Oktoberfest in München 2023
: Nach drei Jahren Auszeit – so war die Neuauflage

Das 20. Oktoberfest im kleinen München (Elbe-Elster) erlebte ein Stimmungs-Erdbeben. Das Festzelt bebte. Warum es im kleinen München schöner ist als im großen, und warum es bei der Wachablösung Tränen gab.
Von
VRS
Uebigau/München
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  • Stimmungs-Erdbeben in München. „Die Stadlrogga“ , eine Partyrocker-Band aus den Bergen ließ am Samstagabend das Zelt beben.

    Stimmungs-Erdbeben in München. „Die Stadlrogga“ , eine Partyrocker-Band aus den Bergen ließ am Samstagabend das Zelt beben.

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  • Die Frauen-Truppe aus dem Amt Plessa hat die Vatis diesmal zu Hause gelassen. Die mussten den Nachwuchs hüten.

    Die Frauen-Truppe aus dem Amt Plessa hat die Vatis diesmal zu Hause gelassen. Die mussten den Nachwuchs hüten.

    VRS
  • Hoch das Maß. Ausgeschenkt wurde das Original Münchner Hofbräu, und es war preiswerter als auf der großen Wiesn in Bayern.

    Hoch das Maß. Ausgeschenkt wurde das Original Münchner Hofbräu, und es war preiswerter als auf der großen Wiesn in Bayern.

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Wahnsinn! In der Nacht zum Sonntag brannte beim Oktoberfest im sonst so beschaulichen kleinen München bei Uebigau (Elbe-Elster) nicht nur die Luft. Zeitweise bebte auch der Festzeltboden. Die Botschaft: Es geht weiter mit dem Fest – in neuem Antlitz und alter Tradition, als hätte es die drei Jahre Corona-Auszeit nicht gegeben.

Einige Gäste haben sogar extra noch aufgerüstet. Katrin Zscherneck (52) aus Drasdo fühlte sich bei ausgelassener Stimmung sichtlich wohl zwischen ihren Freunden. Zumal sie in einem nagelneuen Dirndl steckte, das sie sich extra zum 20. Jubiläums-Oktoberfest im kleinen München nahe ihrem Heimatort gekauft hatte. Obwohl sie schon seit 20 Jahren beim Oktoberfest in München dabei ist, hat sie sich zur Jubiläumsausgabe an diesem Wochenende erstmals ein typisches Oktoberfestkleid zugelegt. Das original- bayrische Dirndl wurde aus Rosenheim in Bayern für 180 Euro besorgt. Bisher mussten geeignete Blusen und Trachtenhosen ihren Zweck erfüllen.

Das Kleid sei quasi eine Investition in die Zukunft, sagt sie. „Wir hoffen, dass es auch zukünftig wieder problemlos weiter geht. Die Anschaffung lohnt sich, wenn man sich darin wohlfühlt“, meint Katrin Zscherneck. Natürlich wird das Kleid noch zu anderen Anlässen ausgeführt, so zum Beispiel bei einem Besuch bei Sohn Lucas in den alten Bundesländern, wo zeitnah ein weiteres Oktoberfest für die Familie ansteht.

Im kleinen München ist es schöner

Ehemann Steffen Zscherneck (55), Ortsvorsteher in Drasdo, hatte seine bayrische Lederhose bereits 2005 für das kleine München angeschafft. Damit habe er sich auch schon auf dem großen Oktoberfest an der Isar sehen lassen, erzählt er. Im kleinen München gefalle es ihm allerdings besser. „Ich war schon in München auf der Wiesn, bei uns ist es aber schöner, hier kennt man alle. Dort fühlt man sich unter den ganzen Menschenmassen verloren“, findet Steffen Zscherneck.

Damen-Truppe lässt die Papas zu Hause

Ganz und gar nicht alleine waren diesmal 14 Damen, quasi als Mann- bzw. Frauschaft angereist. „Wir sind eine Reisegruppe aus dem Amt Plessa“, beschreibt der Trupp ausgelassen feiernder junger Frauen seine Herkunft. Alle seien 29 Jahre alt und alle teilen ein gemeinsames Schicksal: Während in München tüchtig gefeiert wird, passen zu Hause die Papas auf die Babys und Kleinkinder auf. „Die Väter gehen ja sonst auch immer alleine aus“, etikettiert Kristin Biebach (29) aus Plessa den Grund für den weiblichen „Alleingang“.

Als leuchtendes Beispiel für andere stark beanspruchte Elternteile mit Option zu einer kleinen Auszeit war die Mütter-Truppe eindeutig erkennbar. Engelsgleich war sie mit strahlenden Heiligenscheinen ausgestattet.

Tränen beim Generationswechsel

Zum diesjährigen Oktoberfest gab es aber auch Tränen, und zwar ganz offiziell. Bei Maria Winter (40) sind so einige über die Wangen gekullert. Grund war der Abschied von Papa Matthias Winter (65) als Wiesn-Wirt und somit als langjährigen Hauptorganisator des Festes.

Maria Winter ist nun offiziell die neue Wiesn-Wirtin mit ebenfalls langjähriger Fest-Erfahrung. Bei der offiziellen Bekanntgabe des Wechsels vor den Oktoberfestgästen war „Altmeister“ Matthias Winter der besondere Moment anzusehen. Auch er hatte mit der einen oder anderen Träne zu kämpfen.

Mehr Zusammenhalt und Gemütlichkeit

Der Wechsel an der Wiesn-Spitze in München war optisch schon erkennbar. Diesmal wurde gegenüber den vorangegangenen Oktoberfesten vor der Pandemie nur ein, dafür aber größeres Festzelt aufgestellt. Damit soll mehr Zusammenhalt und mehr Gemütlichkeit bei den Festgästen erzeugt werden. Komplett neu sind die Getränkestände ausgerichtet und die Speisestrecke ist übersichtlicher in einer Linie angeordnet. Natürlich hätten bei diesen Neuerungen der Papa und Mutti Michaela Winter (61) mit ihren Erfahrungen noch reichlich mitgewirkt, lässt Maria Winter durchblicken.

Der Oktoberfest-Sonntag ist auf Familien und Vereine eingestellt. „Den durch Corona angeschlagenen Vereinen wollen wir damit eine Bühne bieten, um ihnen weiter aus der Krise zu helfen“, so Maria Winter.