Die Metamorphose hat begonnen: Innerhalb von nur vier Tagen wird das Forum der Lausitzhalle Hoyerswerda vom Gesellschafts- und Veranstaltungssaal jetzt zu einem Tempel der bildenden Kunst umgestaltet. Fast 600 Werke der Malerei und Grafik, Bildhauerei, Fotografie, Schmuck und Keramik werden dort zum 16. Kunstmarkt Hoyerswerda am kommenden Wochenende (5./6. November) in schönster Weise präsentiert.
Und nicht nur das: Alle Kunstwerke können von hier aus direkt in die privaten Wohnzimmer mit nach Hause genommen werden, denn sie stehen auch zum Verkauf.

Hunderte Kunstwerke werden ins rechte Licht gerückt

Zahllose Stellwände und Vitrinen, Sockel und Tische, Strahler und Scheinwerfer sind im Saal aufgebaut worden, um alles ins rechte Licht zu rücken. Das Technikerteam des Kulturfabrik-Vereins hat dafür ganze Arbeit geleistet. Jetzt werden die vielen noch leeren Flächen mit farbenfrohen Aquarellen oder Schwarzweiß-Fotografien, mit Holz-Skulpturen oder Sandstein-Plastiken, mit überdimensionalen Ölgemälden oder ganz zarten Grafiken bestückt.
Zahllose Malereien, Grafiken und Fotografien wurden von rund 80 Künstlern für den Kunstmarkt abgegeben. Sie werden bis Sonnabend so aufgehangen und präsentiert, dass sie eine starke Wirkung auf den Betracher haben.
Zahllose Malereien, Grafiken und Fotografien wurden von rund 80 Künstlern für den Kunstmarkt abgegeben. Sie werden bis Sonnabend so aufgehangen und präsentiert, dass sie eine starke Wirkung auf den Betracher haben.
© Foto: Catrin Würz
Es sind die künstlerischen Arbeiten von knapp 80, meist freischaffenden Künstlerinnen und Künstlern, die ihre Ateliers zwischen Berlin und Dresden haben. Unter ihnen bekannte Namen wie Steffen Mertens, Chris Hinze, Gudrun Trendafilov und Bettina Klink-von Woyski. Zum ersten Mal ist auch eine Gruppe von sieben Künstlern des Chemnitzer Künstlerbundes (CKB) mit dabei. „Wir freuen uns, eine neue künstlerische Handschrift präsentieren zu können“, sagt Uwe Proksch vom Kulturfabrik e.V., der die Kunstmärkte seit inzwischen über 25 Jahren veranstaltet.
Den weitesten Weg per Post haben einige Malereien und Grafiken hinter sich, die von den Brüdern Conan und Danville Chadbourne aus den USA eingesandt wurden. Beide sind in Hoyerswerda keine Unbekannten mehr, seit sie vor zwei Jahren zusammen mit einem Fotografen und Komponisten aus Kanada eine außergewöhnliche Ausstellung im Kunstraum des Bürgerhauses Braugasse 1 gestaltet haben.

Kuratoren machen Kunstmarkt zum Gesamtkunstwerk

Damit die Präsentation der Kunstwerke als Ganzes ein stimmiges Bild ergibt, hat sich der Kulturfabrik-Verein als Veranstalter drei fachkundige Experten an die Seite geholt. Kunsterzieherin und Künstlerin Ines Margret Lenke aus Tätzschwitz und die beiden freischaffenden Künstler Egbert Kasper aus Kamenz und Uwe Handrick aus Wandlitz sorgen als Kuratoren-Team für das Gesamtkonzept. Sie wollen eine Atmosphäre schaffen, in der jedes einzelne Werk die nötige Weite findet, um für sich selbst zu stehen. Zugleich aber soll die ungeheuerliche Vielseitigkeit der Techniken und Motive der Kunstwerke zu einem anregenden und aussagestarken „Gesamtkunstwerk“ geformt werden.
Der 16. Kunstmarkt lädt am kommenden Wochenende wieder in den Forumsaal der Lausitzhalle Hoyerswerda ein. Das Werbebanner ist an der Brüstung des Kulturtempels jetzt schon mal sturmsicher befestigt.
Der 16. Kunstmarkt lädt am kommenden Wochenende wieder in den Forumsaal der Lausitzhalle Hoyerswerda ein. Das Werbebanner ist an der Brüstung des Kulturtempels jetzt schon mal sturmsicher befestigt.
© Foto: Catrin Würz
„Das gelingt den Machern von der Kufa hier auch immer ausgezeichnet“, lobt Frank Schauseil. Der Bildhauer aus Dresden ist inzwischen zum vierten Mal beim Kunstmarkt in Hoyerswerda dabei und komme „immer mit Freude wieder.“ Diesmal hat der 55-Jährige etwas ganz Besonderes mitgebracht: eine Serie von in Bronze gegossenen Fantasiegeschöpfen. Die Figuren erinnern an faustgroße Fische, Reptilien oder Geschöpfe aus der Urzeit. Als Gruppe platziert, trägt das Kunstwerk den Titel „Invasion“. Der Dresdner Künstler stellt damit die Biodiversität in Gesellschaft und in der Natur in den Mittelpunkt.

