Ausflug bei Hoyerswerda: Was Burgruine und Amphitheater an der B96 bieten

Eine Burgruine in der mittleren Lausitz? Die gibt es tatsächlich, und zwar unweit der B96 zwischen Hoyerswerda und Bautzen.
Torsten Richter-ZippackDass die Lausitz Bergbauland ist, dürfte in der Region jedes Kind wissen. Mit Stand 2024 wird in drei Tagebauen, davon zwei in Sachsen, Braunkohle gefördert. Das gesamte Lausitzer Seenland ist aus dem Abbau des schwarzen Goldes hervorgegangen. Neben der Kohle werden in der Region noch weitere Bodenschätze abgebaut. Die meisten dürften dabei an Glassand, Kies und Granit denken.
Nahe dem kleinen Dorf Caminau, das sich direkt an der B96 zwischen Hoyerswerda und Bautzen befindet, existiert bereits seit 120 Jahren ein weiterer Bergbaubetrieb. Dort werden aber weder Kohle noch Glassand, Kies oder Granit abgebaut. Stattdessen holen die Bergleute Kaolin aus der Erde. Das weiße Mineral wird umgangssprachlich auch als Porzellanerde bezeichnet. Schließlich wird es zur Herstellung von Porzellan benötigt. Ebenso in der Papierproduktion und als Beimischung für verschiedene Baustoffe.
Kaolinwerk in Caminau bei Hoyerswerda sucht neue Abnehmer
Pro Jahr werden in Caminau rund 300.000 Tonnen Kaolinerde gefördert, um daraus 100.000 Tonnen Kaolin zu gewinnen und zu verkaufen, rechnet Werkleiter Thomas Scholze vor. Derzeit findet der Rohstoff in der Papierindustrie Verwendung, nämlich, um hochwertige Druckerzeugnisse herzustellen.
Da dieser Markt allerdings rückläufig ist, wollen die Caminauer ihr Kaolin künftig vorwiegend an die Baustoffindustrie verkaufen. Als Abnehmer seien Zementwerke im Visier, ebenso Hersteller von Fliesenklebern. Perspektivisch soll die Fördermenge von Kaolinerde verdoppelt werden, kündigt Scholze an.

Mehrere Infotafeln geben im Gebiet Auskunft zu Tier- und Pflanzenwelt, ebenso zu Bergbau und Rekultivierung. Im Hintergrund ist das Arboretum Sinensis zu sehen.
Torsten Richter-ZippackKlar, dass der Tagebaubetrieb seine Spuren in der Landschaft hinterlässt. Wer auf der B96 am Werktor vorüberfährt, bekommt davon allerdings nichts mit. Interessierte müssen stattdessen auf der Bundesstraße weiter nach Caminau fahren. Kurz vor den Königswarthaer Teichen zweigt nach links beziehungsweise nach Osten eine winzige Straße ab. „Biotopverbund Caminau“ ist auf der Hinweistafel zu lesen. Mancher mag glauben, dass es sich um einen Teich oder um ein Feuchtgebiet handelt. Schließlich befindet sich das Gebiet direkt in der Teichlausitz.
Ausflug nach Caminau: Attraktionen statt monotoner Kiefernforst
Tatsächlich führt der Weg zunächst zu einem kleinen Feuchtbiotop mit entsprechenden Infos. Doch dieses bildet lediglich den Auftakt zu einer ausgedehnten Entdeckungsreise. Denn über Jahrzehnte wurde dort die Bergbaufolgelandschaft entsprechend gestaltet und aufgewertet. Allerdings nicht, wie noch zu DDR-Zeiten, mit der Aufforstung von Kiefernreinbeständen, sondern durch verschiedenste Attraktionen.
Neben dem dendrologischen Lehrpfad mit 375 Gehölzen, einem asiatischen Garten („Arboretum Sinensis“), einem Waldspielplatz und einer hölzernen Windmühle gelangt der Wanderer zu einem kleinen Amphitheater. Dort könnten künftig, so sagt Thomas Scholze, Veranstaltungen stattfinden. Bislang gebe es aber keinen Stromanschluss.
Ausflug in Caminau: Burgruine ohne historischen Hintergrund
Direkt neben dem „Amphi“ führt der Weg dann bergan. Und zwar zum absoluten Höhepunkt des Biotopverbundes Caminau. Eine Burgruine wartet auf ihre Entdeckung. Dort soll angeblich Kunigunde von Caminau wohnen, sagt Thomas Scholze augenzwinkernd. Allerdings handelt es sich um keine mittelalterliche Anlage, sondern wurde diese erst vor rund 20 Jahren auf dem Abraum des Kaolintagebaus errichtet. „Einen historischen Hintergrund gibt es nicht. Es handelt sich um eine reine Fantasieburg“, sagt Scholze. Langjährige Werksarbeiter hatten die Burgruine und alle weiteren Attraktionen errichtet. Die Caminauer Bergleute halten das Areal bis heute in Ordnung.

Neu ist dieser Aussichtspunkt in den aktiven Caminauer Kaolin-Tagebau.
Torsten Richter-ZippackUrsprünglich konnten die Burgbesucher von eben dieser in den aktiven Tagebau schauen. Durch das Baumwachstum der nächsten Umgebung funktioniert das aber nicht mehr. Deshalb wurde jetzt ein Fußweg zu einem neuen Aussichtspunkt angelegt, der rund fünf Gehminuten von der Ruine entfernt liegt. Ansonsten sorgen Zäune und Warnschilder dafür, dass sich niemand in den Gefahrenbereich begibt.
Darum ist Massentourismus in Caminau unerwünscht
Die Rekultivierungsfläche steht im Eigentum der Quarzwerke Gruppe aus dem Rheinland. Zu dieser gehören die Amberger Kaolinwerke. Und zu dieser das Caminauer Kaolinwerk samt Tagebau. Besucher bewegen sich also auf Privatland, das noch immer dem Bergrecht untersteht.
Genutzt werden die Attraktionen des Biotopverbandes Caminau in erster Linie von Schulklassen sowie von Einheimischen. Einen Massentourismus wollen die Bergleute bewusst nicht. Wer aber in der mittleren Lausitz mal etwas ganz Besonderes erleben und dabei noch seine Ruhe haben will, sollte sich das Paradies im Hinterland der Kaolingrube nicht entgehen lassen. Parkplätze stehen vor Ort zur Verfügung, ebenso gibt es einen Rastplatz und zahlreiche Infotafeln.

Lediglich dieses kleine, etwas versteckte Schild weist von der B96 den Weg in den Biotopverbund Caminau mit seinen zahlreichen Attraktionen.
Torsten Richter-ZippackWie lange die Kaolin-Vorräte in Caminau noch reichen
Bereits seit dem Jahr 1904 wird bei Caminau Kaolin abgebaut. Trotz der mittlerweile 120-jährigen Bergbaugeschichte sind die Vorräte noch lange nicht erschöpft, sagt Werkleiter Thomas Scholze. Im behördlich genehmigten Areal reiche das Kaolin noch 50 Jahre. Darüber hinaus gebe es weitere größere Vorräte westlich der B96. Diese könnten irgendwann erschlossen werden. „Wir könnten locker noch 100 Jahre baggern“, verdeutlicht Scholze die Dimension. Derzeit gebe es allerdings keine Pläne, das Tagebau-Areal zu erweitern.




