Buchmesse 2025: Krimis und Magie – Oberlausitzer Verlage in Leipzig am Start

Vier kleine Verlage aus der Oberlausitz werden ihre schönsten Neuerscheinungen Ende März auf der Leipziger Buchmesse präsentieren: Sylke Hörhold vom Neissuferverlag, Verleger Gunter Oettel, Friederike Koch-Heinrichs vom Museum der Westlausitz und Simon Peter Ziesch vom Domowina-Verlag (v.l.).
Catrin WürzDie Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Wenn in wenigen Tagen Leipzig wieder zur Literaturhauptstadt Deutschlands wird, spielt dort auch die Oberlausitz eine Rolle. Denn zur internationalen Buchmesse in Leipzig vom 27. bis 30. März 2025 haben sich auch vier Verlage aus der Region zwischen Bautzen und Görlitz mit ihren schönsten Buch-Neuerscheinungen einen Standplatz gesichert.
Der Auftritt auf diesem großen Branchentreff des Buch- und Verlagswesens ist für so kleine Unternehmen wie zum Beispiel den Ein-Mann-Verlag Gunter Oettel aus Görlitz, aber auch für den deutsch-sorbischen Domowina-Verlag aus Bautzen keine Selbstverständlichkeit. „Die Messe-Teilnahme ist für Mini-Verlage wie uns schon ein echter Kraftakt, aber auch ein Muss. Denn nirgends sonst kommen wir so nah an unsere Leserschaft heran“, sagt Verleger Gunter Oettel.
Domowina-Verlag aus Bautzen präsentiert „Die Lausitz“
Aber welche Neuerscheinungen werden die Oberlausitzer Verlage bei ihrem Messe-Trip nach Leipzig im Gepäck haben? Der deutsch-sorbische Domowina-Verlag aus Bautzen will auf der Buchmesse (Halle 2, Stand F112) seine hochwertige Publikation „Die Lausitz in Reisebeschreibungen des 18. und 19. Jahrhunderts“ präsentieren. Der 400 Seiten dicke Band umfasst Reiseberichte, Landschaftsbeschreibungen und Briefe jener ersten Touristen, die um 1800 die Lausitz entdeckten und darüber berichteten.
Reisende staunten über pittoreske Landschaften wie zum Beispiel das Zittauer Gebirge, beschrieben aber auch die Menschen mit fremdartiger Kultur und Sprache der Sorben/Wenden. Die historischen Texte wurden von Uwe Hentschel zusammengetragen und mit zeitgenössischen Illustrationen über die beschriebenen Orte und Personen ergänzt. Am Sonntag (30. März) wird der Band den Messebesuchern mit einer Lesung im „Forum Sachbuch“ nähergebracht.
Außerdem stellt der Domowina-Verlag zwei neue Bücher seines wichtigen Autors Benedikt Dyrlich in den Mittelpunkt. Das sind der zweisprachige Gedichtband „Sicheltage – Serpowe dny“ sowie eine Sammlung von Essays und Wortmeldungen Dyrlichs unter dem Titel „Nachklänge - Dozynki“.
Neissuferverlag zieht von Görlitz nach Bautzen
Gerade im Umbruch befindet sich der Neissuferverlag, der jüngst von Görlitz nach Bautzen umgesiedelt ist. Nachdem die Verlagsgründerin und Kinderbuchautorin Natascha Sturm vor zwei Jahren nach Norwegen ausgewandert war, haben drei „ihrer“ Autorinnen den Verlag übernommen und neu aufgestellt. Unter der Führung von Jana Thiem, Sylke Hörhold und Kristin Brückner wird sich der frühere Kinderbuchverlag jetzt zu einem Familienverlag wandeln.

Mit einem großen Repertoire von Krimi bis zu historischen Reiseberichten fahren vier Oberlausitzer Verlage zur Leipziger Buchmesse.
