„Es ist 5 vor 12." Andre Lang aus Dresden hält kurz inne, bevor er weiter zu den Schülern des Foucault-Gymnasiums spricht. Im Rahmen vom nunmehr 24. Projekt „Wider das Vergessen“ in der KulturFabrik berichtet der Zeitzeuge vom Schicksal seiner Familie in der Nazizeit.

Die in Ungarn gebliebenen jüdischen Verwandten seiner Mutter waren 1944/45 im Ghetto oder kamen im Konzentrationslager ums Leben. Andre Langs Mutter Ruth konnte 1938 als 18-Jährige mit ihren Eltern nach Großbritannien fliehen, ebenso sein Vater Max. Wie die Schüler erfahren, setzte dieser sich in Dresden schon Anfang der 1930er-Jahre aktiv gegen rechtes Gedankengut ein. Deswegen verbrachte er fast zwei Jahre im Zuchthaus.

In den 1940er-Jahren verliebten sich Andre Langs Eltern. Er und seine Schwester wurden in Manchester geboren und die Familie baute ab 1946 in der DDR ein antifaschistisches Deutschland mit auf. Nazis hatten dort keine leitenden Positionen und Verbrecher wurden verurteilt. Nichtsdestotrotz sei die passive Schuld der Mitläufer aus Sicht von Andre Lang zu wenig aufgearbeitet worden.

Wie wichtig das Projekt „Wider das Vergessen“ auch heute noch ist, zeigen aus seiner Sicht die aktuellen Entwicklungen. Seit den 1990er Jahren beobachtet Andre Lang bundesweit rechte Demonstrationen und Ausschreitungen gegen Flüchtlinge. Heute sitzen Vertreter der AfD-Partei in Parlamenten; und seit dem Anschlag auf die Synagoge in Halle sehe er jüdisches Leben in Deutschland wieder bedroht. Deshalb müssen Familien mehr denn je über Politik reden, betonte er. Ziel sollte es sein, AfD-Anhänger wieder für demokratische Parteien zurückzugewinnen. Außerdem sollten viel mehr Menschen friedlich für Demokratie demonstrieren.

Neben der Regionalen Arbeitsstelle für Bildung, Demokratie und Lebensperspektiven (RAA) Hoyerswerda/Ostsachsen beteiligte sich auch der Verband der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten, Stadtverband Hoyerswerda. Die teilnehmenden Lehrer und Schüler aus Hoyerswerda nutzen das Projekt zur nachhaltigen Demokratieerziehung. Wie Hoyerswerdas Kulturbürgermeister Thomas Delling (SPD) bestätigt, nahmen seit 1996 über 2000 Schüler an dem Projekt teil. Auch Besuche im KZ gehörten dazu. Nelli von der Christlichen Schule Johanneum war jedenfalls froh, daran teilzunehmen. Sie nannte es ein Privileg, noch mit Zeitzeugen reden zu können.