Die Lausitzer Braunkohleregion hat den Zuschlag für ein Zentrum für Astrophysik bekommen. Die Entscheidung traf eine vom Bundesforschungsministerium einberufene Expertenkommission. „Man wolle mit der Ansiedlung den „Strukturwandel vor Ort unterstützen“, sagte Forschungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) am Donnerstag in Berlin.
In dem Zentrum sollen zum einen Datenströme von Großteleskopen aus aller Welt gebündelt und ausgewertet werden. Außerdem sind die Entwicklung und der Bau optischer Geräte für Observatorien geplant. Darüber hinaus gehört zum Konzept ein unterirdisches Labor, mit dem Gravitationswellen aus dem All möglichst störungsfrei empfangen werden können.

Als Standort ist Görlitz vorgesehen

Als Standort für das Technologiezentrum ist Görlitz vorgesehen. Für das Untergrundlabor bietet sich nach Aussage von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) eine große unterirdische Granitformation an, die sich im Dreieck Hoyerswerda, Bautzen, Kamenz erstreckt. Stark-Watzinger rechnet für das Astrophysik-Zentrum mit einer Mitarbeiterzahl in zunächst „gut dreistelliger Höhe“.
Ein weiteres Großforschungsinstitut kommt ins Mitteldeutsche Revier nach Delitzsch. Dort soll Wege für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft in der Chemieindustrie entwickelt werden.

Eine Milliarde Euro pro Standort bis 2038

Pro Standort investiert der Bund bis 2038 rund eine Milliarde Euro. Etwa 100 Millionen Euro kommen zusätzlich vom Land Sachsen. Die Ansiedlung zweier großer Forschungszentren in den Braunkohleregionen ist Teil Kohlekompromisses zwischen Bund und Ländern von 2019.
Beide Konzepte setzten sich in einem Ideenwettbewerb in der Schlussrunde gegen vier weitere Bewerber durch. Die zwei geplanten „Forschungstanker“, wie sie Sachsens Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow (CDU) bezeichnet hatte, sind Teil eines Aufbauprogramms im Zuge des beschlossenen Ausstiegs aus der Stromgewinnung durch Kohleverbrennung bis 2038. Um die Wirtschaft in den Kohleregionen zu stärken und Arbeitsplätze zu schaffen, hatten Bund und Länder milliardenschwere Fördermaßnahmen vereinbart.
Das Zentrum für Astrophysik ist wichtig für die Entwicklung der Region, sind sich Oberbürgermeister Octavian Ursu, Prof. Dr. Günther Hasinger und Landrat Dr. Stephan Meyer sicher.
Das Zentrum für Astrophysik ist wichtig für die Entwicklung der Region, sind sich Oberbürgermeister Octavian Ursu, Prof. Dr. Günther Hasinger und Landrat Dr. Stephan Meyer sicher.
© Foto: Stadtverwaltung Görlitz
Landrat Stephan Meyer (CDU) erklärte: „Heute ist ein guter Tag für die Entwicklung der Oberlausitz zur Innovationsregion.“ Mit dem Deutschen Zentrum für Astrophysik (DZA) komme ein Großforschungszentrum mit weltweitem Alleinstellungsmerkmal in unsere Region und wird unsere Landkreise Görlitz und Bautzen in den nächsten Jahrzehnten voranbringen.