Corona in Sachsen
: Schärfere Corona-Maßnahmen in sächsischen Hotspot-Gebieten

Angesichts stark gestiegener Infektionszahlen sind in den besonders betroffenen Landkreisen in Sachsen schärfere Corona-Maßnahmen vorgesehen. Davon betroffen könnten auch die Kreise Bautzen und Görlitz sein.
Von
dpa, boc
Dresden/Bautzen/Görlitz
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"Zwei Meter Abstand halten! - Bitte nur zur Kaufhandlung verweilen!" steht auf einem Aufsteller in der Görlitzer Fußgängerzone.

Sebastian Kahnert

In Sachsen steigen die Infektionszahlen in den besonders betroffenen Landkreisen weiter stark an. Deswegen sind schärfere Corona-Maßnahmen vorgesehen. So könnten Krankenhäuser und Pflegeheime ihre Besuchsregeln weiter einschränken und es könnte ein Betretungsverbot für Eltern in Kindergärten und Schulen erlassen werden, teilte Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) nach einer Videokonferenz mit den Landräten und Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) am Samstag mit. „Das Infektionsgeschehen im Landkreis Bautzen und im Erzgebirgskreis ist so breit und hoch, dass nur die konsequente Kontaktunterbrechung hilft“, erläuterte Kretschmer. Stark betroffen ist darüber hinaus auch der Landkreis Görlitz, wo der Sieben-Tage-Inzidenz-Wert pro 100.000 Einwohner am Freitag bei fast 240 lag.

Situation in den Kliniken im Landkreis Bautzen ist prekär

Der Landkreis Bautzen hatte nach eigenen Angaben am Samstag einen Inzidenzwert von 314 Infektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen und zählt zu den am stärksten betroffenen Kreisen in Deutschland. Am Vortag hatte der Wert noch bei knapp 350 gelegen. Auch die Situation in den örtlichen Kliniken wird immer prekärer, zudem sind viele Pflegeheime betroffen. Derzeit werden 110 Corona-Patienten auf einer Normalstation, 24 auf einer Intensivstation behandelt. Wie der Landkreis Görlitz hat nun Bautzen die Hilfe der Bundeswehr in der Pflege für die Krankenhäuser in Kamenz und Bautzen beantragt. Im Nachbarlandkreis sind seit Mittwoch 100 ausgebildete Sanitätskräfte der Bundeswehr in den beiden Krankenhäusern in Görlitz sowie in Niesky, Zittau und Ebersbach im Einsatz.

Im Landkreis Bautzen sind am Sonnabend, 14. November, insgesamt 103 Coronavirus-Neuinfektionen festgestellt worden. Weitere 171 Personen gelten als genesen. Damit sinkt die Zahl der aktuell Infizierten leicht auf 2010 Personen. In Quarantäne befinden sich derzeit 4474 Personen.

Ausgangssperren wie im Berchtesgardener Land werden diskutiert

Es liegt nun an den Landräten, ein einheitliche Vorgehen abzusprechen. Kretschmer betonte, dass am kommenden Wochenende über weitere Einschränkungen entschieden werde. „Wenn die Fallzahlen weiter steigen, müssen wir dem Beispiel des Berchtesgadener Landes folgen.“ Dort gilt eine Ausgangsbeschränkung. Ähnliches ist nach Ansicht von Landrat Michael Harig (CDU) auch im Kreis Bautzen möglich oder auch ein stärkerer Schutz von Risikogruppen. So sollen spezielle Einkaufszeiten für Senioren empfohlen werden. Geplant ist zudem, sachsenweit den Senioren ab 75 Jahren und anderen gefährdeten Gruppen FFP-2-Masken kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Schulen und Kitas sollen aber geöffnet bleiben. Harig sagte am Samstag nach der Videokonferenz mit Ministerpräsident Kretschmer: „Wir werden uns nun mit dem Landkreis Görlitz und dem Erzgebirgskreis als den am stärksten betroffenen Landkreisen abstimmen, um einheitliche Regelungen zu treffen.“

In sieben Tagen werde man sich erneut mit dem Freistaat beraten. „Fest steht: Wir müssen zum Erhalt der Leistungsfähigkeit unserer Krankenhäuser die Zahlen nach unten bringen. Das können wir aber nur erreichen, wenn jeder Einzelne seinen Alltag mit einer entsprechenden Corona-Achtsamkeit gestaltet“, so Harig.