Theater-Premiere in Herzberg
: Die DDR kehrt für vier Abende zurück

In Herzberg wird die DDR mit „1974 - Träume vom Freisein“ auf dem Marktplatz lebendig. Zwischen Zeitkapsel, Jugendweihe und Friedensfahrt liegen Erinnerungen und neue Erfahrungen.
Von
Rico Meißner
Herzberg
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Auch alte Fahrzeuge aus DDR-Zeiten finden in dem Stück auf dem Marktplatz in Herzberg ihre Rolle.

Auch alte Fahrzeuge aus DDR-Zeiten finden in dem Stück auf dem Marktplatz in Herzberg ihre Rolle.

Marco Hammer
  • Herzberg zeigt auf dem Marktplatz das Stück „1974 - Träume vom Freisein“ an vier Abenden.
  • Termine sind Freitag und Samstag sowie in der kommenden Woche – Einlass ab 18 Uhr.
  • Inhalt: Rückblende um Maxie, Zeitkapsel, Jugendweihe, Frauentag und Friedensfahrt.
  • Mitwirkende sind Bürger, Schulchor, Neuntklässler und DDR-Fahrzeuge – fast ausverkauft.
  • Karten kosten 15 Euro, Restkarten an der Abendkasse. Unterstützung kommt von der Sparkasse.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die DDR ist tot. Und doch lebt sie noch immer. In den Köpfen, den Erinnerungen und manchmal mit einer heimlichen Sehnsucht nach alten Zeiten und manchmal auch mit Abscheu. Nichts ändert jedenfalls etwas daran, dass deren Existenz die Menschen hier geprägt hat.

Nun bringt Herzberg am Freitag und Samstag (26. und 27. Juni) und auch in der kommenden Woche (3. und 4. Juli) die untergegangene Republik zurück. Zumindest auf der Theaterbühne auf dem Marktplatz der Stadt. Mit dem Stück „1974 - Träume vom Freisein“.

Es ist das dritte große Theaterprojekt, das umgesetzt wird. Das erste hatte 2017 die Reformation zum Gegenstand, 2023 war es die Geschichte um einen Bankraub. Jetzt also die Wiederauferstehung einer anderen untergegangenen Epoche. „Wir haben ein tolles Ensemble“, schwärmt Karin Jage, Teamleiterin des Fachbereiches Bildung und Kultur. „Mit dabei sind Bürger unserer Stadt, aber auch der Chor der Grund- und Oberschule Johannes Clajus oder die Neuntklässler vom Gymnasium, Abteilung Darstellendes Spiel.“

Geschichte in Herzberg als Rückblende

Die Geschichte selbst ist quasi eine Rückblende. Es geht um Maxie (dargestellt von Pauline Uhlig und Ella Krumpholz), die einst ein Tagebuch führte und dies einer Zeitkapsel anvertraute. Nach vielen Jahren hat sie das Buch wieder in den Händen und erlebt diese Zeit von damals quasi noch einmal.

Die Friedensfahrt, die die Stadt streift, Frauentage und Jugendweihe. „Das ganze Stück ist aus vielen Erinnerungssplittern der Herzberger zusammengesetzt“, sagt Jage. „Jeweils mit einem vielleicht etwas unterschiedlichem Blickwinkel auf die Geschichte.“ Man habe sich viel Mühe gegeben. Viele Akteure, selbst Fahrzeuge aus DDR-Zeiten, sind dabei eingebunden.

„Dass wir die Theaterprojekte auf dem Markt fortführen, entspricht dem Wunsch der Menschen. Viele wollten, dass es nach der letzten Aufführung bald ein neues Stück gibt“, lächelt Karin Jage. Sie ist überzeugt davon, dass auch das neue Stück gut ankommen wird. „Wir sind fast komplett ausverkauft. Einige wenige Restkarten gibt es noch an der Abendkasse.“ Sie kosten 15 Euro pro Person, Einlass ist ab 18 Uhr. „Man sollte auch erwähnen, dass die Karten ohne die Unterstützung der Sparkasse Elbe-Elster doppelt so teuer wären.“ Geld verdienen wolle man damit aber  nicht. Es gilt, alle Unkosten zu decken. „Wenn wir am Ende bei plus/minus Null herauskommen, sind wir schon zufrieden“, meint Jage.

Schüler aus Herzberg lernen beim Spiel die Vergangenheit zu verstehen

Kai Schubert hat das Stück erarbeitet und ist auch der Regisseur. Er schildert, dass auch die Proben im Vorfeld gerade den jungen Menschen helfen, ein Stück jener Zeit zu verstehen, in der ihre Eltern und Großeltern aufgewachsen sind. „Das fängt schon bei manchen Begriffen an“, schmunzelt er. „Worte wie HO oder Haushaltstag mussten wir erst einmal kurz erklären. Oder Fahnenappell. Viele hatten davon noch gar nichts gehört.“ Ähnliches gelte für etliche Fahrzeuge, die im Stück zum Einsatz kommen. Oder warum die Männer nach Berlin fahren, um Bier für die Jugendweihefeier heranzuschaffen.

Hinter dem Ensemble in Herzberg liegen viele Wochen der Vorbereitung, Jetzt wird es ernst.

Hinter dem Ensemble in Herzberg liegen viele Wochen der Vorbereitung, Jetzt wird es ernst.

Marco Hammer

„Bei den Proben haben wir gemerkt, dass die Jugendlichen sehr interessiert waren“, so Schubert. „Da gab es kein Augenrollen, sondern mehr eine Art Neugier, wie dieses Leben war. Allein die Vorstellung, dass es kein Internet und Mobiltelefone gab, hat viele zum Überlegen und Nachfragen gebracht.“ Außerdem sei deutlich geworden, dass sich bei den Proben eine Art Gemeinschaftsgefühl entwickelt habe. Für die erwachsenen Darsteller war es ohnehin eine Reise in die Erinnerungen des eigenen Lebens.

Keine Sorgen wegen der Sommertemperaturen in Herzberg

Mit Hinblick auf die Premiere kann Karin Jage, angesichts der zu erwartenden Temperaturen schon einmal beruhigen. „Der Marktplatz liegt um diese Zeit im Schatten. Außerdem ist die Versorgung gesichert.“ Bereits während der Proben hat die Firma Falkenservice etliche Fässer rote Brause spendiert. Auch die Parkplätze sind vorhanden. Entweder direkt in der Nähe des Marktes, ansonsten auch in der näheren Umgebung, beispielsweise am Wasserturm oder am Sportplatz.

„Wir sind uns sicher, das werden einmal mehr tolle Theaterabende“, freut sich die Teamleiterin. In diesem Sinne ist allen Beteiligten viel Erfolg zu wünschen und es gilt bekanntlich: „Seid bereit …“