Energiefabrik Knappenrode
: Mission Energiewende – das zeigt die neue Ausstellung

Die Energiewende ist in aller Munde und umstritten. Doch oft fehlt Wissen zu diesem komplexen Thema. Die Energiefabrik Knappenrode will das ändern und präsentiert eine wissenschaftliche Ausstellung für jedermann.
Von
Ronald Ufer
Knappenrode
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Die Ausstellung in der Energiefabrik Knappenrode zeigt auch die Erzeugung und Verteilung von Strom und Wasserstoff.

Ronald Ufer

Über die Energiewende werde ständig gesprochen, geschrieben und gestritten. Doch das Wissen vieler Bürger über diese Thematik sei nur punktuell, meint Dr. Thomas Müller, Leiter des Verbundprojektes Wissenschaftskommunikation Energiewende und der Carbon2Chem®-Geschäftsstelle.

Er und sein Team haben deshalb die Ausstellung „Power2Change: Mission Energiewende“ zusammengestellt, welche die komplexen Zusammenhänge darstellen soll. Sie ist vom 1. März bis 26. Mai in der Energiefabrik Knappenrode zu sehen.

„Wir zeigen neueste wissenschaftliche Forschungen und Erkenntnissen zur Energie- und Rohstoffwende und haben sie für die Ausstellung so aufbereitet, dass sie auch für Nichtfachleute verständlich sind“, verspricht Müller. Die Schau ist in die Themenkreise Vernetzen, Verteilen, Verwerten und Verwandeln gegliedert. Jeder wird einzeln auf einer Wissensinsel behandelt, mit Einführungen und vielen interaktiven Elementen für eine hohe Anschaulichkeit und eine publikumsfreundliche Aufbereitung. Damit können die Textlängen begrenzt werden.

Wirtschaften ohne fossile Energieträger

Insgesamt wird gezeigt, wie Versorgung mit Energie und Rohstoffen ohne fossile Energieträger wie Erdöl, Erdgas und Kohle funktionieren kann. Eröffnet wird die Perspektive einer klimaneutralen, sicheren und bezahlbaren Energieversorgung.

Besucher können beispielsweise herausfinden, welcher Typ von Energiewende-Teilnehmer sie sind oder versuchen, Maschinen mit verschiedenen Antrieben zu starten und die verschiedenen Energieträger für eine stabile Stromversorgung in ein Gleichgewicht zu bringen.

In der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Wanderausstellung geht es aber nicht nur um Windräder und Solaranlagen, Strom- und Wärmeversorgungssysteme.

Auch die Nutzung von Wasserstoff als Energieträger und Rohstoff wird dargestellt. Es geht es neben Abscheidung und Endlagerung bei CO₂ auch um dessen Nutzung als Rohstoff. Mit beiden Gasen könnte die chemische Industrie weiter gewohnte Produkte herstellen, wenn auch mit geänderten Verfahren. Zu sehen ist ein durch Verarbeitung beider Gase entstandener Strumpf.

Auch ein Strumpf lässt sich aus Wasserstoff und CO2 herstellen, erläutert Torsten Müller in Knappenrode.

Ronald Ufer

Wer es noch genauer wissen will oder sich eine Meinung gebildet hat und diese diskutieren will, kann dies bei einer Veranstaltung aus dem Begleitprogramm tun.

Nicht der erste Transformationsprozess in der Lausitz

Maria Schöne, Museumsleiterin der Energiefabrik Knappenrode, sieht die Ausstellung als Mosaikstein für die laufenden Transformationsprozesse. „Wir wollen uns als Museum nicht nur mit der Vergangenheit beschäftigen, sondern auch die Gegenwart und Zukunft in den Blick nehmen. In der Geschichte der Lausitz und der Kohle- und Energiewirtschaft ist der laufende Transformationsprozess nicht der erste“, so Schöne

Sie kündigten ein spezielles Programm für Schüler ab Klasse acht an. Dieses sei nicht vorrangig auf Physik oder Chemie, sondern fächerübergreifend ausgerichtet. Es könne mit einer Ausstellungsrallye kombiniert werden. Eine solche als Science-Rallye und ein Kneipen-Quiz wird es auch für Erwachsene geben. Überlegt wird, ein Programm für jüngere Schüler zu schaffen.

Neben dem Begleitprogramm mit Veranstaltungen in Knappenrode, Hoyerswerda und Cottbus, in das Erkenntnisse aus vorherigen Ausstellungs-Stationen eingeflossen sind, wird es im April Touren eines Energie-Mobils durch die Region geben. Es wird an öffentlichen Orten und Schulen Station machen. Es bietet Informationen und die Möglichkeit, mit einem Fahrrad Strom zu produzieren, mit dem dann Wasserstoff hergestellt wird. Besucher Sie erleben den 3D-Druck eines Windrads und reisen mit der VR-Brille ins Jahr 2045.

Interaktive Elemente ergänzen die Darstellungen in der Energiefabrik Knappenrode.

Ronald Ufer

Energieforum kommt nach Knappenrode

Parallel zur Ausstellungseröffnung wird am 29. Februar in Knappenrode das 10. Bautzener Energieforum „Energiewende – mehr Gerechtigkeit durch Beteiligung“ tagen. Bei der ersten Veranstaltung außerhalb der Kreisstadt wird es vorrangig um die Energiewende und die Nutzung alternativer Energien im ländlichen Raum gehen. So werden Genossenschaften vorgestellt, die in Eigenregie eine lokale Nahwärmeversorgung aufgebaut haben. „Ein Schwerpunkt bildet die Region mit vielen kleinen Orten, bei denen eine zentrale Wärmeversorgung wirtschaftlich nicht möglich ist“, erläutert Michael Paduch, Geschäftsführer Technologie- und Gründerzentrum Bautzen GmbH.

Es gibt in der Energiefabrik Informationen über Wege, sich zu vernetzen und entsprechende Genossenschaften zu gründen. Vorgestellt wird eine neue App, die Vernetzungen von Bürgern erleichtert.

Begleitprogramm zur Ausstellung

Die Ausstellung „Power2Change: Mission Energiewende“ wird von einem vielfältigen und partizipativen Veranstaltungsprogramm begleitet. Unterschiedliche Veranstaltungen mit verschiedenen Themenschwerpunkten beleuchten die Energiewende. Dazu zählt, wie sicher ist unsere Energieversorgung? Wie wird die Energiewende sozial gerecht? Was bedeutet die Energiewende für die Industrie? Und mit welchen Veränderungen müssen wir in unserem Alltag rechnen? Diese und weitere Fragen werden diskutiert und dabei auch Wissenschaftler und deren Forschung im persönlichen Gespräch kennengelernt.

Beim Bildungsprogramm für Schulklassen und Erwachsene, einem begleiteten Ausstellungsbesuch, wechseln sich Dialog, eigene Erkundungszeiten und angeleitete Methoden ab. Teilnehmer erfahren mehr über die Arbeit von Wissenschaftlern und lernen, sich eine Meinung zu komplexen Themen zu bilden. So zu: Wie verhalte ich mich zur Energiewende, wenn ich mitentscheiden darf. Die Teilnehmer können sich zu Themen der Ausstellung positionieren und ihre Standpunkte diskutieren.