Start in die Motorradsaison: Worauf Biker achten sollten – ein Profi gibt Tipps

Michael Kuhl ist in der Werkstatt zuständig dafür, dass die Mororräder auch wieder auf dem richtigen sicherheitstechnischen Stand sind.
Rico MeißnerDie Tage werden länger, die Sonne scheint wieder ein wenig häufiger und die Straßen sind trocken. Damit beginnt auch wieder die Saison für Motorradfahrer. Aber gibt es überhaupt noch so viele von ihnen und was sollte man sich vielleicht vor dem Start in die neue Saison noch einmal durch den Kopf gehen lassen?
Im Autohaus von Roland Metzner in Herzberg machen die Arbeiten an Motorrädern etwa zehn bis fünfzehn Prozent der Werkstattroutine aus. Hauptverantwortlich dafür zeigt sich Michael Kuhl. Eigentlich ist er gelernter KfZ-Meister, hat sich aber im Rahmen seiner beruflichen Weiterentwicklung auf Motorräder spezialisiert. Auch privat ist er gern auf zwei Rädern unterwegs. „Ich mag das Fahren mit meiner Honda. Man kriegt dabei den Kopf frei“, sagt er.
Eine bestimmte Altersklasse seiner Kundschaft in der Werkstatt sieht er nicht. „Das fängt bei 18-Jährigen an und geht aufwärts. Da ist so ziemlich jeder vertreten. Aber in letzter Zeit kommen auch wieder vermehrt jüngere Fahrer hinzu und auch der Anteil der Frauen wächst deutlich. Zumindest habe ich diesen Eindruck.“
Handling für das Motorrad muss stimmig sein
Während sich Einsteiger in der Regel eine neue Maschine kaufen würden, gäbe es bei Älteren schon noch den Trend, auch einen „Oldtimer“ zu fahren. „Aber das geht alles Querbeet. Viele fahren Sportmaschinen, manche auch eine Offroad-Maschine und die älteren Semester neigen hin und wieder auch zu der Choppervariante.“

Auch Quads kommen wieder verstärkt zur Wartung oder zur Reparatur.
Rico MeißnerEinige Sachen macht Kuhl noch einmal deutlich, gerade auch für Neueinsteiger. „Das Handling muss stimmen. Das fängt damit an, dass man sicher sitzt und auch einen Halt hat. Die Körper- und die Maschinengröße sollten schon zusammenpassen.“ Denn was nutzt es, wenn man zwar gut fahren kann, aber bei einem Halt die Beine nicht richtig auf den Boden bekommt?
Noch etwas anderes ist für ihn von Bedeutung. „Ganz wichtig ist es, jetzt zum Start in die neue Saison besonders umsichtig zu sein. Als Motorradfahrer wird man von anderen Verkehrsteilnehmern auch mal schnell übersehen, daran sollte man immer denken. Außerdem ist es vielleicht gut, jetzt, nach dem ‚Winterschlaf‘, erst einmal langsam einige Runden zu drehen. Auch das Kurvenfahren wieder ein wenig einüben oder eine unplanmäßige Vollbremsung. Einfach, damit man wieder ein Gefühl dafür entwickelt.“
Hauptsächlich Fahrzeugsicherungschecks
Das meiste, was Kuhl in der Werkstatt durchführt, sind unter anderem Fahrzeugsicherungschecks. „Die Schwerpunkte sind hier Dinge wie Reifen, Bremsen, Kette und Beleuchtung. Viele Kunden lassen dies aber ohnehin im Zusammenhang mit der TÜV-Prüfung durchführen.“ Repariert werden am häufigsten in der Regel Verschleißteile. Oder Arbeiten wie das Abdichten der Gabel oder die Erneuerung von Bremsflüssigkeit oder Steuerkette.
„Viele machen auch einen Großteil selbst. Aber das kann manchmal auch nach hinten losgehen. Ich hatte schon Fälle, wo ich vor einem Vergaser stand und mir dachte, hättest du mal lieber nichts daran gemacht. Da fängt man dann nämlich fast wieder bei Null an.“
Für die gängigen Modelle sei die Ersatzteilbeschaffung nicht wirklich ein Problem. Und auch bei älteren Modellen gäbe es größtenteils noch genügend Gebraucht- oder Nachbauteile. Nichtsdestotrotz kommt es auch vor, dass Maschinen in die Werkstatt gebracht werden, an denen fahrzeugsicherheitsrelevante Teile beschädigt sind. „Manchmal muss man auch knallhart sagen, so geben wir die Maschine nicht wieder heraus. Die meisten Kunden sind in einem solchen Fall einsichtig, wenn man es vernünftig erklärt. Denn letztendlich muss auch die Sicherheit für andere Verkehrsteilnehmer gegeben sein.“
Unfallmaschinen zu reparieren, sei in der Regel eher die Ausnahme. „Die meisten Reparaturen sind ‚Umfaller‘“, schmunzelt Michael Kuhl. Das beinhaltet dann solche Dinge wie Schäden an der Verkleidung, verbogene Fußrasten oder Kupplungshebel.
Die Nachfrage nach Wartung und Sicherheitschecks steigt momentan. „Man merkt deutlich, dass die Saison beginnt.“ Viele haben zudem auch nur ein Saisonkennzeichen von März bis Oktober. Das würde einige schon hin und wieder ärgern. Denn wenn der Dezember zum Beispiel warme, trockene Tage zu bieten hat, was spräche da gegen einen kleinen spontanen Ausflug?
Wichtig für Motorradfahrer: Vorausschauendes Fahren
Welchen Tipp hat der Werkstattprofi sonst noch für das Wiedereinsteigen ins Motorradfahren? „Ich würde auf jeden Fall sagen: Mitdenken und vorausschauendes Fahren sollten automatisch erfolgen. Und wie der alte Spruch sagt: Immer mit der Dummheit der anderen rechnen.“
Dass Motorradfahren nicht komplett ungefährlich ist, hat sich auch in Herzberg vor wenigen Wochen auf tragische Weise bestätigt. Wie denkt Michael Kuhl über solche, wie in dem Fall tödlich verlaufende, Unfälle? „Wenn ich jeden Tag über die besagte Kreuzung fahre, dann denke ich immer wieder daran. Man geht einfach mit ganz anderen Gedanken auf die Maschine.“


