Volkshochschule Elbe-Elster: Wenn Erwachsene nicht lesen können – wo es Hilfe gibt

Die neue Projektleiterin beim Grundbildungszentrum der VHS für den Elbe-Elster-Kreis, Lisa Heimann (l.),will Menschen ihre Selbstachtung zurückgeben. Neben ihr Sabine Rau.
Isabell Hartmann- Lisa Heimann leitet das Grundbildungszentrum der Volkshochschule Elbe-Elster und hilft Analphabeten.
- Millionen Deutsche sind laut Statista betroffen; Scham und Unsicherheit belasten sie.
- Heimann bietet Kurse in Lesen, Schreiben, Mathematik und Digitalem an.
- Ziel ist es, Selbstvertrauen und Unabhängigkeit der Betroffenen zu stärken.
- Offene Lernangebote und ein mobiles Beratungsangebot unterstützen die Alphabetisierung vor Ort.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Millionen Menschen in Deutschland können, laut Statista, nicht richtig lesen und schreiben. Die Auswirkungen von Analphabetismus sind tiefgreifend. Meist wollen die Betroffenen nicht darüber sprechen. Scham und Unsicherheit plagen sie. In Elbe-Elster bekommen sie Hilfe.
Durch Initiativen wie dem Grundbildungszentrum (GBZ) der Kreisvolkshochschule Elbe-Elster wird diesen Menschen eine neue Perspektive eröffnet. Sie können lernen, ihre Stimme finden und aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.
Menschen, die Unterstützung bei einfachsten Fähigkeiten brauchen, können sich vertrauensvoll an Lisa Heimann wenden. Als neue Projektleiterin im GBZ in Elsterwerda steht sie bereit, um Betroffenen zu helfen, ihre Scham zu überwinden und den ersten Schritt in Richtung Bildung zu machen. Sie bringt Erfahrung und Engagement ein.
Lisa Heimann – ein Glücksgriff für das GBZ
Seit 2015 unterrichtet sie Deutschkurse und war als Dozentin für Flüchtlinge in Zwickau, Jena und Gera tätig. „Sie ist die richtige Person für diese Aufgabe“, betont Sabine Rau, die das Auswahlverfahren begleitet hat. „Ein absoluter Glücksgriff.“ Rau erklärt: „Man braucht viel Empathie, da es für viele Erwachsene ein heikles Thema ist, mangelhafte Schreib- und Lesekompetenzen zu haben.“
Die Bildungsdefizite würden über mangelhaftes Lesen und Schreiben hinausgehen. Daher gibt es auch Kurse Mathematik, Digitales und Alltagskompetenzen. „Die Menschen, die zu uns kommen, schämen sich oft, dass sie uns benötigen. Die sensible Art von Frau Heimann ist daher genau das, was wir gesucht haben“, glaubt Sabine Rau.
„Wir hatten eine Frau dabei, die endlich den Ticketautomaten am Bahnhof selbst bedienen konnte, nachdem sie bei uns lesen gelernt hatte. Dieses Gefühl der Selbstbestimmtheit wollen wir auch anderen Teilnehmern ermöglichen“, sagt Sabine Rau. Abhängigkeiten zu verringern und Selbstvertrauen aufzubauen, sei ein großes Ziel am GBZ.
Angebote der Grundbildung – niedrige Hürden für Interessierte
Motivation ist nötig, da Interessierte oft unter Minderwertigkeitskomplexen litten. „Viele fühlen sich, gerade durch fehlende Lese- und Rechtschreibkenntnisse, überfordert und hilflos, das nagt an ihnen“, ergänzt Lisa Heimann. Neben ständiger Erreichbarkeit, sei eine unterstützende Lernumgebung wichtig, Hürden und Hemmschwellen abzubauen. „Es ist schön zu sehen, wenn die Kursteilnehmer sich gegenseitig unterstützen und dadurch besser und sicherer werden“, freut sie sich.
„Wir wollen keinen Druck aufbauen“, erklärt Lisa Heimann, „da viele mehrere Anläufe brauchen, den Mut aufzubringen, sich ihren Problemen zu stellen.“ Deshalb werden die Hürden für Interessierte so niedrig wie möglich gehalten. Jeder könne sich anmelden, es gebe keinen Zeitdruck, Vorkenntnisse oder Qualifikationen seien nicht notwendig. Auf offizielle Ferienzeiten werde verzichtet, sagt Sabine Rau, damit niemand vor verschlossener Tür stehe. „Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass Teilnehmer, die das einmal erlebt haben, oft nicht wiederkommen.“
Analphabeten in Elbe-Elster: Offene Lernangebote
Zusätzlich zu den regulären Kursen unterbreitet das GBZ in Lernstuben, wie in der Anhalter Straße in Herzberg, offene Lernangebote. Diese ermöglichen es den Teilnehmern, die Alphabetisierung in ihrem eigenen Tempo voranzutreiben. „Es ist wichtig, dass wir den Menschen die Unterstützung bieten, die sie brauchen, ohne sie zu überfordern“, sagt Lisa Heimann.
Um die Alphabetisierung, aber auch andere wichtige Grundbildungsbereiche, wie Rechnen, Geschichte oder Soziales weiter voranzutreiben, setzt die Kreisvolkshochschule auf Mobilität. Dazu wird ein Alfa-Mobil eingesetzt. Das ist ein mobiles Beratungsangebot des Bundesverbandes für Alphabetisierung und Grundbildung (BVAG), mit dem Menschen direkt vor Ort erreicht werden sollen.
Neu in der Grundbildung
Lisa Heimann will einmal im Monat einen Thementag in Elsterwerda einführen. Dort soll es um Nachhaltigkeit gehen. Teilnehmer können beispielsweise erfahren, wie Mülltrennung funktioniert und warum sie wichtig ist und auch, wie man am besten Strom sparen kann.
In der VHS-Stelle in Finsterwalde wird es ab dem 3. Februar 2025 einen neuen Berufssprachkurs für Fortgeschrittene (B2) geben.

