Selbsthilfe in Elbe-Elster
: Premiere an der F60 bringt Menschen zusammen

Psychische Erkrankungen nehmen zu, doch auf Therapieplätze warten Betroffene oft monatelang. Der Selbsthilfetag an der F60 in Lichterfeld schafft Orientierung zu Selbsthilfe und Beratungsstellen.
Von
Isabell Hartmann
Lichterfeld/Herzberg
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Selbsthilfegruppe: ARCHIV - 04.12.2017, Baden-Württemberg, ---: Eine Selbsthilfegruppe kann bei Alkoholsucht Teil einer Langzeittherapie sein, um Rückfällen vorzubeugen, bei chronischen Erkrankungen ein Forum des Austausches. (zu dpa: «Grüne fordern mehr Landesgeld für Selbsthilfe-Organisation») Foto: Felix Kästle/dpa/dpa-tmn +++ dpa-Bildfunk +++

Beim brandenburgischen Selbsthilfetag an der F60 in Lichterfeld (Elbe-Elster) stellen Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen ihre Angebote vor und geben Einblicke in Erfahrungen aus der Region. Die Veranstaltung soll zeigen, welche Unterstützung Menschen in Brandenburg finden können. (Symbolbild)

Felix Kästle/dpa-tmn/dpa
  • Brandenburgischer Selbsthilfetag an der F60 in Lichterfeld bietet Orientierung zu Angeboten.
  • Termin am 12. September – LAGS lädt ein, erstmals im Landkreis Elbe-Elster.
  • Themeninseln: Selbsthilfe, Gesundheit, Kinderbereich, inklusiv mit barrierearmen Zugängen.
  • Workshops zu Gebärdensprache und Inklusion, Ergebnisse für das Gesundheitsministerium.
  • Hintergrund: steigende Ausfalltage, lange Wartezeiten auf Therapie, digitale Selbsthilfeformate.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Psychische Erkrankungen verursachen in Deutschland immer mehr Ausfalltage. 2024 waren es laut DAK‑Psychreport 342 Fehltage je 100 Beschäftigte. Depressionen verzeichneten einen Anstieg um 50 % gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig warten Betroffene laut Bundespsychotherapeutenkammer im Durchschnitt rund 20 Wochen auf einen Therapieplatz – in ländlichen Regionen teils deutlich länger.

Vor diesem Hintergrund soll der 21. Brandenburgische Selbsthilfetag Orientierung bieten. Am 12. September lädt die Landesarbeitsgemeinschaft der Selbsthilfekontaktstellen in Brandenburg (LAGS) an die F60 nach Lichterfeld ein. Auch Selbsthilfegruppen aus Herzberg sind vertreten, betreut durch die Kontaktstelle Elbe‑Elster, die dort einen eigenen Beratungsstandort hat.

Der Selbsthilfetag findet erstmals im Landkreis Elbe‑Elster statt. Für viele Gruppen aus der Region sei es die erste Gelegenheit, sich im eigenen Landkreis in dieser Form zu präsentieren. „Wir wollten den Tag bewusst in unsere Region holen, weil Selbsthilfe hier eine starke Rolle spielt“, sagt Manuela Krengel, Koordinatorin der Kontaktstelle für Selbsthilfe und Interessengruppen im Landkreis Oberspreewald‑Lausitz.

F60 als Ort für Begegnung und Strukturwandel

Die Wahl des Veranstaltungsortes ist ebenfalls kein Zufall. Die F60 gilt als Symbol für Strukturwandel und regionale Identität. Das Team des Besucherbergwerks unterstützt die Veranstaltung organisatorisch. „Ohne das Team der F60 könnten wir die Veranstaltung in dieser Größe nicht stemmen“, erklärt dazu Kerstin Radecker, Mitarbeiterin der Selbsthilfekontaktstelle Elbe‑Elster. Die Kooperation soll zeigen, dass Selbsthilfe nicht nur ein gesundheitliches Thema ist, sondern auch Teil des gesellschaftlichen Zusammenhalts in der Region.

