Theater mit Die ScHerzberger
: Tarzan und das verfluchte Herzberg – eine Premiere

Besuch aus dem Dschungel bei der Theater-Gruppe „Die ScHerzberger“:  Wie Herzberg den Fluch loswerden konnte und warum Tarzan am Premierenabend noch ins Krankenhaus musste.
Von
Birgit Rudow
Herzberg
Jetzt in der App anhören
ScHerzberger Tarzan

Reinhard Straach, Ines Medenwald, Stephanie Kammer, Christian Poser, Günter Schulze und Pianist Sebastian Pöschl beim Schlussbild der Premiere von „Tarzan und 100 Mal Herzberg“. Mit ihrem neuen Stück konnten die „ScHerzberger“ ihr Publikum wieder begeistern.

Birgit Rudow
  • Die Theatergruppe "Die ScHerzberger" feierte die Premiere ihres Stücks "Tarzan und 100 Mal Herzberg".
  • Tarzan, das uneheliche Kind von Reinhard, kommt aus dem Dschungel nach Herzberg, um den Fluch zu brechen.
  • Das Stück ist eine Satire über gesellschaftliche Probleme und Herzberg.
  • Alle zehn geplanten Veranstaltungen sind ausverkauft.
  • Bei der Premiere gab es echte Verletzungen, aber die Aufführung endete positiv.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Regelmäßiges Produzieren von Podcasts ist eine anstrengende Angelegenheit. Das musste Ines erfahren. Was so nett mit Gleitbrille und Gleitgel zum halben Preis beim Aldi für guten Sex auch im zunehmenden Alter begann, entwickelt sich zum Drama um das Überleben der Stadt Herzberg.

Angeschoben hat es Tarzan, das bis dahin unbekannte wie uneheliche (Urlaubs-)Kind von Reinhard in Herzberg. Es steigt aus der Kiste, in der Gärtner Reini eigentlich seine bestellten exotischen Pflanzen aus China vermutet hat.

„Tarzan und 100 Mal Herzberg“ heißt das neue Stück der Theatergruppe „Die ScHerzberger“. Ines Medenwald (köstlich), Christian Poser, Reinhard Straach und Stephanie Kammer laufen mal wieder zur Hochform auf, bestens abgestimmt begleitet von Sebastian Pöschl am E-Klavier und am Ende nochmals unterstützt von Günter Schulze. Herzberg kann sich glücklich schätzen, einen solchen Schatz an Kreativität und Talent zu haben.

Alle Veranstaltungen sind seit Wochen ausverkauft

Wieder geht es reichlich turbulent zu auf der kleinen Bühne der „ScHerzberger“ im Veranstaltungsraum 1 in der Dresdener Straße. Nach „25 Millionen für Herzberg“ (2016), „Rettet Reinhard“ (2019), „Dingsdabums“ (2021) und „Zappenduster“ (2022) jetzt also der „Tarzan“. Wie sehr sich die Satiren der Theaterleute bei den Herzbergern mittlerweile ihren Platz erobert haben, zeigt allein die Tatsache, dass schon lange vor der Premiere am vergangenen Freitag (14. März) alle zehn (bisher) geplanten Veranstaltungen mit je etwa 80 Gästen ausverkauft waren.

Deshalb sollen an dieser Stelle auch nicht alle Einzelheiten verraten werden. Vorerst nur so viel: Auch im „Tarzan“ erfassen die Probleme dieser Welt die kleine Stadt. Und es geht auch um die Frage, warum sich Leute, die zweimal im Jahr auf der „Aida“ Urlaub machen, über die hohen Butterpreise bei Kaufland aufregen.

Tarzan ScHerzberger

Steffi (r.) ist gerade aus der Klapsmühle gekommen. Sie hat einige Tage nicht mitgekriegt, was in Herzberg passiert. Doch dann kommt Tarzan.

Birgit Rudow

Tarzan, der größte Hoffnungsträger seines Volkes, muss den Dschungel verlassen. Er ist dort nicht mehr sicher. Seine Mutter schickt ihn zum nichts ahnenden Vater nach Herzberg. Tarzan weiß, dass das Böse in der Welt triumphiert. Aber doch nicht in Herzberg. Er macht sich über eine Tüte Deutsch her und versteht dann, dass er nicht ganz richtig liegt, und über der Stadt ein Fluch. Und zwar einer, der den Menschen Seele, Herz und Stolz genommen hat.

