Von Sascha Klein

In der Lausitz wächst inzwischen fast jedes Kind mit der Figur Krabat auf. Einerseits, weil es Orte wie die Krabatmühle in Schwarzkollm gibt, Krabats Neues Vorwerk in Groß Särchen und den Krabat-Verein. Andererseits können Lausitzer Kinder Krabat und den Schwarzen Müller – in persona von Wolfgang Kraus und Dieter Klimek – leibhaftig erleben. Auch die Krabatfestspiele sind in Sachsen inzwischen ein Begriff.

Zlatan Avar steht im Saal der Krabat-Milchwelt in Kotten. Wenige Meter neben ihm stehen mehrere Schautafeln zum Thema Krabat. Der stellvertretende Bürgermeister der kroatischen Stadt Varazdin hat indes noch nie etwas von dem Lausitzer Sagen-Helden gehört. Auch Geraldine Cesar von der kroatisch-deutschen Gesellschaft Varazdin sagt: „Vor dieser Reise war uns die Figur des Krabat unbekannt.“ Dabei ist der echte Krabat, kroatisch Janko Sajatovic, deutsch Johann Schadowitz, nur rund 150 Kilometer von Varazdin geboren worden – in Zumberak. Die Landschaft, die Sichelgebirge genannt wird, liegt im kroatisch-slowenischen Grenzgebiet.

Trotz der Nähe ist Krabat bislang in Kroatien kaum ein Begriff – obwohl er das Zeug zu einem kroatischen Helden hat. Das liegt daran, dass mit Krabat meist nur die Romanfigur von Otfried Preußler in Verbindung gebracht wird. Die Romanvorlage hat ihren Ursprung in Eutrich und keine Verbindung nach Kroatien.

Der Genealoge Hans-Jürgen Schröter aus Wittichenau forscht seit mehr als zehn Jahren zur Geschichte des echten „Krabat“ Johann Schadowitz. Ihm ist es zu verdanken, dass inzwischen viel aus dem Leben des echten Krabat erforscht ist. Unter Kurfürst Johann Georg III. wurde Schadowitz Obrist und Brigadechef der gesamten Garde-Kavallerie des Kurfürsten. Ab 1691, bis zu seinem Tod 1704, lebte der einstige Militär als Gutsherr des Vorwerks Särchen – im heutigen Groß Särchen. Schröter arbeitet die Geschichte Schadowitz’ akribisch auf. Sein lang erwartetes Buch soll in diesem Jahr auf den Markt kommen.

Die Gäste aus Varazdin, die gemeinsam mit Vertretern der kroatischen Botschaft sowie Kroatiens Außenminister Gordan Grlic Radman kürzlich das Grab des echten Krabat in Wittichenau besucht haben, lernen die doppelte Geschichte der Figur jetzt erst kennen. „Es geht darum, mehr Kontakt nach Kroatien zu knüpfen“, sagt Reiner Deutschmann, der Vorsitzende des Krabatvereins.

Seit fünf Jahren gebe es Kontakte nach Kroatien, direkt in die Region Zumberak, in der Schadowitz aufwuchs. In Kroatien und Slowenien gebe es bereits einen Krabatverein, sagt Reiner Deutschmann. Das seien erste, zarte Pflänzchen. Deshalb wollen die deutsch-sorbischen Krabat-Vertreter auch nichts überstürzen. „Der Kontakt soll langsam wachsen“, so Reiner Deutschmann.

Varazdins stellvertretender Bürgermeister Zlatan Avar ist interessiert an einem Austausch mit Sachsen, sagte er jüngst in Kotten. Kontakte bestünden in Deutschland bereits mit Ravensburg. Diese seien allerdings eher kultureller Natur. Mit der Lausitz könnte es durch Krabat touristischen Austausch geben.

Auch Kroatiens Honorarkonsul in Deutschland, Dr. Peter Neumann, betont, dass eine Zusammenarbeit zwischen der Lausitz und Varazdin gewünscht sei – touristisch wie auch wirtschaftlich. Die Kroaten seien sehr interessiert an der historischen Person, so Neumann. Schließlich habe es zu Schadowitz’ Zeit rund 200 kroatische Reitersoldaten gegeben.

Johann Schadowitz hat auch viel in der Lausitz gewirkt. Wittichenaus Bürgermeister Markus Posch sagte kürzlich in Kotten, dass Krabat um 1700 nach dem Besuch der Heiligen Messe in Wittichenau auch in der Wirtschaft und auf dem Markt gewesen sein dürfte. Ebenso habe Schadowitz das Kreuzreiten gekannt haben müssen. „Ich hoffe, dass er uns mit Kroatien enger verbindet“, so Posch.