Von Rita Seyfert

Kaum Regen, dafür extreme Hitze. Wettergott Petrus macht auch in diesem Jahr den Bauern das Leben schwer. Die Futterkammern sind leer, der Mais auf den Feldern verdorrt. Vielerorts in der Lausitz sehen die Landwirte der Ernte mit großer Sorge entgegen.

In dieser prekären Situation kommt die Freigabe der Brachflächen zur Futtergewinnung wie gerufen. Wie das Landwirtschaftsministerium am 16. Juli mitteilt, dürfen Bauern jetzt ihr Vieh auf den Brachen weiden lassen. Andreas Jahnel (48), Referatsleiter beim Sächsischen Bauernverband in Sachsen: „Das haben wir dringend gebraucht“, sagt er. Der Energiegehalt der Pflanzen auf den Brachflächen sei zwar niedrig, lasse sich notfalls aber auch als Streu verwenden. „Die Betriebe müssen nun sinnvoll entscheiden, wie sie ihre Brachen nutzen“, so Jahnel.

Auch die MKH Agrar- Produkte- GmbH in Wittichenau erwartet dieses Jahr keine Höchst-Erträge mehr. Anna Roick (24), stellvertretende Pflanzenbauleiterin: „Vom Regen der nächsten Tage hängt ab, wie hoch die Missernte ausfällt“, sagt sie. Schon jetzt ist der Mais viel zu klein, die Blätter sind verbrannt. Wegen des Wassermangels rollen sich die Blattspitzen ein, um die Verdunstung zu reduzieren. Auch der zweite Grasschnitt verbrannte komplett unter der sengenden Sonne. „Wir hoffen, dass wir im Herbst noch einmal Gras schneiden können.“

In ihren Silos hat die MKH in Wittichenau zwar noch Gras und Maissilage aus 2018 zu liegen; und die Tonnage dürfte wohl auch für die kommende Saison reichen. Allerdings habe die Qualität der Futterreserven wegen der Dürre im vergangenen Jahr gelitten. MKH-Pflanzenbauleiterin Roick: „Das Topping, also Energiefuttermittel müssen wir dazukaufen“, sagt sie.

Mit einer Anbaufläche von 2600 Hektar, davon 300 Hektar Grünland ist die MKH nicht auf ihre Brachflächen angewiesen. Wie MKH-Geschäftsleiter Benno Mroß mitteilt, hat der Betrieb derzeit noch keine Futterknappheit. Letztere sei aber ein Grund für den Verkauf der Zuchttiere. „Wir haben uns erst im Juni von unseren letzten 80 Mutterkühen und deren Nachzucht getrennt“, sagt er. Damit reduzierte die MKH ihren Milchkuhbestand auf 500 Tiere.

Wegen ihrer ungenutzten Brachflächen hat die MKH allerdings täglich Anfragen. „Wir helfen Bauern in Not“, so Mross. Vor allem Schafe und Pferde dürfen nun auf den MKH-Brachen weiden. Es ist ein Tropfen auf den heißen Stein. „Die Pflanzen auf den Brachen sättigen, geben aber kaum Energie.“

Normalerweise müssen Agrarbetriebe laut EU-Vorgabe jährlich etwa fünf Prozent ihrer Felder als Brachfläche ungenutzt lassen. Der Pflanzenschnitt ist erlaubt. Die Biomasse bleibt aber zwecks Humusaufbau liegen. Dadurch wird unter anderem der Boden geschont, regeneriert und der Artenschutz gefördert.

Allein die Freigabe der Brachflächen reicht laut Andreas Jahnel aber noch nicht. „Wir brauchen darüber hinaus auch dringend die Freigabe der Zwischenfruchtflächen“, so der Referatsleiter. Der Deutsche Bauernverband fragte diesbezüglich bereits bei der EU an: „Das dauert aber noch“, schätzt Andreas Jahnel.