Modell Flug Club Herzberg: Drohne als Hobby – Verein informiert über Vorschriften und mehr

Dirk Gotthardt (l.) und Martin Eichner vom Herzberger Modellflug Club erwarten auf den Senderwiesen Interessenten, die mehr über Drohnen und den Umgang mit den Flugobjekten wissen möchten. Hobby-Piloten können ihre Drohnen auf dem Gelände fliegen lassen.
Dieter MüllerJäger suchen mit Drohnen nach gefährdeten Rehkitzen, Fotografen machen fantastische Luftaufnahmen mit Drohnen. Mit den Fluggeräten werden Flächen vermessen oder schwer zugängliche Bereiche in Gebäuden inspiziert. Große Veranstaltungen können aus Sicherheitsgründen mithilfe von Drohnen überwacht werden. Die Einsatzbereiche für diese unbemannten, computergesteuerten Flugkörper weiten sich immer mehr aus, und so mancher nutzt sie auch im privat.
Es ist also kein Wunder, dass die Drohnen auch die Modellflieger vom Modellflug Club Herzberg e.v. längst erreicht haben. „Viele in unserem Verein haben mittlerweile eine Drohne. Für uns ist das aber ein reines Hobby“, sagt der Vorsitzende Dirk Gotthardt. So manches Video hat er damit bereits gedreht. Natürlich nur dort, wo keine Unbeteiligten zugegen sind, zumeist an Lost Places.
Viele Vorschriften müssen bei Drohnen beachtet werden
Die Modellflieger des Vereins fliegen die Drohnen auf ihrem Flugplatz an den Senderwiesen bei Herzberg oder auch mal in Jessen in der Halle. Dirk Gotthardt beschäftigt sich seit fünf Jahren mit diesen Flugobjekten. Vor eineinhalb Jahren hat er sich eine FPV-Brille zugelegt. FPV bedeutet „First Person View“. Das heißt, man steuert die Drohne aus der Perspektive eines virtuellen Piloten an Bord.
Mit einem solchen Flugobjekt könne man allerdings nicht einfach machen, was man will, sagt der Fachmann. Es gibt viele Vorschriften zu beachten. So muss man für den privaten Gebrauch zumindest einen kleinen Drohnenführerschein erwerben, sich registrieren lassen und braucht bestimmte Versicherungen, erklärt Dirk Gotthardt.
Er weiß, dass sich mittlerweile viele für dieses Hobby interessieren, und sei es zum Fliegen im eigenen Garten. Deshalb laden die Herzberger Modellflieger zu kommenden Samstag (23. September) ab 10 Uhr zu einem ersten Drohnentag auf die Senderwiesen ein. „Es ist egal, ob jemand schon eine Drohne besitzt oder einfach erstmal nur Interesse an diesem Hobby hat. Wir helfen vor Ort auch beim Löten oder Zusammenbau einer Drohne“, sagt er. Die Modellflieger werden ein paar Tore aufbauen. „Wer bei uns auf dem Modellflugplatz fliegen möchte, der muss aber eine gültige Drohnenhaftpflichtversicherung vorweisen können“, so Dirk Gotthardt.
Meeting zum Kennenlernen in Herzberg
Der Drohnentag soll kein Volksfest werden, sondern eher ein Meeting, bei dem sich Leute mit dem gleichen Hobby treffen und kennenlernen, sich austauschen und die Möglichkeit bekommen, legal auf dem Modellfluglatz zu fliegen. „Wir wollen ein Ort sein für Informationen und Gespräche und können auch gern über die wichtigsten rechtlichen Sachen reden. Eingeladen sind ebenso Interessenten, die sich vielleicht erst eine Drohne anschaffen möchten. Denen können wir wertvolle Tipps geben, damit sie beim Kauf oder bei der Nutzung gar nicht erst etwas falsch machen“, so der Vereinsvorsitzende.
Nachwuchs in Herzberg dringend gesucht
Ganz uneigennützig ist diese Veranstaltung für den Verein natürlich nicht. Der muss dringend neue Mitglieder für den Modellflug begeistern. „Unser Altersdurchschnitt marschiert in Richtung 60. Das älteste Mitglied ist 85. Wenn wir keinen Nachwuchs gewinnen können, dann gibt es uns in zehn Jahren vielleicht nicht mehr“, sagt Dirk Gotthardt.
