Tierhilfe Südbrandenburg
: Spende statt Zuckertüte – Familien sammeln für guten Zweck

Warum nicht anstelle vieler Geschenke Spenden für einen guten Zweck einsammeln? Das dachten sich zwei Familien aus Doberlug-Kirchhain anlässlich des kürzlichen Schulanfanges.
Von
Rico Meißner
Herzberg
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Spendenübergabe Tierhilfe Marco, Justus und Britta Becker, Susanne Seidler sowie Pflegehund "Holly"

Marco, Britta und Sohn Justus Becker bei der "Spendenübergabe" vor Ort an Susanne Seidler (r.) und Pflegehündin "Holly".

Rico Meißner
  • Familien sammeln bei Schulanfang Spenden statt Geschenke für Tierhilfe Südbrandenburg.
  • Britta, Marco und Justus Becker übergeben 250 Euro an Susanne Seidler in Herzberg.
  • Geld unterstützt neues Tierheim für Elbe-Elster und Pflegestellenkosten.
  • Idee begeistert Gäste; Anregung für Spendenaktionen bei Feiern.
  • Verein dankbar für jede Unterstützung, auch Hilfe bei Infoständen und Arbeitseinsätzen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Es muss ja nicht der zehnte Radiergummi und die fünfte Packung Buntstifte sein, die jeder Gast dem neuen Schüler zur Einschulung mitbringt. Von Süßigkeiten en gros ganz zu schweigen. So ähnlich dachten es sich zumindest die Erwachsenen der Familien Becker und Behrendt aus Doberlug-Kirchhain. Und auch deren Söhne Justus und Emil waren schnell der gleichen Meinung.

Warum also nicht die zahlreichen Gäste bitten, dieses Geld, das dann im Rahmen einer Tombola beim Schulanfang gespendet wurde, für einen guten Zweck einzusetzen?

Aber für welchen? Diese Entscheidung fiel relativ schnell und eindeutig, denn bei beiden Familien gehört auch jeweils ein Hund zum Haushalt, sehr zur Freude der beiden Jungs. Nachdem sie erfahren hatten, dass das neue Tierheim für Elbe-Elster in den Startlöchern steht, war die Sache entschieden. Das Geld, rund 250 Euro, soll den Tieren zugutekommen.

„Es ist natürlich nicht viel, wohl eher ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Vater Marco Becker. „Aber wenn es viele Leute machen, kommt auch etwas zusammen. Uns geht es gut und wir möchten auch ein bisschen etwas an die Gemeinschaft zurückgeben.“

Spende persönlich übergeben

Und damit sie wissen, dass ihre Spende auch wirklich am Bestimmungsort ankommt, machen sich Britta, Marco und Justus Becker auf den Weg nach Herzberg, um sich persönlich ein Bild zu machen, wie das Geld verwendet wird. Ihr Ziel ist das Haus von Susanne Seidler. Sie betreut eine jener 13 Pflegestellen, die für den Tierschutzverein „Tierhilfe Südbrandenburg e.V.“ unerlässlich sind.

Gegenwärtig befindet sich auch noch ein Pflegehund, zusätzlich zu ihren zwei eigenen, in ihrer Obhut. Des Weiteren acht Katzen, von denen der größte Teil nicht als Freigänger, unter anderem wegen der vor dem Grundstück liegenden, viel befahrenen Straße, gehalten werden kann. Und längst nicht alle der Samtpfoten werden wohl zukünftig an neue Besitzer vermittelt werden.

„Es sind auch viele alte und chronisch kranke Tiere dabei, die schon viel Aufmerksamkeit und Pflege bedürfen“, erklärt Seidler. Wie etwa „Hugo“, der „Wackelkater“, wie sie ihn scherzhaft nennt. Er leidet hin und wieder an neurologischen Ausfällen, was ihn aber nicht daran hindert, sofort eine Streicheleinheit von Besuchern einzufordern.

Pflegestellenbetrieb erfordert Engagement und Einsatz

„Dies ist, neben dem Beruf, schon eine Menge Arbeit, die man mit den Tieren hat. Selbstverständlich fallen dazu auch noch Kosten an.“ Tierarztrechnungen und Futtermittel hat man in der Regel sofort im Kopf, wenn man daran denkt. Doch da ist noch weit mehr. „Das umfasst auch viele Haushaltsprodukte, angefangen von Waschmittel und Küchenrollen bis hin zu Wickelunterlagen. Eine Menge Müll fällt natürlich ebenso zwangsläufig an.“

Emil Behrendt

Auch Justus Schulfreund Emil Behrendt, selber ein großer Hundefreund, hat sich mit seinen Eltern bei seinem Schulanfang an der Aktion beteiligt.

Doreen Behrendt

Und man muss letztlich bereit sein, auch Haus und Grundstück mit den Tieren zu teilen. Selbst wenn beispielsweise jüngere Katzen leichter weiterzuvermitteln sind, haben diese im Haus in der Regel noch keine Routine. Also freie Bahn für alles, was interessant erscheint, inklusive der Möbel. Schließlich wollen die Kleinen spielen. „Man muss schon hinterher sein“, lächelt Susanne Seidler. „Neben dem Aufräumen und Reinigen ist man außerdem aber auch am laufenden Band unterwegs. Alle diese Tätigkeiten bleiben an der Pflegestelle hängen.“ Dazu kommt, dass jederzeit wieder irgendwo Not am Mann sein kann und ein neues Tier ebenfalls eine Aufnahmestelle braucht.

Familie Becker bekommt an diesem Nachmittag auf jeden Fall ausgiebig Gelegenheit, einen Einblick in die Herausforderungen und den Ablauf in einer solchen Pflegestelle zu nehmen. Über sein Interesse für Tiere hinaus, versucht sich das Paar auch anderweitig sozial zu engagieren, vor Schulbeginn etwa im Verein der Kita, die Justus besucht hat.

Anregung für Nachahmer?

„Als wir den Gästen die Idee mit der Tombola beim Schulanfang erläutert haben, waren viele davon begeistert“, so Marco Becker. „Vielleicht könnte dies auch eine Anregung für andere Leute zu Feierlichkeiten sein.“ Man könne ja womöglich auch eine Spendendose für eine gute Sache aufstellen, etwa bei Hochzeiten oder Geburtstagen. „Ehe man dann etwas Sinnloses schenkt, sind eventuell viele Leute ebenfalls für eine solche Idee offen. Und es könnte Gutes bewirken.“

Justus Becker auf dem Hof von Susanne Seidler

Neben Hunden und Katzen fanden auch die Pflegeschafe auf dem Hof von Susanne Seidler das Interesse von Justus.

Rico Meißner

„Wir sind als Verein unheimlich dankbar für jeden, der uns unterstützt“, macht Susanne Seidler deutlich. Dies müsse nicht nur mit Geld der Fall sein, auch Hilfe und Unterstützung, unter anderem bei der Betreuung von Infoständen oder bei Arbeitseinsätzen sei großartig.

Kurze Zeit später ist Justus erste Begegnung mit Pflegehündin „Holly“  erst einmal von etwas Respekt gekennzeichnet. Immerhin ist sie fast so groß wie er. Aber die Hündin ist zutraulich. Vielleicht doch als weiteres Familienmitglied mit nach Hause nehmen? Das wird dann aber eher nichts. Denn dort wartet bereits Berner Sennenhündin „Wilma“ auf die Heimkehr der Familie.