Von Uwe Menschner

Der Landkreis Bautzen verfügt jetzt über ein Konzept zur Elektromobilität. Und das, obwohl es hier „im Vergleich zu anderen Regionen Deutschlands keine akuten Probleme hinsichtlich der Luftqualität und des Emissionsausstoßes gibt“, wie es in der Präambel formuliert ist. Und weiter: „Mit dem Konzept reagiert der Landkreis auf die Herausforderungen der Mobilitätswende und auf übergeordnete klimapolitische Ziele.“

Die Ausgangsbasis ist recht bescheiden: Gerade einmal 70 Plug-In-Hybride und 74 batterieelektrisch betriebene Fahrzeuge gab es Anfang 2018 im Landkreis – und das bei einem Gesamtbestand von fast 180 000 Pkw. Zum gleichen Zeitpunkt gab es 25 öffentliche Ladestationen mit 71 Ladepunkten. Davon sind nur zwei für das „Schnellladen“ (mit einer Leistung von mindestens 43 kW) geeignet – beide befinden sich auf den Tank- und Raststätten „Oberlausitz“ an der A 4.

Für das Jahr 2030 rechnet René Pessier von der TU Dresden – der Erarbeiter des Konzeptes – mit einem Anteil an Elektrofahrzeugen zwischen fünf und 15 Prozent, was absolut 8500 bis 24 400 Stück entspricht. „Je nach Entwicklung der Fahrzeugpreise, Batterietechnologie, Rohstoffpreise, politischen Fördermaßnahmen und anderen Einflussfaktoren ist ein höherer oder niedrigerer Marktanteil möglich“, schränkt der Autor selbst die Aussagekraft dieser Zahlen ein. Den zusätzlichen Strombedarf berechnet Pessier mit maximal zwei Prozent des Gesamtverbrauchs und zieht daraus die Schlussfolgerung, „dass die Elektromobilität die Versorgungssicherheit in keiner Weise gefährden wird.“

Aufgrund des hohen Anteils an Ein- und Zweifamilienhäusern geht der Autor davon aus, dass etwa die Hälfte der Haushalte im Landkreis die Möglichkeit haben werden, eigene private Ladepunkte zu installieren, was die öffentliche Infrastruktur entlastet. Dennoch plädiert er dafür, in jeder Kommune mindestens eine öffentliche Ladestation zu installieren – auch, um für eine höhere „Sichtbarkeit“ der Elektromobilität zu sorgen.

Gleichzeitig sollen die Restriktionen für das unerlaubte Nutzen der dazugehörenden Stellplätze verschärft werden – bis hin zum Abschleppen. Im öffentlichen Nahverkehr sollen zunächst ausgewählte innerstädtische Strecken mit E-Bussen ausgestattet werden, beispielsweise die Linie 2 in Hoyerswerda.

Eine Vorreiterrolle bei der Etablierung der E-Mobilität könnte der Landkreis selber einnehmen: Aktuell werden rund drei Viertel aller Dienstfahrten im Bereich von 25 bis 100 Kilometern absolviert – eine Größenordnung, die problemlos mit E-Fahrzeugen bewältigt werden kann. Für noch kürzere Strecken empfiehlt René Pessier den Einsatz von Pedelecs. Die Energieagentur des Landkreises soll damit beauftragt werden, Interessenten über Fördermöglichkeiten für die Installation von Ladestationen zu informieren.