Gerhard Gundermann: 25. Todestag – so erinnert Hoyerswerda an den Liedermacher

Der ostdeutsche Liedermacher Gerhard Gundermann bei einem Auftritt. Rund um seinem 25. Todestag am 21. Juni gibt es in Hoyerswerda eine Reihe von Veranstaltungen zur Erinnerung.
Rainer Weisflog/dpaVor 25 Jahrenstarb der Liedermacher, Rockpoet, Theaterstückschreiber und Kult gewordene Lausitzer Baggerfahrer Gerhard Gundermann im Alter von nur 43 Jahren. Nach seinem frühen Tod auf dem Höhepunkt seiner musikalischen Karriere lebten seine Lieder und Geschichten fort. Bis heute sind sie Inspiration für zahlreiche Sänger und Bands in Ost- und Westdeutschland, die die Songs mit den tiefgründigen, nachdenklichen Texten weiter tragen und lebendig halten.
„Gundi“ Gundermanns widersprüchliches Leben als Zerrissener und als Weltverbesserer, als Stasi-Spitzel und Bespitzelter, als erfolgreicher Künstler, der seinen Beruf auf dem Kohlebagger trotzdem nicht aufgeben wollte, wirkt auch ein Vierteljahrhundert nach seinem Tod noch nach. Es ist der Stoff, an dem sich Menschen bis heute reiben. Der vielfach preisgekrönte Spielfilm „Gundermann“ von Andreas Dresen aus dem Jahr 2018 erzählt davon.
Konzerte und Theater erinnern in Hoyerswerda an Gundermann
Zum 25. Todestag Gundermanns am 21. Juni wird in dessen Heimat Hoyerswerda mit einer Reihe von Veranstaltungen an den streitbaren Typen erinnert. Erstmals haben neben der Kulturfabrik Hoyerswerda, die sich seit vielen Jahren um das Andenken kümmert, auch noch mehrere andere Einrichtungen der Stadt Aktionen vorbereitet.
So ist beispielsweise in der Brigitte-Reimann-Bibliothek in Hoyerswerda derzeit eine Ausstellung über Leben und Wirken des „singenden Baggerfahrers“ zu sehen. Auf acht Schautafeln hat Reinhard Ständer Fotos, Pressetexte und viele Fakten zum Lebenslauf des Liedermachers zusammengestellt. Der Archivar der Gundermann-Sammlung in der Kulturfabrik Hoyerswerda verwaltet im Ehrenamt mehr als 200 CDs, Videokassetten, tausende Presseartikel, Film- und Hörfunk-Dokumentationen, Fotos und originale Texte und Niederschriften. Momentan befindet sich diese Sammlung in einem sehr kleinen Mini-Raum im Bürgerzentrum Braugasse 1.
Reinhard Ständer hofft, dass sich das eines Tages ändert. Er sagt: „Gundermann ist ein Teil der Geschichte dieser Stadt. Dafür sollte es irgendwann einen Ort geben, der das repräsentativ widerspiegelt.“
„Gundermann: Alle oder keiner“ in der Lausitzhalle zu sehen
Höhepunkt der „Gundermann-Tage“ in den nächsten Wochen ist eine Veranstaltung in der Lausitzhalle. Als Gemeinschaftsproduktion der Stadt Hoyerswerda mit Lausitzhalle und Kulturfabrik ist es gelungen, ein gefeiertes Theaterstück des Staatsschauspiels Dresden nach Hoyerswerda zu holen. Die Inszenierung „Gundermann: Alle oder keiner“ von Regisseur Tom Kühnel hatte im Herbst 2020 als „Revue über Helden, Gras und Kohle“ Premiere. In dem Stück stehen sechs Gundermänner und -frauen im gestreiften Fleischerhemd und mit viel zu großer Brille auf der Bühne. So kann der Protagonist Gundermann nicht nur ins Gespräch mit sich selbst gehen, sondern seine ambivalenten Eigenschaften und Persönlichkeiten werden deutlich. Und das alles wird natürlich mit viel Musik umrahmt.

Gleich sechs Gundermanns stehen im Stück von Regisseur Tom Kühnel auf der Bühne - so kann der Liedermacher im Gespräch mit sich selbst sein. Das Stück "Gundermann: alle oder keiner" wird am 20. Juni in der Lausitzhalle Hoyerswerda zu sehen sein. Es gibt noch Karten.
Sebastian Hoppe
"Alle oder keiner" lautet das Motto des Gundermann-Theaterabends des Staatsschauspiels Dresden. Das Stück ist am 20. Juni auch in der Lausitzhalle Hoyersweda zu sehen.
