Von Rita Seyfert

„Wir haben ja noch die Kulturfabrik“, erklären die Hoyerswerdschen gern den unwissenden Besuchern von außerhalb. Meist schwingt dabei ein gewisser Stolz in ihrer Stimme. Jeder spürt, dass die Kufa in Hoyerswerda eine besondere Rolle spielt. In dieser Woche feiert der Verein seinen 25. Geburtstag. Für einen Rückblick sprach die RUNDSCHAU mit Kufa-Chef Uwe Proksch (57).

Aufgeräumt sieht es aus im Büro des Kufa-Geschäftsleiters. Ein Kalender und Plakate von Gundermann hängen über seinem Schreibtisch, dazwischen Fotos, Postkarten und ein Papierschnipsel mit dem bayerischen Ausspruch „baggmaswieda“; was ein Künstler wie Uwe Proksch zur Inspiration bei seiner tagtäglichen Arbeit eben so braucht.

Kulturfabrik in Hoyerswerda vor 25 Jahren gegründet

Ein Tag wie jeder andere ist heute aber nicht. Genau vor 25 Jahren, am 24. Oktober 1994, fand die Gründungsveranstaltung statt. Damals betraten die etwa 20 Leute Neuland. Denn Vereine gab es vor der Wende nicht. Unzählige Gespräche gingen der Vorstandswahl und dem Satzungsbeschluss voraus. „Wir mussten uns ja erst einmal einigen, worum es uns überhaupt geht“, erzählt Uwe Proksch.

Dabei blieb der Name „Kulturfabrik“ bis heute Programm. Obschon mit der Suche nach einem Domizil erst einmal die Wanderjahre begannen. Eigentlich spekulierte der Verein auf das Fabrikgebäude der alten Brauerei hinter der Sparkasse beim Lessinghaus. „Da wollten wir gerne rein“, so der Kufa-Chef. Verhandlungen mit der Treuhand liefen.

Doch dann fand man Quecksilber. Ein Keimzeit-Konzert fand noch statt, geplante Kinovorführungen wurden abgesagt. Der Verein wich in Kirchen oder das Schloss aus. Schließlich, 1996, der Umzug ins ehemalige Pionierhaus. Im Kinder- und Jugendtreff herrschte ab 18 Uhr Ruhe.

Mit Theater, Lesungen, Konzerten oder Kursen für Erwachsene im Keramikraum hauchte der Kufa-Verein dem Gebäude nach Feierabend wieder Leben ein. Bald nahm auch das legendäre Cafe „Stilbruch“ seinen Betrieb auf.

Betreiber-Konzept für Kulturfabrik Hoyerswerda lange unklar

Nur der Zustand der maroden Bausubstanz war bedenklich. Die Räume wurden noch mit Öfen beheizt. Der Saal war wegen Schwingungsgefährdung gesperrt. Und der Riss im Gemäuer zwischen Alt- und Anbau wuchs sich mehr und mehr zum klaffenden Spalt aus.

Schließlich erklärte sich die Stadt zur Sanierung bereit. Der Kufa-Verein zog ins leerstehende, ehemalige Kinder- und Jugendheim in der Alten Berliner Straße. Die Unterkunft am Rande von Hoyerswerda Richtung Lauta sollte eine Zwischenlösung sein. „Doch aus ursprünglich drei wurden am Ende 16 Jahre“, erzählt Kufa-Chef Proksch. Geld fehlte. Das Betreiber-Konzept war lange unklar.

Sogar ein Verein wurde gegründet, um sich für die Kufa und das Haus stark zu machen. „Braugasse 1“, so nennt er sich, sammelte über 50000 Euro Spendengelder. Auch viele Bürger unterstützten die Kufa. Einige wurden Stuhlpaten, andere beteiligten sich an den „88 Tasten für je 100 Euro“, damit ein Piano angeschafft werden konnte.

Die Lethargie von Hoyerswerda durchbrechen

Trotz aller Ungewissheit hielt die Kufa ihre Füße nie still. Vom „Auszeit-Block“ und der „Malplatte“ 2008 im WK 10 über die Picknickwiesen auf den leer stehenden Brachen oder dem Projekt „Eine Stadt tanzt“ bis zum internationalen Braugassentheater - mit den vielen neuen Veranstaltungsreihen, die in der Zwischenzeit entstanden, ließen sich ganze Wände tapezieren.

So unterschiedlich all diese Projekte auch waren, Ziel war es immer, die Lethargie der Stadt zu durchbrechen. „Wir haben uns mit den Wandlungsprozessen konstruktiv auseinandergesetzt.“ Es ist eben eine Tatsache, dass hier mehr als 30000 Menschen weggezogen sind.

Und während die Kufa nach einen positiven und würdevollen Umgang mit diesem Thema suchte, kam 2010 endlich grünes Licht für den Neubau. Fördermittel flossen. Insgesamt sechs Millionen Euro kostete das neue Bürgerzentrum.

„Gut investiertes Geld“, wie Uwe Proksch findet.  2015 wurde die Eröffnung mit mehr als tausend Gästen gefeiert. Ein Großereignis. Zwei Tage lang dauerte die Party, bei der auch die Band „Heavy Tones“ von Stefan Raab spielte. „Wir haben in den folgenden Tagen über 40 Führungen durch das Haus gemacht“, erinnert sich der Kufa-Chef.

Besucherzahlen der Kulturfabrik steigen mit neuem Standort

Mit dem neuen Standort im Zentrum stiegen die Besucherzahlen auf 40000 Besucher im Jahr. Heute beherbergt das als Bürgerzentrum konzipierte Haus neben der Touristeninformation auch das NATZ in der unteren Etage. Mehr als 80 Partner nutzen die Räume, darunter die Musikschule Bischof, die Volkshochschule, das Landratsamt oder die Stadtverwaltung, die hier zum Beispiel ihre „Günther Peters Ehrennadel“ vergibt. „Auch Hochzeiten oder Abi-Feiern hatten wir hier schon drin.“

Anders als bei Taubenzüchter- oder Modellbau-Vereinen richten sich die Aktivitäten der Kufa immer nach Außen. „Alles, was wir hier machen, ist für die Öffentlichkeit“, so Proksch. Für ihr Vierteljahrhundert darf sich die Kufa mal ausnahmsweise selber Feiern. Zur großen Fete am Sonnabend, 26. Oktober, ab 20 Uhr, sind alle Bürger eingeladen.