Mit Nachwuchs sind nicht nur Kinder oder Jugendliche gemeint. Der Verein spricht jeden an, vor allem aber junge Leute. „Der Berliner Speckgürtel reicht mittlerweile bis nach Herzberg. Junge Familien ziehen zurück. Die Leute sind so um die 30. Da können wir Kinder wie Eltern gleichermaßen ansprechen“, so der Vorsitzende.
Plattform für Racing-Wettbewerbe?
Neben den Modellflugzeugen wären auch Drohnen ein interessantes Hobby, sagt er. Für die FPV-Flieger gebe es mittlerweile Racing-Wettbewerbe, vor allem in den alten Bundesländern. „Wenn sich Leute dafür finden würden, könnten wir das auch bei uns machen. Wir möchten versuchen, im Verein eine Plattform dafür zu schaffen“, meint Dirk Gotthardt.
Das Modellfliegen und der Modellbau vereinen für ihn viele Aspekte – vor allem das Verständnis vom Fliegen und für Aerodynamik, aber vor allem Geschicklichkeit. Auch die Materialfrage spielt eine große Rolle. Eigentlich müssten die Schulen beim Club Schlange stehen für den Physik- oder den Chemieunterricht. Das sei aber leider nicht der Fall, so Gotthardt. Dabei förderten der Modellbau und das Fliegen bei Kindern wie Erwachsenen das Selbst- und Verantwortungsbewusstsein gleichermaßen, sagt er.
Schau durch die Zeitgeschichte der Fliegerei in Herzberg
Einmal im Jahr, immer am 1. Mai, lädt der Verein zu einem Schnupperfliegen ein. Am vorletzten Wochenende im Juli richtet er ein Modellflugtreffen aus, an dem bis zu 100 Piloten teilnehmen. Das Treffen ist alljährlich eine Schau der kleinen und großen Modelle durch die Zeitgeschichte der Fliegerei. „Die Piloten kommen gern zu uns. Denn wir haben ein fantastisches Modellfluggelände auf den Senderwiesen“, sagt Dirk Gotthardt. Das ist ziemlich bescheiden ausgedrückt. Denn das Gelände ist es nicht allein. Sondern der gute Ruf des Vereins in der ganzen Welt.
Verein aus Herzberg mit Anerkennung in der ganzen Welt
Zahlreiche Modellflieger machen mit ihren Wohnwagen sogar ein paar Tage Urlaub in Herzberg und verbinden das Hobby mit der Kultur der Region. „2023 hatten wir Gäste aus ganz Deutschland, aus Polen und Tschechien“, erklärt Dirk Gotthardt. Die Herzberger werden auch zu großen Modellflugveranstaltungen weltweit eingeladen. Zum Beispiel in die USA, nach Indien oder China. In diesem Jahr waren Herzberger Modellflieger in den USA, in England und Brasilien. „Wir haben Weltklassepiloten“, so der Vorsitzende. Das sollte doch Anlass genug sein, von denen am Samstag etwas über Drohnen zu lernen.
Flug- und Modellsport hat Tradition
Der Modellflug Club Herzberg e. V. wurde im Mai 1990 von 17 Modellfliegern gegründet. Heute gehören dem Verein etwa 30 Männer und Frauen an. Der Einzugsbereich ist groß. Die Modellflieger kommen aus der Region Herzberg und dem Elbe-Elster-Kreis, Torgau, Wittenberg, Jüterbog, aber auch Rostock und Dresden. Der Flug- und Modellsport hat Tradition auf den Senderwiesen. Laut Verein reichen die Wurzeln bis 1920 zurück. Das Areal der Herzberger Modellflieger nennt sich Senderwiesen, weil hier im Mai 1939 der damals mit 337 Metern höchste und modernste Rundfunksender der Welt, der „Deutschlandsender III“ seine Arbeit aufnahm. Nach dem 2. Weltkrieg wurde er demontiert.