Kunstmarkt vor zwei Jahren war der erfolgreichste

Vor zwei Jahren war der 15. Kunstmarkt in Hoyerswerda von der Corona-Pandemie beeinflusst. Es war die letzte mögliche Veranstaltung, bevor ab November 2020 ein langer Lockdown sämtliches Kulturleben in Deutschland lahmlegte. „Damals war dieser Kunstmarkt dann der bis dahin erfolgreichste, den wir je hatten. Was die Zahl der verkauften Arbeiten betrifft“, erinnert sich Kufa-Chef Uwe Proksch.
Zwei Jahre später ist auch die neue Auflage des Kunstmarktes von Krisen überschattet: Inflation, Energiekrise, Teuerung und Krieg in der Ukraine belasten die Menschen. Werden sie angesichts solcher Sorgen überhaupt einen Nerv für Malerei und Bildhauerkunst haben?

Kunstwerke für jeden Geldbeutel in Hoyerswerda

„Ich glaube, gerade in Krisenzeiten ist Kunst und Kultur wichtig für die Menschen“, sagt Frank Schauseil. Wer durch eine Galerie oder einen Kunstmarkt wie diesen geht, könne „einfach mal abschalten, dann rücken die Sorgen in den Hintergrund“, ist der Bildhauer aus Dresden überzeugt. Ob Menschen auch Geld übrig haben, um sich Kunstwerke zu kaufen, wird man sehen. Uwe Proksch: „Es gibt Werke, die man schon für einen zweistelligen Betrag haben kann, aber natürlich auch welche für eine vierstellige Summe.“

16. Kunstmarkt in Hoyerswerda

Der 16. Kunstmarkt Hoyerswerda findet am Samstag und Sonntag, 5. und 6. November, im Forumsaal der Lausitzhalle Hoyerswerda statt. Der Zugang erfolgt über den Eingang zu Musik- und Volkshochschule an der Seite zum Zentralpark.
Geöffnet ist jeweils von 10 bis 18 Uhr.
Der Eintritt kostet drei Euro, für Kinder bis zwölf Jahre ist er frei. Für Kinder hat die Kufa einen Kreativbereich vorbereitet.
Seit dem Jahr 1996 hat der Kulturfabrik-Verein den Hoyerswerdaer Kunstmarkt zu einem überregional wahrgenommenen Ereignis entwickelt. Er findet alle zwei Jahre statt.
Rund um den Kunstmarkt (Kuma) gibt es auch ein kulturelles Rahmenprogramm: So findet am Samstagabend, 5. November, ein Kuma-Konzert im Bürgerhaus Braugasse 1 in der Altstadt statt. Ab 20 Uhr spielt dort das Maik Krahl Quartett featuring Seamus Blake. Das Jazz-Quartett holt Freunde experimenteller Jazzklänge gleichermaßen wie Fans traditioneller Jazz-Stilistiken ab.
Film zum Kunstmarkt: Das Blow-up-Kino der Kulturfabrik zeigt am 6. November um 20 Uhr und am 8. November um 17 Uhr die Dokumentation „Der vergessene Schatz“. An einem geheimen Ort in Brasilia lagert die größte Privatsammlung nonkonformer Kunst aus der DDR – zusammengetragen von einem exzentrischen Sammler und brasilianischen Diplomaten. Im Film kommen Künstler zu Wort, die auch schon Teilnehmer der Kunstmärkte in Hoyerswerda waren, wie Angela Hampel, Eberhard Göschel oder Helge Leiberg.