Catrin Würz„Wir haben neben den Kinderbüchern auch Regionalkrimis, Ostsee- und Liebesromane ebenso wie spirituelle Ratgeber, aber auch Spaziergänge durch Bautzen im Repertoire“, umreißt Mitverlegerin Sylke Hörhold die neue Vielseitigkeit.
Zur Leipziger Buchmesse reist der Neissuferverlag unter anderem mit dem neuen Görlitz-Krimi „Café Katz – Der Tote in der Bibliothek“, aber auch mit dem liebevoll illustrierten Kinderbuch „Pantalu sucht das Glück“. Weil der Verlag dem „Netzwerk Schöne Bücher“ angehört, einem Verbund kleiner, unabhängiger Verlage, kann er sich in Leipzig sogar an zwei Messeständen präsentieren. „Ohne diese Kooperation wäre eine Messe-Teilnahme finanziell für uns nicht zu stemmen“, sagt Sylke Hörhold. Der Neissuferverlag ist in Halle 3 am Netzwerk-Stand A207 mit seiner Kinderliteratur sowie an B404 mit den Krimis, Liebesromanen und Ratgebern zu finden.
Gemeinsamer Messe-Stand mit Museum der Westlausitz
Weil so ein Stand auf der Buchmesse mit erheblichen Kosten verbunden ist, pflegen auch der Verlag Gunter Oettel aus Görlitz und das Museum der Westlausitz Kamenz seit inzwischen zehn Jahren eine Messe-Partnerschaft. Am gemeinsamen Messe-Stand (Halle 2, D201) will Oettel seine neueste Publikation „Von der Lausche zum Vesuv“ vorstellen, die die vielfältigen Beziehungen der Stadt Zittau nach Italien seit dem Mittelalter beleuchtet. Im Gepäck hat er ebenfalls den Band „Seiner Zeit voraus“, ein Buch über den Zittauer Ratsuhrmacher und Mechanikus Johann Gottfried Prasse.
Das Museum der Westlausitz Kamenz gibt seit 1977 regelmäßig eigene Publikationen heraus. Die Bandbreite reicht von der jährlich erscheinenden wissenschaftlichen Reihe mit den aktuellen Forschungsergebnissen aus Archäologie, Geologie und Botanik der Oberlausitz bis hin zu hochwertigen künstlerischen Katalogen. In diese Kategorie gehört zum Beispiel auch „Terra Incognita“, ein Begleitband zur aktuellen Sonderausstellung „Kunst trifft Natur im Dubringer Moor“.
Mystisches aus „Kamenz' dunklen Gassen“
Museumsleiterin Friederike Koch-Heinrichs kann zudem den gerade druckfrisch erschienenen Band „In Kamenz' dunklen Gassen“ offerieren. Das Buch, zu dem auch passende abendliche Stadtführungen mit der Autorin Magdalena Schaffer angeboten werden, bündelt mystische und skurrile Begebenheiten und dunkle Orte der Stadtgeschichte. Es begleitet die ab Mai geplante Ausstellung „800 Jahre Aberglaube und Magie“, die die 800-Jahrfeier der Stadt Kamenz ergänzt.
Kleine Verlage der Oberlausitz werden immer weniger
Trotzdem die Situation für kleine Verlage immer schwieriger wird, ist die Leipziger Buchmesse die wichtigste Plattform, um sich zu zeigen und in Kontakt mit Autoren und mit Partnern zu kommen. Gunter Oettel benennt die Schwierigkeiten der kleinen, unabhängigen Verlage, die sich nicht nur gegen die Riesen der Branche, sondern auch gegen neue Publikationsformen durchsetzen müssen. „Wir Verlage kämpfen mit steigender Bürokratie und steigenden Preisen, während die Anzahl der Druckereien, Buchbindereien und der unabhängigen, inhabergeführten Buchhandlungen immer weiter abnimmt.“
In der Folge sei die Zahl der Oberlausitzer Verlage auch bereits geschrumpft, einige stehen vor ungewisser Zukunft. Oettel: „Dabei ist alles, was wir wollen, schöne Bücher zu machen, die viele Leser finden.“