Sebastian HoppeAm Dienstag, 20. Juni, um 19.30 Uhr wird „Gundermann: alle oder keiner“ in der Lausitzhalle zu sehen sein. Es gibt dafür noch Karten zu kaufen. Im Anschluss an die Theatervorführung wird es zudem ein Foyer-Gespräch mit den Theaterleuten aus Dresden geben, moderiert von Grit Lemke. Das kündigt Kufa-Geschäftsführer Uwe Proksch an.
Proksch freut sich, dass Gundermann nun doch noch in der Stadt breiter und an mehreren Orten geehrt wird. Das war viele Jahre zuvor nicht der Fall. Nachdem 1995 bekannt wird, dass Gerhard Gundermann von 1976 bis 1984 für die Staatssicherheit der DDR gespitzelt hatte, wandten sich politische Verantwortungsträger in Hoyerswerda von ihm ab. Die Idee, eine Straße oder – wie zuletzt vorgeschlagen – die neue Oberschule nach dem Liedermacher zu benennen, scheiterten immer wieder an der Ablehnung durch Politik und Teile der Gesellschaft.
Gundermann-Verein holt „Liedgefährten“ nach Hoyerswerda
Der Start zu den Gedenkveranstaltungen zum Gundermann-Todestag findet bereits am Sonnabend, dem 17. Juni, statt. Wie jedes Jahr im Juni lädt der Verein Gundermanns Seilschaft e.V. zu einem ganztägigen Treffen in die Kulturfabrik Hoyerswerda ein. Nach der öffentlichen Jahreshauptversammlung am Vormittag findet von 15 bis 18 Uhr auf der „Gundermann-Plaza“ im Kufa-Sommergarten die beliebte „Pena“ statt. Das ist eine offene Bühne der Liedermacher, bei freiem Eintritt. In diesem Jahr stellen sich insgesamt sieben Solokünstler und Duos vor. Es ist die Gelegenheit, mit Gundermann-Fans aus ganz Deutschland ins Gespräch zu kommen.
Am Abend treten dann ab 20 Uhr im Ballsaal des Bürgerzentrums die „Liedgefährten“ auf. Die 2014 gegründete Gruppe um Gundis Witwe Conny Gundermann und seine Tochter Linda spielt vor allem Lieder, die Gundi auf internationale Songs geschrieben hat, sogenannte „Koffer-Songs“ (von Cover abgeleitet), die oft sehr dicht und emotional am Originaltext sind.
Das Ganze wird ergänzt durch passende und wichtige Zwischentexte, DEM Markenzeichen seiner Konzerte. Zu hören sein werden Lieder der Beatles, von Crosby, Stills, Nash & Young, Bruce Springsteen, Tom Waits, T. Rex, Kate Bush und vielen anderen, mit den deutschsprachigen Texten von Gundi. Conny und Linda Gundermann werden dabei unterstützt von den beiden Ex-Feuersteinen Ingo „Hugo“ Dietrich und Udo Seidel, Schlagzeugerin Tina Powileit von der „Seilschaft“, von Carmen Orlet, Andreas Bunckenburg, Bernard Bielmann sowie dem Hoyschrecken-Gewinner Melvin Haack.
„Seilschaft“ spielt im September zum Stadtfest in Hoyerwerda
Im Herbst folgen dann noch weitere Höhepunkte im Gundermann-Jubiläumsjahr. So wird zum Stadtfest im September erstmals Gundermanns frühere Band „Die Seilschaft“ mit Sänger Christian Haase auf der großen Bühne auftreten. Außerdem plant auch die Volkshochschule einen Gundermann-Abend.
Veranstaltungen zu Gundermanns Todestag
Lausitzhalle Hoyerswerda, Dienstag, 20. Juni, 19.30 Uhr: „Gundermann: Alle oder keiner“, Revue des Staatsschauspiels Dresden, mit anschließendem Foyer-Gespräch
Karten gibt es noch an der Ticketkasse der Lausitzhalle sowie online unter www.lausitzhalle.de, an allen Vorverkaufsstellen (z.B. Touristinformation in der Altstadt Hoyerswerda) sowie an der Abendkasse.
Kulturfabrik Hoyerswerda, Sonnabend, 17. Juni, ab 15 Uhr: Offene Bühne „Pena“ bei freiem Eintritt im Kufa-Sommergarten.
Es treten sieben Liedermacher auf: Duo Bunte Hunde (Zwickau), Ulli Arnold (Chemnitz), Christian Löwe (Berlin), Tobias Stock & Manfred Pankow (Berlin), Bernd Pakosch (Meißen), Sascha Hollick (Königsbrück) und Klaus Beirich & Michael Worf (Dresden/Jena).
Am Abend: 20 Uhr - Konzert mit den „Liedgefährten“, mit Conny und Linda Gundermann, Ingo „Hugo“ Dietrich und Carmen Orlet, Udo Seidel, Tina Powileit, Andreas Bunckenburg, Bernard Bielmann und Melvin Haack