Familie

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„Viele Menschen wissen gar nicht, welche Gruppen es in ihrer Nähe gibt.“
Manuela Krengel
Koordinatorin der Kontaktstelle für Selbsthilfe und Interessengruppen im Landkreis OSL

Die Veranstaltung steht unter dem Motto „Komm auf die Insel der Selbsthilfe“. Dahinter steckt ein offenes Marktkonzept mit mehreren Themeninseln: Auf der Selbsthilfeinsel präsentieren sich Gruppen aus dem ganzen Land, darunter Angebote zu Sucht, psychischen Erkrankungen, Parkinson, Multipler Sklerose oder Prostataerkrankungen. „Viele Menschen wissen gar nicht, welche Gruppen es in ihrer Nähe gibt oder wie Selbsthilfe funktioniert. Genau dafür ist dieser Tag da“, berichtet Manuela Krengel.

Auf der Gesundheitsinsel sind das Gesundheitsamt mit dem Sozialpsychiatrischen Dienst, der Pflegestützpunkt, Krankenkassen und Sanitätshäuser vertreten. Besucher können sich beraten lassen, Fragen stellen oder Mitmachangebote ausprobieren – vom Rollator‑Parcours bis zu kleinen Fitnesschecks. Für Kinder gibt es eine eigene Insel mit Hüpfburg, Bastelstation und Sinnesübungen, damit Eltern in Ruhe Gespräche führen können. „Wenn jemand betroffen ist, ist oft die ganze Familie betroffen. Deshalb haben wir den Tag bewusst als Familienveranstaltung gestaltet“, sagt Kerstin Radecker.

Kerstin Radecker (rechts im Bild) von der Selbsthilfekontaktstelle Elbe‑Elster im Gespräch während der Vorbereitung des brandenburgischen Selbsthilfetags. Mit ihr auf dem Foto: Angie Nicolai von der Kontaktstelle und Leiter des Trägervereins LebensWert e. V., Thomas Porsche.

Kerstin Radecker (rechts im Bild) von der Selbsthilfekontaktstelle Elbe‑Elster im Gespräch während der Vorbereitung des brandenburgischen Selbsthilfetags. Mit ihr auf dem Foto: Angie Nicolai von der Kontaktstelle und Leiter des Trägervereins LebensWert e. V., Thomas Porsche.

Isabell Hartmann

Ein Schwerpunkt liegt auf dem Thema Inklusion. In einem Workshop wird ein Crashkurs in Gebärdensprache angeboten, ein weiterer beleuchtet die Frage, wie inklusiv der Alltag in Brandenburg tatsächlich ist. „Wir wollen ein Stimmungsbild einfangen, was Menschen brauchen, um sich im Alltag nicht ausgeschlossen zu fühlen“, erklärt Manuela Krengel. Die Ergebnisse sollen später dem Gesundheitsministerium übergeben werden. Auch die Veranstaltung selbst ist barrierearm gestaltet – mit klaren Wegen, barrierefreien Zugängen und Angeboten, die Menschen mit Behinderung einbeziehen.

Erfahrungsberichte und Projekte auf der Bühne

Auf der Hauptbühne der Veranstaltung wechseln sich kurze Interviews und Erfahrungsberichte ab. Vorgestellt wird unter anderem das Projekt „Surf and Heal“ aus Potsdam, bei dem Betroffene therapeutische Erfahrungen auf dem Surfbrett sammeln. Außerdem berichten zwei sogenannte „Kreismeister“ von ihrem Weg aus persönlichen Krisen. Der Begriff steht in der Selbsthilfe für Menschen, die schwierige Lebensphasen bewältigt haben und ihre Erfahrungen öffentlich teilen. Eine Ausstellung mit ihren Porträts ist im Veranstaltungszelt zu sehen.

Der Selbsthilfetag soll zeigen, wie vielfältig und modern Selbsthilfe heute ist. Viele Gruppen nutzen inzwischen digitale Formate, um sich zu vernetzen – von Chat‑Räumen über Videokonferenzen bis zu Social‑Media‑Kanälen. „Selbsthilfe ist längst nicht mehr altmodisch. Sie geht mit der Zeit“, sagt Manuela Krengel.

Gerade für jüngere Betroffene oder Menschen mit seltenen Erkrankungen seien digitale Treffen oft die einzige Möglichkeit, sich auszutauschen.