In Anlehnung an einen Film aus dem Jahr 1990 heißt es für Hoyerswerdas Gymnasial-Schulleiter Uwe Blazejczyk ab Mittwoch: „Schulleiter allein zu Haus“ Das Hoyerswerdaer Foucault-Gymnasium schließt auf Anweisung der Landesregierung bis zum 17. April die Türen – wie alle Schulen in Sachsen. Im Fachdeutsch heißt das „unterrichtsfreie Zeit“.

Gähnende Leere statt Hunderter Schüler

Dienstagmittag, Erdgeschoss des Foucault-Gymnasiums: Wo sich normalerweise Hunderte Schüler bewegen, herrscht fast gespenstische Stille. Uwe Blazejczyk geht in die Bibliothek: Es verlieren sich zwei Schüler im Raum, die an diesem Tag noch betreut werden müssen. „Wir hatten damit gerechnet, dass vielleicht 20 bis 30 Schüler der Klassenstufen fünf bis sieben da sind“, sagt der Schulleiter. Seine Stellvertreterin Birgit Böhme kommt dazu. Gekommen sind einige wenige. „Die Schüler oder ihre Eltern kommen heute noch, um die Spinde leerzumachen und wichtige Dinge abzuholen. Es herrschen hier ganz geordnete Verhältnisse“, so Blazejczyk.

Jeder Schüler erhält Lernliste

Das Foucault-Gymnasium hält für die Schülerinnen und Schüler eine Liste an Aufgaben bereit: „Die Lehrer jeder Klassenstufe haben zusammengesessen und einen Lernplan erarbeitet“, sagt Blazejczyk. Die Aufgaben können die Schülerinnen und Schüler dann online abrufen: über das Programm „Lernsax“. „Das ist jetzt unser Vorteil, dass wir frühzeitig auf Digitalisierung gesetzt haben“, sagt der Schulleiter. Jeder Schüler habe eine E-Mail-Adresse und könne sich auf Lernsax einwählen. Auch auf der Schul-Homepage sind die Links zu finden.

Cottbus

Bis zum 17. April sollen alle Schüler jetzt eigenverantwortlich lernen. Inwieweit sie das tun, können weder Uwe Blazejczyk noch Birgit Böhme kontrollieren. Die Lehrer setzen auf Eigenverantwortung der Schüler.

Schulleiter: Vier Wochen Ausfall sind zu kompensieren

Eine weitere Frage stellt sich: Ist der Lehrplan dieses Schuljahres bei vier zusätzlichen unterrichtsfreien Wochen in Gefahr? Blazejczyk schüttelt mit den Kopf: „Vier Wochen lassen sich recht gut kompensieren“, sagt er. Blieben die Schulen jedoch länger als bis nach den Osterferien geschlossen, könnte es eng werden. „Ich hoffe, die Menschen begreifen, dass es sich hier um eine medizinische Notsituation handelt“, sagt Blazejczyk.

Jugendliche müssen trotzdem lernen

Gar nichts machen gehe für die Schüler jedoch auch nicht: „Die Schüler sind verpflichtet, sich den Aufgaben zu stellen“, betont Birgit Böhme. Klassenarbeiten oder Leistungskontrollen zu den Stoffen in der unterrichtsfreien Zeit soll es im Foucault-Gymnasium allerdings nicht geben. Die Schulleitung wird ab Mittwoch eine Art „Stallwache“ in der Schule organisieren, sagt Uwe Blazejczyk. Ein telefonischer Ansprechpartner soll jeweils vor Ort sein.

Viele Nachfragen bei Kita-Notbetreuung

Geschlossen sind ab Mittwoch auch die Kindertagesstätten in der Lausitz. Einer der größten Kita-Träger in der Region ist die AWO-Lausitz. Laut Geschäftsführer Torsten Ruban-Zeh gibt es seitens der Eltern viele Anfragen, unter welchen Umständen eine Notbetreuung für Kinder möglich ist. Die Staatsregierung hatte nur „systemrelevanten“ Berufen wie bei der Polizei, der Feuerwehr, im Krankenhaus und in der Pflege eine Notbetreuung zugestanden. Auch für Alleinerziehende gibt es Ausnahmen. In vielen Familien würden Arbeitgeber jedoch den einen oder anderen Elternteil nicht zur Kinderbetreuung freistellen. „Wir fordern die zuständigen Ämter auf, genau zu prüfen, welche Ausnahmeregelungen zudem möglich sind“, sagt Ruban-Zeh. Denn: Ab Mittwoch sind etliche Familien bei der Kindererziehung plötzlich auf sich allein gestellt.

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Viele Einrichtung in der Region Hoyerswerda haben geschlossen


Durch die Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus sind in der Region Hoyerswerda die meisten öffentlichen Einrichtungen geschlossen. Dazu gehören der Zoo Hoyerswerda, Schloss & Stadtmuseum Hoyerswerda, Volkshochschule und Musikschule, die Lausitzhalle, das Lausitzbad und das Zuse-Computermuseum (ZCom).

Auch das Cinemotion-Kino ist seit Dienstag geschlossen. Noch ist nicht klar, wie lange das Haus in der Hoyerswerdaer Altstadt seine Pforten schließt.

Der sorbisch/wendische Dachverband Domowina streicht bis Ostern sämtliche eigenen Veranstaltungen. „Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen und vor allem Vertrauen und gegenseitige Hilfe“, sagt Domowina-Geschäftsführer Marko Kowar. „Die Corona-Pandemie ist eine globale Herausforderung, die nur durch beherztes Handeln lokal beherrscht werden kann. Hier geht es langfristig um den Schutz unzähliger Menschenleben und die Funktionsfähigkeit unseres Gesundheitssystems.“

Das Sorbische National-Ensemble hat alle Auftritte bis vorerst 9. April abgesagt. Alle bisher erworbenen Karten würden erstattet. Der Verkauf für die Vorstellungen ab dem 10. April 2020 laufe weiter wie gewohnt, heißt es.

Der Modellbauclub Hoyerswerda hat seine für das Wochenende 21. und 22. März geplante Ausstellung in Zeißig abgesagt, so Vereinschef Thomas Schäffter.

Die Versorgungsbetriebe Hoyerswerda haben ihre „Energiewelt“ in der Lausitzhalle vorsorglich geschlossen. Fragen, Auskünfte oder Hinweise erfolgen telefonisch oder elektronisch, so Geschäftsführer Wolf-Thomas Hendrich. Servicehotline: 08000 469 666; E-Mail: energiewelt@vbh-hoy.de; Fax: 03571 469 133. Bei Störungsmeldungen und Notrufen: Telefon: 03571 41 42 41.

Das Lausitzer Seenland Klinikum ruft Patienten mit Anzeichen auf eine Infektion (Husten, Fieber) auf, zurzeit nur noch den „Nachteingang Notaufnahme“ zu benutzen. Dieser befindet sich linker Hand des Haupteinganges. Alle anderen Patienten, die sich in der Notaufnahme oder in der KV-Bereitschaftspraxis vorstellen wollen, benutzen bitte die Seitentür des Haupteinganges, so Klinikum-Sprecher Gernot Schweitzer. Die Drehtür sei geschlossen.