Nur, wenn die Herzberger 100 Dinge benennen können, die ihre Stadt besonders und einzigartig machen, und nur, wenn sie zusammenstehen, wird Herzberg die Schattenwelt verlassen können und wieder aufblühen. Ines muss das alles im Podcast festhalten.

Keine Angst. Die Stücke-Macher erzählen nicht alle 100 Geschichten, aber einige. Wie die vom Brief eines ehemaligen Bürgermeisters an einen Mitarbeiter, oder die über den Schwimmmeister „Mühle“. Sie berichten vom Missionar Carl Friedrich Wuras in Afrika, von den Erlebnissen des Schmiedeweltmeisters Denni Ludwig in der Sparkasse, vom alten Herzberger Motorsportclub und auch von Tarzan, der sich nicht ohne Grund als Maus in der „Untergrundkneipe“ G2 versteckt.

Quatsch mit einem tiefen Sinn

Bei allen ernsthaften Hintergründen ist „Tarzan“ aber, wie die anderen bisherigen Stücke der „ScHerzberger“, eine Satire, bei der man herzhaft lachen kann. Ein junger Mann kommt in einer Holzkiste aus dem Dschungel in die Stadt und hält den Leuten den Spiegel vor. Dieser „Quatsch“, wie Reinhard Straach es bezeichnet, stammt erneut aus der Feder von Stephanie Kammer. „Es ist aber Quatsch mit einem tiefen Sinn, hinter dem wir alle stehen“, erklärt Straach dem Publikum.

Die „ScHerzberger“ meinen damit die Auflehnung gegen Intoleranz, Hass, Hochmut, Ausländerfeindlichkeit oder gar Rechtsradikalismus in ihrer Stadt.

arzan ScHerzberger

Christian erklärt, was Schwimmmeister „Mühle“ (im wahren Leben Jörg-Karsten Mühlberger), der so vielen Leuten das Schwimmen beigebracht hat, besonders macht.

Birgit Rudow

„In der Satire über Abgründe und Widersprüche der Gesellschaft beschreiben wir die aktuellen Probleme natürlich mit einem gewohnten Maß an Übertreibung. Dabei gehen wir auch das Risiko ein, von einigen falsch verstanden zu werden. Die Übertreibung kann durchaus auch mal weh tun, selbst uns“, erklärt Stephanie Kammer. Sie hat den Schluss und einige Passagen des Stückes mehrmals den aktuellen Geschehnissen angepasst. „Merzberg“ wäre ihr vor einem halben Jahr wohl noch nicht eingefallen.

Am Ende ist (fast) alles wieder gut

Wie aber immer bei den „ScHerzbergern“, geht der Zuschauer auch nach dem „Tarzan“ (hoffentlich)  nachdenklich, jedoch mit einem guten Ende im Gedächtnis nach Hause. Ines ist vom Podcasten total geschafft, aber sie hat die 100 Herzberger Besonderheiten im Kasten. Die Stadt ist gerettet. Ebenso Tarzan, dem seine neuen Freunde zur Seite stehen. Der Wunsch der ScHerzberger am Ende der Suche nach 100 Einzigartigkeiten: „Güte und Hirn soll'n uns künftig regier'n“.  Zumindest in der Aufführung wurden Wunden gekittet.

Apropos Wunden. Die gab es am Premierenabend auch in echt. Einige Nähte an Steffis Domina-Kostüm sind auf der Bühne gerissen. Sie braucht ein neues.  Und „Tarzan“ Christian hat sich bei einem seiner waghalsigen Dschungelsprünge eine blutende Wunde am Fuß zugezogen. Sie musste medizinisch behandelt werden. Samstag stand Christian wieder auf der Bühne. Gute Besserung, Tarzan.

Reinhards exotische Pflanzen aus China sind übrigens auch angekommen. Postbote Günti hat sie gebracht. Dann ist ja doch noch alles gut.