtchen: die Glocke, die dem Heiligen Laurentius gewidmet ist. Doch nun ist dieses Wahrzeichen zerborsten und zerstört. Bislang unbekannte Täter haben eines Nachts mit mutmaßlich roher Gewalt gegen das historische Symbol gewütet.

Die Polizei gibt als Tatzeitraum den 28. April, kurz nach Mitternacht an. Enorme Kräfte müssen zu diesem Zeitpunkt auf die 1948 aus Aluminium gegossene Glocke gewirkt haben. Die Ermittler der Polizei gehen deshalb zunächst davon aus, dass unbekannte explosive Stoffe im Spiel waren. Diese sollen das Loch und die Risse im gesamten Glockenkörper verursacht haben.

Stadt Lauta beauftragt einen Glocken-Experten

Ob es tatsächlich so war, wird in den nächsten Tagen ein Glockensachverständiger untersuchen, den die Stadt Lauta beauftragt hat. „Möglicherweise haben die Täter auch schwere Steine gegen die Glocke geworfen. Wir wissen es nicht“, sagt Lautas Bürgermeister Frank Lehmann (parteilos). Zudem ist die Höhe des Sachschadens im Moment noch nicht zu beziffern, auch dafür braucht die Kommune den Glocken-Experten.

Die Stadt Lauta werde nun jedoch alles daransetzen, die Verursacher der nicht mehr reparablen Beschädigung zu finden und zur Rechenschaft zu ziehen, so Bürgermeister Lehmann. „Wir setzen eine Belohnung in Höhe von 500 Euro für sachdienliche Hinweise aus, die zu den Tätern führen“, erklärt der Rathaus-Chef. Parallel hat der Kriminaldienst der Polizei die Ermittlungen aufgenommen.

Aluminium-Glocke war originalgetreuer Nachguss

Die Glocke aus Aluminium wurde im Jahr 1948 – aus Anlass der damaligen 500-Jahrfeier in Lauta-Dorf – von der Firma Bruno Arlt Lautawerk hergestellt. Sie ist ein originalgetreuer Nachguss jener Glocke, die einst 1512 für die Dorfkirche Lauta als St. Laurentius-Glocke gegossen wurde und die heute das Stadtwappen von Lauta ziert.

Seit 1994 hat sich die Aluminium-Glocke in einem hölzernen Glockenstuhl und unter einem Dach in einer Parkanlage an der Karl-Liebknecht-Straße befunden. Sie erinnerte an diesem Gedenkort an die über 70 Jahre dauernde Aluminiumproduktion in Lautawerk, was die Stadt in ihrer heutigen Form erst hervorbrachte.

Geschützt in diesem hölzernen Glockenstuhl war die Aluminiumglocke auch ein Gedenkort für einen ganzen Industriezweig in Lauta.

Geschützt in diesem hölzernen Glockenstuhl war die Aluminiumglocke seit 1994 auch ein Gedenkort für einen ganzen Industriezweig in Lauta. Jetzt ist die Glocke kaputt.

Catrin Würz

Bürgermeister Frank Lehmann lässt keinen Zweifel daran, dass die Glocke als wichtiges Symbol der Stadtgeschichte wiederhergestellt werden muss. Das Rathaus lässt bereits prüfen, ob die Gussform von 1948 vielleicht noch irgendwo vorhanden ist.

Spenden für die Glocke von Lauta

Für eine neue Glocke seien bereits erste Spenden aus der Unternehmerschaft eingegangen. Schon mehr als 2000 Euro waren innerhalb der ersten vier Tage zusammengekommen. Frank Lehmann hofft auf weitere Spenden von Bürgern, die auf das Konto der Stadt Lauta (DE82 8505 0300 3000 100376) eingezahlt werden können.